Würde am Sonnabend gerne wieder Wolfsburgs Maximilian Arnold entwischen, muss aber weiter zuschauen. Mehr als die Rolle des Glücksbringers ist für Max Kruse momentan nicht drin bei den Eisernen.  Foto: imago images/Team 2

Wiedersehen macht Freude. Folglich müsste Max Kruse am Sonnabend sich eigentlich drauf freuen, dass der VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Alte Försterei) zu Gast ist. Auch wenn von den Kollegen der Spielzeit 2015/16, in der er in 32 Ligaspielen sechs Treffer erzielte, nicht mehr viel vorhanden ist (Maximilian Arnold, Koen Casteels) und mal abgesehen davon, dass er nicht mitwirken kann. 

Was seine Laune derzeit aber kaum trübt. Die selbst verordnete Internetabstinenz scheint bei ihm passé seit den Feiertagen. Munter erfreut er sich wieder an seinen Instagram-Storys. Da gab es bunte Bildchen mit ihm und seinem Filius oder mehr arbeitspezifische, die ihn beim Workout zeigen und in denen er sich bisweilen per Bildunterschrift sogar selbst auf die Schippe nimmt.

Auch bei Union ist man nicht unerfreut. Zum einen, weil der sechsfacher Torschütze – wofür er in Berlin übrigens nur zehn Spiele brauchte – offenbar auf einem „guten Weg“ ist, um einmal eine nicht ganz unbekannte Trainerpersönlichkeit zu zitieren. Zum anderen, weil die Begegnung mit den Niedersachsen unter einem guten Stern steht. 

Fischer zählt Tage, bis Kruse zurückkommt

Denn gegen all seine Ex-Klubs konnten die Köpenicker in dieser Spielzeit punkten. Gegen Freiburg (2012–2014) sprang ein Unentschieden raus, in Gladbach (2014/15) wurde gepunktet, jüngst gegen Bremen (2007–2009 und 2016–2019) sogar dreifach. Nun soll dem VfL das gleiche Schicksal widerfahren. Der gehört übrigens neben den kommenden Gegnern Leverkusen und Leipzig zu den sechs Klubs, gegen die Union in der Bundesliga noch nie gewinnen konnte (Bayern, Schalke, Stuttgart).

Ein Dreier wäre also ein weiteres Zeichen dafür, dass Union sich anschickt, ein gestandener Bundesligist zu werden. Auch wenn Trainer Urs Fischer weiß, dass das alles andere als ein Spaziergang wird. „Wolfsburg ist eine geschlossene Mannschaft, eine sehr kompakte Mannschaft. Sie sind gut organisiert, laufen immer wieder hoch an. Treffen im Spiel richtige Entscheidungen und haben Unterschiedsspieler“, meinte der Schweizer Fußballlehrer.

Max Kruse bejubelt einen Treffer gegen den 1. FC Union – seinerzeit noch im Dress des FC St. Pauli.  Foto: imago images/Matthias Koch

Ironischerweise sind das Worte, mit denen Fischer nahezu auch sein Team beschreiben könnte. Insofern sind die Eisernen alles andere als chancenlos, auch wenn Fischer weiß, dass es wieder ein Kraftakt werden wird.  „Wir müssen einen guten Tag haben. Ich glaube, dass wir wie gegen Bremen von Beginn an da sein müssen. Wir müssen sofort bereit sein. Es geht darum, wieder unser Gesicht zu zeigen“, so der 54-Jährige, der die Tage zählt, bis ihm Kruse wieder auf dem Feld zur Verfügung steht und nicht nur als Maskottchen oder Glücksbringer.

Wenn es nun wieder klappt gegen einen von Kruses Ex-Klubs, kann man wirklich nur Bedauern, dass der FC St. Pauli derzeit nicht erstklassig ist. Denn auch dort trieb Kruse von 2009 bis 2012 sein Unwesen.