Ex-Union-Keeper Loris Karius erlebte im Champions-League-Finale mit dem FC Liverpool gegen Real Madrid den schwärzesten Abend seiner Karriere. Imago

Wenn ein Abend eine ganze Karriere abrupt beenden kann. Loris Karius ist zwar davon überzeugt, dass er den Albtraum von Kiew abgehakt hat. „Ja, es waren sehr unglückliche Umstände und für mich ein gebrauchter Tag“, sagt der Schlussmann vier Jahre nach dem schwärzesten Abend seiner Laufbahn. Karius betont im Gespräch mit der Sport Bild aber auch: „Ich hatte nachweislich eine Gehirnerschütterung erlitten und war dadurch gesundheitlich angeschlagen. Nach der Diagnose war es dann für mich einfacher, mit diesem Final-Abend abzuschließen.“

Dieser Final-Abend, das war der 26. Mai 2018. Genau wie am Samstag (21 Uhr, ZDF und DAZN) standen sich Real Madrid und der FC Liverpool im Kampf um den Champions-League-Titel gegenüber, und Karius rückte unfreiwillig in den Blickpunkt. Der Schlussmann leistete sich zwei dicke Patzer, Karim Benzema und Gareth Bale waren zur Stelle, am Ende hieß es 1:3. Karius machte nie wieder ein Spiel für Liverpool, obwohl er noch immer bei den Reds unter Vertrag steht – als Torhüter Nummer fünf.

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Karius machte mit Thomalla Schlagzeilen

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Beim 1. FC Union kam Loris Karius kaum zum Zug und wurde von den Bossen nach seiner einjährigen Leihe wieder verabschiedet.

Tatsächlich war Karius kurz vor seinem ersten Blackout mit Sergio Ramos zusammengestoßen. „Fünf Tage nach dem Finale hatte er 26 von 30 Anzeichen für eine Gehirnerschütterung“, sagte Teammanager Jürgen Klopp später. Aber wie das so ist: Bei den Liverpool-Fans blieben nur die Fehler in Erinnerung, der Name Karius ist bei ihnen verbrannt. Wenige Wochen nach dem Finale holte Liverpool für 72,5 Millionen Schlussmann Alisson Becker von der AS Rom.

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Karius, der zwischenzeitlich eher wegen seiner Beziehung zu Sophia Thomalla in die Schlagzeilen rückte, ließ sich zweimal ausleihen. Besiktas Istanbul verließ er im Streit um angeblich ausbleibende Gehaltszahlungen, beim 1. FC Union kam er 2020/21 vorbei und beschwere sich nach seinem Abschied, dass die Union-Bosse angeblich nicht mit offenen Karten gespielt hätten.

Kahn über Karius: „So ein Abend kann die Karriere zerstören“

Seither trainiert er wieder in Liverpool, ohne eine echte Chance auf einen Einsatz zu haben. Ende Juni läuft sein Vertrag aus, seine Zukunft ist ungewiss. Neben Greuther Fürth soll auch der FC Basel Interesse gezeigt haben. Passiert ist jedoch nichts.

Mit 28 Jahren ist Karius eigentlich im besten Torhüter-Alter. Aber: „So ein Abend kann eine Karriere zerstören“, sagte Oliver Kahn schon direkt nach Schlusspfiff. Zumindest für die Laufbahn des Deutschen in Liverpool traf das durchaus zu. Karius denkt dennoch lieber nach vorne: „Das Spiel ist jetzt vier Jahre her, und das Thema ist für mich längst abgehakt.“

Klopp will mit Liverpool die Revanche gegen Real

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Loris Karius patzte zweimal im Finale gegen Real Madrid. Später stellte sich heraus, dass sich der Torhüter früh im Spiel eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte.

Doch  am Samstagabend werden die Erinnerungen bei Karius beim Finale in Paris zwangsläufig wieder omnipräsent sein. Liverpool-Trainer Jürgen Klopp: „In Deutschland sagen wir: Man trifft sich immer zweimal im Leben. Das klingt mehr wie eine Bedrohung, als es eigentlich gemeint ist.“

Von einer Rache für jenes Finale, in dem neben Karius auch Salah nach einem Zweikampf mit Sergio Ramos ausgeknockt wurde und verletzt vom Feld musste, könne keine Rede sein. „Natürlich möchte ich das geradebiegen. Ich glaube aber nicht an Rache. Rache ist immer eine schlechte Idee“, so Klopp.

Die Bühne ist jedenfalls bereitet: Paris ist seit Tagen von Fans überflutet, alleine aus Liverpool werden bis zu 40.000 Anhänger ohne Ticket erwartet. Rund um den Eiffelturm bestimmt die Farbe Rot, Jürgen Klopp hat für all das aber keine Augen. „Was zählt, ist der Pott“, sagt er: „Man weiß nie, wie oft man ein Finale erreicht. Am Ende kann es nur einen geben.“

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