Unions dickste Chance, aber Bayern-Torwart Manuel Neuer klärt den Versuch von Robin Knoche sensationell. Foto: Imago/Matthias Koch

Am Ende haben sie sich ein wenig gefühlt wie im falschen Film. Aber hadern müssen sie allein mit sich und nicht mit ihrer totalen Unterlegenheit gegenüber dem FC Bayern. Nie und nimmer war der 1. FC Union in München so schlecht, dass der Rekordmeister sich für ein souveränes 4:0 (3:0) feiern lassen darf.

Aber langsam wird’s fast schon zum Fluch, denn bei den Eisernen weiß kaum noch jemand, wo das Tor des Gegners steht. Hilfe, sie treffen nicht mehr in die Kiste!

Die Eisernen und ein Spielball des Tabellenführers? Keineswegs! Die Bayern-Defensive ein Bollwerk, gegen das es für die Köpenicker kein Durchkommen gibt? Von wegen! Die Attacke des Dauer-Meisters so brillant, dass die Eisernen in deren Wirbel untergehen? Ganz und gar nicht! Was ist dann der Grund für die deutlichste Saisonniederlage des 1. FC Union?

Urs Fischer: „Haben Bayern eingeladen“

Erstens die Gnadenlosigkeit der Münchner bei den Toren von Kingsley Coman (16.), Tanguy Nianzou (25.) und Robert Lewandowski (45.+1, Foulelfmeter, 47.) bei gleichzeitiger Hilfestellung durch die Eisernen. Und zweitens die fehlende Kaltschnäuzigkeit bei eigenen Chancen.

Wer verliert, zumal so deutlich, sollte besser vielleicht nicht nach Ausreden suchen, weil die „Bayern zwar wirklich effizient waren“, so Trainer Urs Fischer, „wir sie aber teilweise schon dazu eingeladen haben und es nicht so war, dass sie uns an die Wand gespielt hätten“.

Bastian Oczipka spricht von „drei Eigentoren“

Ähnlich klingt es bei Rani Khedira, der sein Team erstmals als Kapitän auf den Platz geführt hatte: „Ganz am Anfang waren wir eigentlich ganz gut dabei, waren frech nach vorn und machen den Bayern quasi drei Geschenke.“ Gar von „drei Eigentoren“ spricht Bastian Oczipka und davon, dass „man so bei den Bayern dann nicht bestehen kann“.

Das eine ist so richtig wie das andere. Nur: Die Torflaute zieht sich mittlerweile viel zu lange hin. Seit dem 2:1 in Mönchengladbach sind die Eisernen auswärts ohne Tor, das sind acht Wochen oder vier Spiele. In Augsburg (0:2), in Bielefeld (0:1), in Wolfsburg (0:1) und nun in München gingen sie komplett leer aus und – aber das war ja ein Heimspiel – auch gegen Dortmund (0:3) gab’s nichts zu jubeln.

Dabei besaßen in München Sheraldo Becker (6., er sorgte trotzdem für einigen Wirbel), Robin Knoche (21., allerdings ist das Toreschießen nicht seine Kernkompetenz) und Taiwo Awoniyi (22.) durchaus ansprechende Gelegenheiten.

Trost: Nicht immer steht Manuel Neuer im Tor

Bessere jedenfalls als die Bayern bis dahin, von einer dicken Chance von Lewandowski abgesehen, die sich dem Torjäger aber nur deshalb bot, weil Khedira grob patzte. Was also dann?

Weitermachen, klar, und nicht nachlassen. Ganz nach dem eisernen Motto: Und nicht vergessen – wo die Kiste des Gegners steht. Ein winziger Trost noch: Nicht immer steht dort drin nämlich einer wie Manuel Neuer.

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