Umringt von den Kollegen feiert Max Kruse (M.) seinen Treffer zum 1:0 gegen Bochum. City-Press/Firo Sportphoto

Ach, wenn der große Ernst Reuter das noch hätte erleben können. Um es mit dem einstmals Regierenden Bürgermeister, einem bekennenden Freund von Gesamt-Berlin, auszurufen: Ihr Völker der Welt, schaut auf den Südosten dieser Stadt. Schaut auf den 1. FC Union, der im finalen Schlussakt der Hinrunde noch einmal einen raushaute. So wie es Trainer Urs Fischer zuvor gefordert hatte. Dank Max Kruses Volleytreffer gewinnen die Eisernen mit 1:0 (1:0) bei Aufsteiger VfL Bochum und holen sich ihren zweiten Auswärtsdreier dieser Spielzeit. 

Was für eine Woche für Kruse. Terminstress pur. Eben noch im schnieken Anzug auf seiner eigenen Hochzeit. Dann in kurzen Hosen und im kleinen Roten auf dem Platz. Dass der 33-Jährige mit einem feinen linken Fuß ausgestattet ist, ist bekannt. Und die 13.799 Besucher im Stadion an der Castroper Straße konnten dann auch einer Kostprobe seines Könnens beiwohnen, als Grischa Prömel eine schöne Hereingabe von Bastian Oczipka – bekam diesmal den Vorzug vor Niko Gießelmann – per Kopf verlängerte und Kruse einen Volley fast von der Strafraumgrenze zum Tor des Tages in die Maschen setzte (16.). 

„Wir haben sehr, sehr kompakt gestanden, unsere Ordnung gehabt. Wir haben unsere Möglichkeiten genutzt, auch wenn wir das eine oder andere Tor noch mehr hätten machen können. Dass wir uns zu Beginn der zweiten Halbzeit etwas zu tief fallen lassen, ist leider immer so“, jubelte der Jung-Ehemann nach seinem übrigens erst dritten Saisontreffer. 

Extrawürste verteilt Trainer Fischer ja höchst ungern. Diese Woche hat es sich aber absolut gelohnt, dass er Kruse für die Hochzeit am Donnerstag vom Trainingsbetrieb freigestellt hatte. So schnell hat selten einer zurückgezahlt.

„Ich war ein bisschen überrascht, dass der Ball so reinging“, sagte der Matchwinner nach dem Abpfiff bei Sky über sein Siegtor per Dropkick (16.), „dass ich ihn so gut getroffen habe. Aber das wurde auch mal Zeit.“ Dank des frühen Treffers des 33-Jährigen kletterte Union  kletterte wieder zumindest für eine Nacht wieder auf den sechsten Platz.

Keiner hat mehr Spiele in den Knochen als Union

Was für ein Halbjahr für die Eisernen insgesamt. 27 Zähler auf dem Konto! Nur einen weniger als im Vorjahresvergleichszeitraum. Und das trotz Dreifachbelastung. Dabei haben die Köpenicker in dieser Hinrunde  bereits 27 Pflichtspiele in den Knochen.

dpa
Zunge draußen, Ball drin: Unions Spielmacher trifft traumhaft zum 1:0 in Bochum.

Kein anderes Bundesligateam hat mehr Kicks spielen müssen. Und wenn man sich dann mal anschaut, wer sich im Tableau alles hinter den Eisernen derzeit einsortieren muss ... Leipzig! Wolfsburg!! Gladbach!!! Von den Kollegen aus dem Westend der Stadt muss man da gar nicht erst groß anfangen. 

Luthe wird in Bochum von VfL-Fans gefeiert

Was für ein Tag auch für Unions Torsteher Andreas Luthe, der nach Kräften mithalf, dass Union sich diesen Dreier sichern konnte. Gut, zweimal hatte er Glück. Weil Pantovic zunächst einen Abpraller in den Bochumer Nachthimmel setzte (59.) und dann noch mal an der Latte scheiterte (80.). Aber das gehört dazu. 

Und so freute sich Unions „Mr. Iceman“ über diesen gelungenen Jahresabschluss und wollte gar nicht erst groß in die Zukunft schauen. „Wir reiten diese Welle einfach weiter und wollen weiter Gas geben“, versprach Luthe, der bei seiner emotionalen Rückkehr ins Revier von den VfL-Anhängern lautstark gefeiert wurde. Ist halt ein Bochumer Jung. Das hat dort keiner vergessen.

Infos zum Spiel

  • VfL Bochum: Riemann 3 - Stafylidis 4 (60. Bockhorn), Masovic 3, Leitsch 4, Soares 3 – Losilla 4 – Osterhage 3,5 (75. Novothny), Rexhbecaj 3,5– Pantovic 3,5, Polter 5, Antwi-Adjei 4  (75. Ganvoula)
  • 1. FC Union: Luthe2,5  - Jaeckel 2, Knoche 2,5, Friedrich 3- Trimmel 2,5 (76. Ryerson), Khedira 3 (90. Möhwald), Prömel 3,5, Oczipka 3- Kruse 2 (76. Voglsammer) - Becker 4 (64. Haraguchi), Awoniyi 4,5 (64. Behrens)
  • Schiedsrichter: Tobias Reichel (Stuttgart) 2
  • Tor: 0:1 Kruse (16.)
  • Zuschauer: 13.500
  • Gelbe Karten: Masovic (5), Soares (3) 

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