Max Kruse wird nach seiner Verletzung im Derby auf der Bank behandelt. Foto: imago images/Matthias Koch

Da, wo sonst kein Abend ohne launige Filmchen oder Streams verging, ist es ruhig. Sebastian Polter feiert da in einer Story seinen dritten Treffer der laufenden Spielzeit und den ersten Saisonsieg mit Sittard, wodurch die Limburger die Rote Laterne abgaben. Christoph Lenz tummelt sich da. Torsten Mattuschka und Rafal Gikiewicz sowieso. Aber Max Kruse ist auf Instagram verstummt. 

Über 36 Stunden kein Lebenszeichen. Kein „come back stronger“. Immer wieder gern von Berufssportlern in die Welt hinausposaunt nach körperlichen Rückschlägen. Kein Hinweis auf die Dauer seines Ausfalls. Alles ein Indiz dafür, wie sehr den 32-Jährigen seine Verletzung aus dem Hauptstadtderby mitgenommen hat.

Die Eisernen teilten sehr kurz und knapp mit, dass es sich um einen muskuläre Verletzung in hinteren Oberschenkel handelt. Also nicht das Knie, wie zunächst befürchtet. Die Ausfallzeit wurde gewohnt salopp und unpräzise mit „bis auf weiteres“ bezeichnet. 2020 ist für ihn also gelaufen. Sollte es mehr als ein Faserriss sein, beispielsweise ein Muskelbündelriss, müsste Kruse auch den Start ins neue Jahr abschreiben. 

Kruse ist der Verbindungsspieler

Die Derby-Niederlage schmerzt. Der Verlust von Kruse noch mehr. „Die Verletzung von Max ist sehr unglücklich. Nicht wirklich in einer Aktion, wo du denkst, dass du dich verletzt“, zeigte sich Trainer Urs Fischer betrübt.

Natürlich sind die Eisernen der 1.FC Union und nicht der 1.FC Kruse. Aber der Ex-Nationalspieler ist nun einmal ein Unterschiedsspieler. Was seine elf Scorerpunkte – sechs Tore und fünf Vorlagen – statistisch unterstreichen. „Man hat gesehen, dass Max für uns wichtig ist. Er ist dieser Verbindungs-Spieler, der uns gefehlt hat, der mitgeholfen hat, dass wir eine kompakte und gute Organisation haben. Schauen wir mal, wie lange er ausfällt. Wenn er gegen Bayern nicht mitspielen kann, gilt es ihn zu ersetzen“, so der Schweizer Übungsleiter.

Immer wieder hatte der bunte Vogel in seiner Karriere mit Blessuren zu kämpfen. Bei Fenerbahce endete sein Engagement eigentlich mit seiner im März zugezogenen und in der Türkei zunächst falsch behandelten Sprunggelenksverletzung. Zu Bremer Zeiten setzten ihn 2016 Außenbandprobleme für 87 Tage außer Gefecht. 2018 war es das Schlüsselbein.

In Wolfsburg verpasste er 2015 nach einem Muskelfaserriss vier Spiele. In Gladbach musste er im August 2014 unters Messer und konnte in fünf Spielen nicht mitwirken. Als Jungspund war es bei Werder 2008 ein Schienbeinbruch, der ihn daran hinderte, zu den Profis aufzusteigen. Nur in Freiburg hat Kruse 2012/13 alle 34 Spiele mitmachen können und kam da erstmals in der Bundesliga mit elf Buden auf eine zweistellige Trefferzahl.

Auffällig: In all seinen Abwesenheiten konnten seine Klubs nicht wirklich punkten. 2018 blieb Werder sieglos. 2017 holten die Hanseaten sieben von möglichen 33 Zählern. Gladbachs mauer Start in der Liga endete 2014 erst mit Kruses Rückkehr und dem ersten Sieg der Saison. In diesem Frühjahr konnte Fenerbahce nur noch vier von zehn Spielen gewinnen. Union könnte nun ähnliches widerfahren. Zumal die kommenden Aufgaben mit Bayern und Dortmund sowie in Stuttgart alles andere als Selbstgänger sind.