Max Kruse zusammen mit Unions Manager Oliver Ruhnert bei seiner Vorstellung in Köpenick.  Foto: City-Press

Um klare Worte war Max Kruse noch nie verlegen gewesen. Und so trat er mutig einigen Unken entgegen, die mit ihren Kassandra-Rufen den Transfer des 32-Jährigen begleitet hatten und in ihm einen Paradies-Vogel à la Nico Patschinski sehen, dessen Ende in Köpenick eher nicht so ruhmreich gewesen war nach einigen Kartenrunden in Hohenschönhausen.

„Um es ganz klarzustellen. Ich bin grundsätzlich nicht hier, um mich um das Nachtleben von Berlin zu kümmern oder sonst irgendetwas. Ich bin hier, um Fußball zu spielen. Ich habe ein Privatleben. Aber ich glaube, das hat jeder von uns. Wäre schade für den, der es nicht hat. Ich habe in der Vergangenheit auch schon mehrfach gezeigt, dass ich trotz eines Privatlebens sehr gute fußballerische Leistungen zeigen kann. Und genau das habe ich hier bei Union Berlin vor“, erklärte der 1,80 Meter große Angreifer, der mit Sicherheit ein echter Typ mit Ecken und Kanten ist, aber kein Querulant oder Müßiggänger.

Berlin als solches, als weicher Faktor, habe für ihn bei seinen Überlegungen keine Rolle gespielt. „Natürlich ist Berlin eine schöne Stadt, da braucht man sich gar nichts vormachen. Aber in erster Linie geht es darum, Fußball zu spielen. Du kannst in einer schönen Stadt leben, aber trotzdem scheiße Fußball spielen. Das ist sicherlich nicht der Aspekt, der mich hierher geführt hat“, so der 14-fache Nationalspieler Kruse. 

Kruse will Führungsspieler sein

Wäre das also geklärt. Ausschlaggebend war vielmehr, dass man ihm zeitig aufgezeigt hat, welche Rolle er bei den Eisernen spielen soll im künftigen Mannschaftsgefüge. Ein Werben und Buhlen, das ihm gefiel. „Union hat sich sehr bemüht, früh bemüht. Wir standen nicht im täglichen Kontakt, aber im regen Austausch. Mir wurde sehr früh mitgeteilt, dass man mich gern hätte, und diese Wertschätzung habe ich früh erfahren. Es gab Angebote, die im monetären Bereich sicherlich lukrativer gewesen wären, aber für mich ging es darum, dass ich mich wohlfühlen kann“, so der gebürtige Hamburger.

Sein Anspruch ist es, bei Union eine Führungsrolle einzunehmen. Der Mannschaft als Teil der Mannschaft zu helfen. „Es gibt hier sehr viele junge Spieler, die sich entwickeln wollen. Dazu will ich beitragen und die Saison mindestens so gut abschließen wie im Vorjahr, als Union Elfter geworden ist“, so Kruse optimistisch.

Offen ist, ob die Vertragsauflösung mit Fenerbahce nicht noch Probleme bereiten könnte. Stichwort Ablösefreiheit. Die Türken war mit ihren Gehaltszahlungen so sehr in Rückstand geraten, dass Kruse den Bosporus unbedingt verlassen wollte. Die Frage wird noch juristisch geklärt. „Von meiner Seite aus gibt es da keinen Gesprächsbedarf. Da sind wir mitten drin. Das müssen und werden die Anwälte klären“, so Kruse.  Für die Eisernen offenbar kein Hinderungsgrund bei seiner Verpflichtung. „Wir gehen davon aus, dass wir eine Spielgenehmigung bekommen werden“, sagt Manager Oliver Ruhnert.