Hängende Köpfe: Die Kicker des 1. FC Union wissen, dass sie mit dem 0:3 in Wolfsburg eine Chance liegen gelassen haben.  Foto: imago/Oliver Behrendt

Ein komisches Sportwochenende liegt hinter uns. Da wird St. Pauli 4:0 von Kiel verprügelt und feierte das wie einen Derbysieg. Da kriegt der 1. FC Union eine auch in dieser Höhe verdiente 0:3-Klatsche in Wolfsburg und holt dennoch drei Tore auf Mönchengladbach auf, womit die Chance auf die Playoffs zur Europa Conference League weiterhin da ist.

Sicher, alles nicht aus eigener Kraft. Aber die Münchner, die zuvor kampflos Meister durch das 2:3 von Leipzig in Dortmund geworden waren, machten das wahr, was sich Manager Oliver Ruhnert erhofft hatte. „Wenn einer Deutscher Meister wird im Bus, ist das sicherlich halbschön, aber natürlich gehören da Glückwünsche hin an Bayern München und Hansi Flick. Mit den ganzen Titeln, da kann man nur gratulieren. Wie die immer die Fokussierung behalten, das ist sensationell. Aber am Ende ist mir wichtig, dass sie diese Fokussierung nun auch noch halten und das Spiel heute auch noch gewinnen.“

Taten sie. Und nicht zu knapp. Und wenn Schiedsrichter Tobias Stieler die Partie beim Stande von 6:0 nicht nach 90 Minuten beendet hätte, würde Robert Lewandowski wahrscheinlich immer noch Tor um Tor schießen gegen die Borussia, und Union weitere Gefallen tun.

Gladbach um ein Tor besser als Union

Einen Treffer Vorsprung hat die Borussia derzeit auf die Eisernen. Und die mehr geschossenen Tore. Also müssen die Köpenicker weiter Schritt halten und in Sachen Tordifferenz zulegen. Kein einfaches Unterfangen. Die Fohlen vom Niederrhein haben es kommende Woche mit dem VfB Stuttgart zu tun, der nach einer formidablen Saison für einen Aufsteiger nach vollendeter Mission Klassenerhalt dann zuletzt doch reichlich Federn lassen musste. Schwer vorstellbar, dass die Truppe von Marco Rose sich da die Butter vom Brot nehmen lässt. Anders sieht es am letzten Spieltag aus, falls Bremen dann noch Punkte zur Rettung braucht. 

Insofern sind die Chancen für die Eisernen noch vorhanden, aber nicht substanziell verbessert. Und egal, wie sehr die Verantwortlichen betonen, dass der Ausgang der letzten zwei Partien die formidable Saisonleistung nicht schmälern wird, es ist kaum zu übersehen, dass die Eisernen auf dem Zahnfleisch kriechen, dass der Motor in Köpenick stottert. 

Was zum einen mit der sich durch die Saison ziehenden Verletztenmisere der Eisernen zu tun hat, zu denen sich am Sonnabend nun auch noch Marcus Ingvartsen mit einem maladen Sprunggelenk gesellt hat, obwohl Fischer darauf baut, dass er kommendes Wochenende in Leverkusen wieder fit ist. Zum anderen ist es dem ständigen Vollgasfußball der Köpenicker geschuldet. Das zehrt! „Je länger eine Spielzeit dauert, desto müder werden die Jungs. Unser Motor läuft seit dem ersten Spieltag hochtourig, gestern brauchten wir eine Halbzeit, bis der Motor anlief“, so Trainer Urs Fischer. Ist halt schwierig, auf Touren zu kommen, wenn man aus Versehen im dritten Gang startet. Bis in den ersten zurückgeschaltet ist, ist der Gegner meist schon enteilt. 

Jedes Spiel ist eine Aufgabe für die Eisernen in der Liga. Wenn sie ihre PS nicht auf den Asphalt kriegen, wird es für sie immer schwer. Das weiß auch der laut Selbstauskunft „Nicht-Mechaniker“ Fischer. „Wir wollten nicht mit der Einstellung auf den Platz gehen, im dritten Gang zu starten, sondern es im ersten versuchen“, so der 55-Jährige. Das muss kommenden Sonnabend in Leverkusen wieder anders werden. Dort eine Fehlzündung, und es ist wohl vorbei mit dem Traum von Europa.