Verdarb den Eisernen den Abend: Stuttgarts Wahid Faghir.  AFP/Thomas Kienzle

Was war das denn? Fast 90 Minuten langt  hatte der 1. FC Union den VfB Stuttgart richtig im Griff und führte völlig verdient mit zwar nur einem Tor von Taiwo Awoniy aus der ersten Hälfte, aber eben souverän und abgeklärt. Doch dann verfallen die Eisernen in Hektik und Panik und lassen sich in der dritten Minute der Nachspielzeit von den in Unterzahl agierenden Schwaben doch noch den Ausgleich zum 1:1 einschenken. So bitter. Und so selbstverschuldet.

Wahid Faghirs Lucky Punch (90.+3) ließ das einstige Neckarstadion erbeben. Und die Laune bei den Köpenickern in den Keller sinken. Vielleicht sogar noch ein paar Etagen darunter. „Es fühlt sich an wie eine Niederlage“, räumte denn auch Timo Baumgartl nach dem Abpfiff an alter Wirkungsstätte ein. Zuzuschreiben hatten es sich die Eisernen selber. „Wir hätten mehr auf das zweite Tor gehen müssen. Wir hatten Stuttgart doch die ganze Zeit im Griff“, lautete Baumgartls Blitzanalyse. Der eigentlich kaum noch was hinzufügen ist.  

Awoniyi lässt alle vom Sieg träumen

Es wurde aber nichts mit dem neuen Vereinsrekord von vier Ligasiegen in Folge, auf den die Köpenicker seit Minute 31 und dem Führungstreffer durch Taiwo Awoniyi zusteuerten. Souverän und ruhig umschifften sie alle möglichen Klippen. Und das Schiff hatte gefühlt den sicheren Hafen erreicht, als sich Stuttgarts Attakan Karazor auf der nach unten offenen Dämlichkeitsskala auf einen legendären Wert katapultierte, indem er binnen 35 Sekunden Rani Khedira zweimal  fällte und Gelb-Rot sah. So wie die Eisernen unterwegs waren, hätte keiner mehr einen  Pfifferling auf den VfB gegeben.

Konnte es nicht fassen: Unions Grischa Prömel. City-Press/Matthias Renner

Stuttgart wuselte zwar viel, verfing sich aber immer wieder im dicht gestaffelten Abwehrnetz der Köpenicker. Immer nahmen sie das Zepter sogar in die Hand, wussten lediglich ganz vorne keine Akzente zu setzen. Was unnötig schien an diesem Abend. Bis Faghir einen eines Besseren belehrte. 

Fischer zeigt sich zufrieden mit dem Spiel

Da, wo andere Trainer jetzt explodiert wären und ihren Emotionen freien Lauf gelassen hätten, blieb Fischer gewohnt sachlich. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Spiel. Mit dem Ergebnis vielleicht weniger. Ich kann der Mannschaft überhaupt nichts vorwerfen. Nur dieses Gegentor. Sie hat nach dem Rotterdamspiel die gewünschte Reaktion gezeigt“, so der 55-Jährige.

Eine heißes Fanherz mag das anders empfinden. Aber als sachlich denkender Fußballlehrer kann Fischer da nicht aus seiner Haut. Bleibt als Trostpflaster: Union verharrt auf Rang 5 und hat mit 16 Zählern aus den ersten neun Partien genauso viele Punkte wie im Vorjahr. Wie das endete, weiß jeder. 

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