Da ist es! Drin das Ding!. Marvin Friedrich (M.) bringt die Eisernen in Köln mit 1:0 in Führung. Der Grundstein für den Auswärtssieg der Köpenicker.  Foto: Edith Geuppert/GES/POOL

Zeit für einen leicht abgewandelten Karnevals-Klassiker der Bläck Fööss: Mer losse den Dom in Kölle …, aber die Punkte nehmen wir mit. Was für ein Sieg! Was für eine Erleichterung! Was für ein Jubel! 2:1 (1:0) gewinnt der 1.FC Union beim 1.FC Köln. Das Wunder Klassenerhalt, es liegt jetzt auf dem Silbertablett vor den Köpenickern. Da kann man schon ein bisschen Gänsehaut kriegen.

Öfter mal was Neues bei Urs Fischer. Nachdem Unions Trainer in der Vorwoche die längst ausgestorben geglaubte Doppelspitze aus dem Hut gezaubert hatte, erlebten die Eisernen in Müngersdorf die Renaissance der Viererkette. Florian Hübner musste zurück auf die Bank, Ken Reichel und Christopher Trimmel gingen zurück auf die Außenverteidigerpositionen. Für den gesperrten Robert Andrich (10. Gelbe) durfte sich erwartungsgemäß Grischa Prömel tummeln. Anthony Ujah musste trotz seiner ansprechen Leistung beim 1:1 gegen Schalke für Marcus Ingvartsen weichen.

Dieses 4-2-3-1-System gab Köln zumindest einige Rätsel auf. Das Offensivspiel der Geißböcke kam gegen zweikampfstarke Eiserne nicht auf Touren. Und die wiederum waren auch beim Weg nach vorne sehr präsent.

Unions Lieblingsrezept: Ecke Trimme, Kopfball, Tor!

Schon nach knapp einer halben Stunde schlugen die Herzen der Köpenicker Anhängerschaft höher. Christian Gentners Flanke landete am Arm von Kölns Rafael Czichos, Schiedsrichter Martin Petersen zeigte auch auf den Punkt, aber der Video-Schiri im Kölner Keller kassierte den Strafstoß.

Sieben Minute später aber gab es kein Halten mehr. Unions-Lieblingswaffe stach einmal mehr. Ecke Christopher Trimmel, Marvin Friedrich schraubte sich am höchsten und nickte ungehindert ein zur Gästeführung (39.). "Es war ein Schritt in die richtige Richtung", hielte der Torschütze nach seinem zweiten Saisontreffer den Ball gewohnt flach. Kurz vor der Pause die gleiche Szene in Grün. Erneut Gefahr durch einen Trimmel-Standard. Diesmal war Sebastian Andersson der Abnehmer, aber er konnte Kölns Schlussmann Timo Horn nicht düpieren.

Nach Wiederanpfiff rückte Union-Keeper Rafal Gikiewicz mehr in den Mittelpunkt, als es ihm und seinen Kollegen lieb sein konnte. Gegen Mark Uth rettete er mit langem Bein (59.), gegen Florian Kainzs Geschoss war er mit den Fäusten zur Stelle (61.).

Ich habe schon ganz verrückte Sachen im Fußball erlebt

Christian Gentner will noch nicht feiern

Doch wie so oft im Fußball machte sich eine alte Regel bemerkbar. Wer vorne sündigt, der wird hinten bestraft. Marius Bülter chippte nach einer Ecke einen zweiten Ball in den Strafraum, dort war Gentner zur Stelle und mit all der Erfahrung seiner 406 Bundesligaspiele brachte er die Kugel cool knapp unterhalb der Latte, aber im Netz zum 2:0 (67.) unter. "Wir haben nicht angefangen zu rechnen, wir wussten, dass wir noch ein paar Punkte eben brauchten. Auch jetzt sind wir rechnerisch noch nicht ganz durch. Ich bin schon zu lange im Fußball dabei, habe schon verrückte Sachen erlebt. So lange können wir uns noch gedulden, bis wir Dienstag den letzten Schritt machen können", meinte Gentner.

Bei so viel Oberwasser versuchte es der eingewechselte Felix Kroos auch noch mal. Frech aufs kurze Eck, doch Horn war zur Stelle. Jhon Cordoba durfte noch den Anschlusstreffer erzielen (90.+2). Egal, nicht mehr entscheidend. Zeit für rot-weiße Schlachtgesänge: Da war’n wir dabei, das war prima. Viva Unionia! Oder auch: Union braucht keinen Karneval, Union feiert überall …