Dortmunds Marco Reus wurde für Union zum Spielverderber. Christopher Trimmel und Paul Jaeckel können ihn nicht am Torschuss hindern.
Dortmunds Marco Reus wurde für Union zum Spielverderber. Christopher Trimmel und Paul Jaeckel können ihn nicht am Torschuss hindern. imago/Contrast/Oliver Behrendt

Jedes Märchen hat irgendwann einmal ein Ende. Dass Borussia Dortmund An der Alten Försterei einfach nicht gewinnen kann, war so ein Märchen aus Köpenicker Sicht. Zwei Versuche, zwei Pleiten. Hoffnung für ein erneutes Happy End. Doch diesmal ließ der BVB nichts anbrennen, wurde wie die böse Schwiegermutter zum Spielverderber und gewann kurz und schmerzlos mit 3:0 (2:0) gegen den 1. FC Union, der damit erstmals in dieser Spielzeit zwei Spiele in Folge verloren hat.

Individuelle Klasse schlägt aufopferungsvoll kämpfendes Kollektiv. Nur dass nicht wie in Märchen üblich das Böse in Form einer buckeligen alten Hexe daherkam, sondern in Gestalt eines blonden Recken. Der an der Alten Försterei wegen seiner Neigung zu Flugeinlagen nicht sonderlich beliebte Marco Reus schenkte Union noch vor der Pause zwei Dinger ein (18./26.).

„Zu Marco, was soll ich dazu sagen, das ist ein absoluter Topstürmer. Der macht die Dinger kaltschnäuzig weg. Schade für uns“, meinte Sven Michel, der bei seinem Heimdebüt gar nicht mal so übel unterwegs gewesen war, auch wenn ihm noch ein bisschen die Bindung zu den neuen Kollegen fehlte.

Die Ironie der Geschichte war dabei, dass der Treffer wie beim Flipperspiel zustande kam und eigentlich die erste zwingende Aktion der Gäste gewesen war. „Das 3:0 ist schon eindeutig. Aber gegen so einen Gegner, darfst du halt nichts zulassen. Wir haben, glaube ich, zum falschen Moment immer das Gegentor bekommen. Das zweite Tor ist vermeidbar. Das erste und das dritte Tor ist so ein bisschen Gestocher. Bisschen Pech. Aber das gehört im Fußball dazu“, fasste Christopher Trimmel nach dem Schlusspfiff das Spiel zusammen.

BVB-Abwehr nicht sattelfest

Denn bis dahin hatte Union die nicht gerade sattelfest wirkende Hintermannschaft der Schwarz-Gelben ordentlich beschäftigt, ohne sich dabei aber zwingende Chancen herausgespielt zu haben, wenn man mal von einem zu hoch angesetzten Kopfball von Taiwo Awoniyi absieht nach nicht mal vier Minuten.

Fischers Rezept, den technisch versierten Gästen möglichst auf den Füßen zu stehen, wurde ziemlich gut umgesetzt. Man wollte ihnen den Spaß am Kicken rauben. Es dauerte dann auch eine Viertelstunde, ehe sich die Borussia was traute und sich mal nach vorn durcharbeiten konnte. Richtig gefährlich wurde es dann aber auch nicht. Bis halt Reus im Zusammenspiel mit Mo Dahoud rund zehn Minuten später zuschlug.

Union drängt, hat aber kein Glück beim Abschluss

Alles, was es gebraucht hätte, wäre ein Anschlusstor. Bei Bastian Oczipkas Versuch lag der auch in der Luft (35.), nur Gregor Kobel war zur Stelle. Ein Tor nur, dann wäre die mit 10.000 Zuschauern gefüllt und an alte Zeiten erinnernde Alte Försterei explodiert. Doch es kam kein holder Prinz, der die Köpenicker aus ihrem Dornröschenschlaf wachküsste. Wobei Schlaf ein bisschen zu böse klingt. Union gab eine sehr ordentliche Vorstellung ab.

Bei Grischa Prömel fehlte nicht viel nach Wiederanpfiff. Sheraldo Beckers Schuss wurde im letzten Moment noch geblockt (52.) oder er segelte bei einem Distanzversuch knapp am Pfosten vorbei (53.). Auch eine gute Fee aus dem Kölner Keller, die ein vom Schiri übersehenes Handspiel im Strafraum beschert hätte, tauchte nicht auf. Egal, wie sehr das Publikum sie forderte.

„Wir hatten dann ja auch Chancen, haben aber unsere nicht sehr gut genutzt. Da kann man nicht als Sieger vom Platz gehen“, räumte denn auch Michel unumwunden ein.

Also kam es so vorhersehbar wie in den Sammlungen der Gebrüder Grimm. Mitte der zweiten Halbzeit entschloss sich der BVB dann doch mal wieder am Spiel teilzunehmen. Am Ende einer Fehlerkette profitierte Raphael Guerreiro bei einem von Luthe noch gerade so abgewehrten Ball und besiegelte mit dem 3:0 (71.) endgültig die Niederlage der Eisernen. Denn auch der Anschlusstreffer von Kevin Möhwald (74.) zählte nicht, wurde vom Kölner Keller kassiert. Dafür kassierte Knoche noch seine fünfte Gelbe! Böse, böse Fee.

Infos zum Spiel:

  • 1. FC Union: Luthe 3,5 – Jaeckel 3, Knoche 5, Baumgartl 3 - Trimmel 3 (78. Ryerson), Prömel 3,5, Oczipka 2,5 – Becker 3,5 (78. Schäfer), Öztunali 4 (61. Möhwald) – Awoniyi 4 (61.Behrens), Michel 3,5 (72. Ujah)
  • Dortmund: Kobel 2,5 – Akanji 2,5, Hummels 3, Zagadou 2,5, Guerreiro 2,5 – Witsel 4 – Dahoud 3 (73. Can), Bellingham 3,5 – Reus 2 (90. Tigges), Malen 3,5 (81. Moukoko), Brandt 4 (90. Schulz)
  • Schiedsrichter: Matthias Jöllenbeck (Freiburg) 4
  • Zuschauer: 10.000 (ausverkauft)
  • Tore: 0:1 Reus (18.), 0:2 Reus (26.), 0:3 Guerreirero (71.)
  • Gelb: Baumgartl (2), Möhwald (1), Knoche (5), Schäfer (1) -Brandt (2)

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