Beim 50. Bundesligaspiel am Freitag dürfen die Eisernen mit Robert Andrich gegen Bayer Leverkusen gerne mal obenauf sein. Foto: imago images

Urs Fischer ist es schon, Dirk Zingler, Oskar Kosche und Frank Placzek auch. Oliver Ruhnert schafft es im November, Markus Hoffmann, der Co-Trainer, im nächsten Jahr und Sebastian Bönig und Michael Gspurning, die beiden anderen Trainer-Assistenten, haben noch ganz viel Zeit. Die Spieler, selbst mit Christian Gentner und Christopher Trimmel die ältesten, sind deutlich davon entfernt. Dafür gehört Susanne Kopplin, die gute Seele im Team des 1. FC Union, zur Gruppe des Trainers, des Präsidenten, des ehemaligen Torhüters und des Physiotherapeuten. Es geht, bei Damen wird natürlich nicht verraten, um wie viel drüber es ist, um die 50. Frau Kopplin darf und sollte die Jährchen durchaus mit Stolz sehen und ein Geheimnis wird auch nicht gelüftet, ihr Sohn Björn, seinetwegen ist sie ja mal Unionerin geworden, hat schließlich gerade die 32 erreicht.

Eiserne feiern Jubiläum gegen Leverkusen

Fünfzig also, das ist mal viel, mal wenig. Mit 50 Jahren sollte man durchaus eine Portion Erfahrung mitbekommen haben, so ungefähr, wenn’s gut geht, in der Mitte des Lebens. 50 Spiele sind eine ganz andere Marke. Mit 50 Einsätzen, hat Niko Kovac einst gesagt, ist man als Spieler in der Bundesliga angekommen. Nicht mit einem oder zehn oder auch zwanzig, nein, mit fünfzig. Selbst wenn Kovac mit den Rot-Weißen nichts zu tun hat, außer dass er in der Vorsaison mit dem 2:1 der Bayern kurz vor seinem Rauswurf dort gegen die Eisernen als Trainer seinen (bislang) letzten Sieg in der Bundesliga eingefahren hat und in Köpenick eher als einer aus Charlottenburg angesehen wird, darf er für diese Aussage als Autorität herhalten. Schließlich ist er Meister und Pokalsieger geworden, als Spieler und als Trainer, er hat als Aktiver WM-Erfahrung und als Coach schon das Nationalteam Kroatiens betreut. So einer sollte das auch ohne Alte-Försterei-Stallgeruch einschätzen können.

Kinder, wie die Zeit vergeht! Noch einmal: Fünfzig! Am Freitag nämlich, im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen, ist es für die Eisernen soweit: Zum 50. Mal ertönt der Anpfiff zu einem Bundesligaspiel mit den Männern aus der Wuhlheide. Mancher hat ihnen das bei ihrem Aufstieg vor anderthalb Jahren nicht zugetraut, einige meinten, nach 34 Spielen sei erst einmal Schluss, womöglich sogar für immer. So wie zuvor beim VfB Leipzig und bei Greuther Fürth, oder, wenn auch viel länger zurück, bei Fortuna Köln und dem SSV Ulm.

Dass es anders gekommen ist, umso besser! Erst recht, dass die Jungs um ihren Kapitän Christopher Trimmel so weit oben mitmischen. Rümpfte vor einem Jahr die Liga noch die Nase ob der angeblich plauzigen Spielweise – Ball möglichst weit nach vorn dreschen, dort hilft entweder Sebastian Andersson oder der liebe Gott und auf Teufel komm raus hinterherjagen –, schnalzen einige der damaligen Nörgler inzwischen mit der Zunge. Alles in allem ist dieser Fünfziger sensationell gut gelaufen für die Männer aus Köpenick. Um es mit einem Ausdruck aus der Kurve zu umschreiben: hammergeil.

Mit den Rekorden ist es schwer

Mit Rekorden ist es natürlich schwer in einer historisch so kurzen Zeit und gerade dann, wenn zehn der 17 Konkurrenten deutlich über 1000 Spiele mehr ausgetragen haben. Nur: Höher gewonnen als 5:0, so im November gegen Bielefeld, hat auch die Arminia noch nie und Freiburg auch nicht. Mehr auf die Mütze bekommen als die Eisernen in der Vorsaison mit 0:5 in Dortmund haben dagegen sogar schon die Bayern und der BVB sowieso mit dem damals denkwürdigen 0:12 gegen Mönchengladbach.

Sollte man sich etwas wünschen dürfen für das kleine Jubiläum und für das nächste Spiel gleich mit? Mit Bayer Leverkusen und mit Leipzig geht es zum Abschluss der Hinrunde nämlich ausgerechnet gegen die beiden Teams, gegen die es für die Eisernen bislang nichts zu holen gab und die gute Fee deshalb gefragter ist als sonst. Andererseits: Gegen die Bayern hatte es vor dieser Saison auch noch keinen Punkt gegeben und gegen Hoffenheim nicht einmal ein Tor. Beides ist Geschichte und gehört mit dem 1:1 gegen die Münchner und mit dem 3:1 im Kraichgau zu den vielen positiven Momenten dieser Spielzeit.

Na dann, etwas Zählbares gegen Leverkusen wäre der nächste Schritt. Und wenn es nächste Woche Mittwoch in Leipzig nichts wird, ist es auch nicht schlimm. Zum Saisonende, am 34. Spieltag dann, wäre ein Dreier auch nicht schlecht, um mit einem wiederum guten Gefühl in die nächste Etappe zu starten. In deren Verlauf, kurz vor deren Abschluss, gäbe es dann sogar das 100. Spiel. Hundert, einfach nicht zu glauben.

Ich bin vorgeprescht, tut mir leid, das ist an dieser Stelle und auch sonst nicht meine Art. Vielleicht, ausnahmsweise nur, darf man vor dem 50. mal schwelgen. Ganz kurz nur. Um in den 90 Minuten des Jubiläumsspiels aufs Gaspedal zu treten und – gerade gegen Leverkusen nicht versäumen – Obacht geben, selbst in der Nachspielzeit …