Die Einsamkeit des Torwarts nach einem Fehler? Der Anblick täuscht. Beim 1.FC Union standen alle zu Keeper Andreas Luthe nach dem 1:2 gegen Feyenoord. imago/Matthias Koch

Pfiffe? Natürlich nicht. Man macht bei den Eisernen keinen aus der Mannschaft zum Sündenbock. Und so stand Andreas Luthe trotz seines spielentscheidenden Patzers einige Zentimeter vor seinem Teamkollegen und wurde vom eisernen Anhang auf der Gegengeraden des Olympiastadions nach dem 1:2 in der Conference League gegen Feyenoord Rotterdam mit warmen Applaus und Luthe-Sprechchören bedacht. Weshalb er sich unmittelbar nach dem Spiel via Twitter beim Anhang noch einmal bedankte.

Vorwürfe aus dem Mannschaftskreis gab es eh keine. Auch wenn natürlich Luthes Rutschpartie vorm 1:2 (72.) den Kick in die falsche Richtung schlittern ließ. „Andi spielt eine überragende Saison. Ist unser Rückhalt. Fehler passieren halt. Dieser Platz war sehr schwer zu bespielen. Am Ende muss man vielleicht sagen, dass wir nicht ganz so viel zum Torwart spielen sollten, aber hinterher ist man immer schlauer“, so Innenverteidiger Marvin Friedrich.

Ein Haken zu viel

In die gleiche Kerbe schlug dann auch Rani Khedira. „Keinen Vorwurf an Andi. Ich glaube, er weiß, dass er daran keine Aktien hat, er ist so gestanden und erwachsen genug, dass er uns Sonntag wieder den Arsch rettet“, meinte der defensive Mittelfeldspieler. Und irrte doch ein kleines bisschen.

Denn natürlich war Luthes Versuch, einen Haken zu schlagen und dann eine Spieleröffnung zu suchen, die falsche Entscheidung gewesen. Ab nach vorne damit wäre besser gewesen. Auf die Gefahr, dass die Kugel dann in den Reihen von Feyenoord landet und die Holländer wieder in den Vorwärtsgang schalten. Aber alles weniger gefährlich als das, was dann in Minute 72 dem 34-Jährigen widerfuhr. Und dem Torsteher der Eisernen war sein folgenschwerer Fehler ja selber klar.

Sauer auf Gott und die Welt und natürlich auch ein bisschen auf sich selber: Unions Schlussmann Andreas Luthe schmeißt genervt eine Trinkflasche zu Boden.  imago/Matthias Koch

Verständnis für den Versuch hatten die Kollegen aber doch. „Du schaffst es nicht, über 90 Minuten die Bälle hinten wegzukloppen und vorne auf den zweiten Ball zu gehen. Jedes Mal, wenn wir versucht haben, es spielerisch zu lösen, hatten wir ordentliche Ansätze nach vorne“, entlastete Khedira noch mal seinen Keeper. 

Auch Trainer Urs Fischer war bei aller Klarheit in der Beurteilung der Situation nicht bereit, den Stab über seine Nummer eins zu brechen. „Fußball ist nun mal ein Fehlerspiel. Das war ein Fehler zu viel, das hat die Richtung gedreht. Aber hinterher spricht man immer nur beim Torwart von Fehlern. Man könnte aber die erste Aktion des Spiels als Fehler bezeichnen, als Sheraldo Becker aufs Tor zugeht. Da musst du 1:0 in Führung gehen. Über das spricht man hinterher nicht“, meinte der Schweizer.

Luthe wieder aufbauen? Nicht nötig. Das Spiel aufarbeiten? Sicher. Fischers Schlusswort unter eine nicht vorhandene Debatte fasst das alles gut zusammen: „Wir gewinnen gemeinsam Spiele und verlieren sie auch zusammen.“

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