Union-Boss Dirk Zingler (r.) strahlte am Sonnabend beim Test gegen Nürnberg gute Laune aus. Nicht nur bei der Verabschiedung von Felix Kroos in der Halbzeitpause, sondern vor allem wegen der zurückgekehrten Zuschauer. Foto: Moritz Eden/City Press

Dirk Zingler stand in der mittlerweile wieder verwaisten Alten Försterei und strahlte gute Laune aus. „Das war heute ein ganz wichtiger Tag für uns als Organisation. Weil ich weiß, was unsere Mitarbeiter hier in den letzten Tagen so geleistet haben. Und das zu ernten, macht erst einmal Spaß“, sagte der Ober-Boss der Eisernen an einem Tag, an dem die Rückkehr von Zuschauern in die Alte Försterei - wenn auch vorerst nur 4500 - freudestrahlende Gesichter hervorgerufen hatte bei allen Anhängern der Köpenicker im Allgemeinen und den Fußballfans im Besonderen.

„Ich glaube, dass es heute ganz wichtig war, zu zeigen, dass beides möglich ist. Also Menschen zusammenkommen zu lassen und trotzdem auf den Infektionsschutz zu achten. Es muss beides möglich sein. Wir müssen ja weiterleben. Auch mit dem Virus. Da gilt es den Menschen auch ein bisschen Vertrauen zurückzugeben. Wir haben den Menschen heute ein bisschen Raum gegeben und die haben sich sehr verantwortlich verhalten“, freute sich Zingler, der während der Partie im laufenden Kontakt mit DFL-Boss Christian Seifert gewesen war und auch vom Gesundheitsamt in Köpenick im Nachhinein bestätigt bekam, dass alle Maßnahmen gut und gut vorbereitet gewesen seien und sich vor allem die Fans vorbildlich an die vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen gehalten hätten.

Ich bin stolz darauf, wie sich die Unioner verhalten haben.

Union-Boss Dirk Zingler

Vom Spiel selber - Union siegte 2:1 - hatte der Ober-Eiserne so gut wie nichts mitbekommen: „Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, in diese glücklichen Augen heute zu schauen. Die haben sich alle die Seele aus dem Leib gesungen. Weil sie glücklich waren, endlich wieder hier sein zu dürfen.“

„Ich bin stolz drauf, dass die Unioner heute in der Pandemie den Beweis dafür angetreten haben, dass man sich vernünftig verhalten kann“, so Zingler weiter. Natürlich wird daraus jetzt die Hoffnung gespeist, dass Union bei der DFL erreichen kann, dass das Stehplatzverbot nicht mehr im Liga-Konzept festgeschrieben bleiben wird.  „Kampflos geben wir unsere Stehplätze nicht her. Wir wollen gegen Augsburg auch wieder 5000 Menschen reinlassen“, so Zingler mutig, der zum Einbau von weiteren Sitzplatzschalen - temporär versteht sich - nur als letztes Mittel greifen möchte.

Logisch schwang in seinen Worten auch eine gewisse Erleichterung mit. All das, was man bei der Organisation von Spieltagen an Routine erworben hatte, war ja am Sonnabend gegen Nürnberg quasi außer Kraft gesetzt worden, man hatte totales Neuland betreten. „Plötzlich ist nichts mehr, wie es war. Das war schon eine Herausforderung“, so der 56-Jährige.

„Wir haben heute den Beweis angetreten im kleinsten Bundesligastadion, dass es geht. Und ich würde mir wünschen, dass an anderen Standorten, wo viel mehr Raum, viel mehr Platz ist, wo Hygienemaßnahmen anders möglich sind, dass man das da aufgreift. Wir wollten ein positives Zeichen setzen“,  meinte Zingler. Weil die Menschen ihr soziales Umfeld brauchen würden. Ihre Kontakte, ihr Lebensumfeld. Dazu würde halt auch der Fußball genauso zählen wie Kunst oder Kultur. Es gehe um Risikominimierung. Denn auf die Pandemie muss man sich weiter einstellen. Und halt mit ihr leben irgendwie, ohne alles zu negieren oder kaputtzumachen.

Infektionsschutz und Veranstaltungen müssen Hand in Hand gehen

Mit anderen Worten: Union wird auch nicht Abstand nehmen von seinem vorgeschlagenen Weg mit Präventivtestungen. „Ich glaube, beides ist notwendig. Man muss das erst einmal theoretisch entwickeln, ein Konzept haben. Für mich ist das weiter total aktuell. Am Ende brauchen wir Nähe. Soziale und körperliche Nähe. Darin gilt es weiter zu arbeiten. Und ich denke, dass werden wir nicht nur allein machen oder mit der Liga.“

Kritik aus der Liga oder von Wettbewerbern spornt ihn eher nur an. „Mich interessieren Meinungen anderer nicht, mich interessieren Fakten. Da kommt meist von anderen, die selber nichts tun außer Pappkameraden aufzustellen, nichts. Und das ist mir zu wenig“, so Zingler.

Ob der PCR-Test der Schlüssel zum Zuschauerglück sein wird, wagt Zingler dabei zu bezweifeln. Es wird nach anderen, billigeren und schnelleren Methoden gefahndet. Aber da wähnt Union sich in guter Gesellschaft. „Ich hoffe, dass dieses Spiel ein Auftakt dazu ist, zu denken, dass beides geht - Infektionsschutz und Veranstaltung."