Jörg Heinrich (3.v.r) wurde mit Borussia Dortmund Champions League Sieger, beendete später seine Karriere beim 1. FC Union.  Imago

Der 1. FC Union hat einen Meilenstein in seiner Vereinshistorie gesetzt: Rang 7 in seinem zweiten Jahr in der Bundesliga, als einziges Team gegen Bayern München nicht verloren, in letzter Sekunde den Vizemeister geputzt und die Play-offs für die Europa Conference League geschafft. Wegbegleiter, Haudegen von einst und Sympathisanten ziehen ihr ganz persönliches Fazit. Heute: Jörg Heinrich.

Wie die Zeit fliegt und wie sich die Zeiten ändern. Am Beispiel von Jörg Heinrich (51) und den Eisernen ist das wie gemeißelt zu erkennen. Nachdem der Mittelfeldspieler am Abend seiner Karriere für eine Saison in der Alten Försterei anheuerte, sind 16 Jahre vergangen. „Das ist eine völlig andere Epoche“, sagt der 37-malige Nationalspieler, „als ich damals kam, erlebte Union mit dem Abstieg in die Oberliga die schlechteste und schwierigste Phase. Eigentlich hatte ich mich schon mit dem Aufhören beschäftigt, aber Jörg Schwanke hat mich gefragt, ob ich in dieser Situation helfen könne und er hat mich überredet, ein Jahr mitzuhelfen.“

Jörg Heinrich schwärmt von der Union-Familie 

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Von einer „brutal schwierigen Situation“ spricht Heinrich über die Zeit damals, als es in erster Linie darum ging, „den Verein überhaupt am Leben zu halten“. Aber auch davon, dass mit Torsten Mattuschka, Karim Benyamina, Jan Glinker, Tom Persich, Schwanke und manch anderem Spieler Typen am Ball waren, denen das Eiserne regelrecht in die DNA eingepflanzt war und die alles dafür gegeben haben, um aus dieser Liga schnellstmöglich rauszukommen. „Was war da nur los“, erinnert sich der Alt-Internationale, „das war die Zeit, als die Fans zum ,Bluten für Union’ aufgerufen hatten, weil es dem Verein ganz dreckig ging. Das ist mit dem Heute mit nichts mehr zu vergleichen.“

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Jörg Heinrich (li.) und Daniel Teixeira bejubeln ein Tor des 1. FC Union in der Oberliga Nord 2005/2006.

Heinrich, der für den SC Freiburg, Borussia Dortmund und den 1. FC Köln zusammen 205 Spiele in der Bundesliga bestritt, mit dem BVB 1997 die Champions League und den Weltpokal gewann, staunt, was in der Alten Försterei inzwischen abgegangen ist. „Ich kenne niemanden“, sagt er, „der schlecht über den 1. FC Union spricht, alle äußern sich positiv, alle sind angetan von dem, was sich dort entwickelt hat und sie erkennen neidlos die Arbeit an, die in Köpenick geleistet wird.“

Jörg Heinrich staunt über 12.000 Unioner in Dortmund 

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Am besten weiß er es aus Dortmund. Für die Schwarz-Gelben ist er als Botschafter am Ball und bereist für sie (nur wegen Corona zuletzt nicht) die Welt. „Sogar beim BVB zieht man vor den Eisernen den Hut“, sagt er. Er selbst hat es in zwei Pokalspielen in Dortmund hautnah erlebt, wo der sprichwörtlichen Gelben Wand plötzlich eine Wand in Rot gegenüberstand. „Wenn ich an diese Spiele denke und an die vielleicht 12.000 Anhänger, die Union mitgebracht hatte, dann kann man erkennen, welchen Rückhalt die Mannschaft hat und wozu sie fähig ist.“

Umso erstaunter ist der Ex-Internationale, dass die Eisernen Platz 7 nahezu ohne Unterstützung der Fans gewuppt haben. „Ich erinnere mich noch an das erste Spiel in der Bundesliga, dieses 0:4 damals gegen Leipzig. Danach muss sich jeder in der Truppe gefragt haben: Was können wir? Wie können wir Punkte holen? Wie können wir Spiele gewinnen? Und sie haben, auch weil sie ihre Ruhe behalten haben und Kontinuität haben walten lassen, schnell und dazu erfolgreich die Kurve bekommen. Dazu kann man nur gratulieren!“

Morgen lesen Sie: Ronny Nikol.