Das Phantom der Alten Försterei? Nein, The masked Winger! Unions gar nicht so heimlicher Flügelstürmer Christopher Trimmel war gegen den VfB Stuttgart nicht zu bremsen. Foto: Matthias Koch

Urs Fischer hielt es nicht mehr auf seinem Sessel. Immer wieder versuchter er seine Jungs anzutreiben. Und dann war es geschafft. Dank eines überragenden Christopher Trimmel konnte der 1.FC Union den nächsten Dreier einfahren. Mit 2:1 (2:0) wurde der VfB Stuttgart zurück ins Schwabenland geschickt. Union darf weiter von Europa träumen. 

Und da war er endlich wieder, Unions masked Winger. Christopher Trimmel, mit modischer Carbon-Maske zum Schutz seines frisch operierten Riechorgans, hatte das richtige Näschen. Ein starker Ball auf den verwaisten rechten Flügel von Christian Genter, Trimmel schaltete den Turbo ein und erwischte die Kugel kurz vor der Außenlinie. Eine wunderschöne Bogenlampe in den Strafraum folgte und Grischa Prömel brauchte nur noch seinen Schädel in die Flanke zu hauen. Der Ball zappelte im Netz (21.). Prömels dritter Treffer in dieser Spielzeit. Alle mit dem Kopf übrigens. Alles dank Trimmel, der zuletzt übrigens im Hinspiel gegen den VfB den Kollegen einen aufgelegt hatte. 

Es interessierte keinen groß in Köpenick, dass das der erste gelungene Angriffszug der Eisernen war. Es war ja vorher klar gewesen, dass gegen diesen quirligen  VfB kein Spiel möglich sein würde, in dem man über 90 Minuten die Partie dominieren könnte. Die Angriffe des Gegners abzuwettern und geduldig auf seine Chance zu warten, ist halt auch eine Tugend. Niemand verkörpert diese so sehr in Köpenick wie der eiserne Capitano, der trotz seiner Maske Durchblick bewies. Vorne und hinten im übrigen. 

Trimmel mit den Assists Nr. 8 und 9

Bewingt, äh, beschwingt gings weiter. Beinahe hätte es den nächsten Schwabenstreich gegeben. Aber Nico Schlotterbecks Kopfball fehlte die nötige Präzision, um auf 2:0 zu stellen (32.).  Kurz vor der Pause klingelte es dann doch noch mitten hinein in eine Phase, als der VfB sich vom Schock des Gegentores zu erholen schien. Eine starke Balleroberung von Max Kruse landet in den Füßen von Trimmel. Der serviert  Petar Musa mustergültig zum 2:0 (43.). Besser geht es nicht. Und falls Trimmel nicht nur ein Zauberfüßchen hat sondern womöglich auch Gold in der Kehle, dürfte einem erfolgsversprechenden Auftritt in der Fernsehshow auf ProSieben bei „The masked Singer“ nichts mehr im Wege stehen. 

„Der Traum von Liga 1 bleibt wahr! Danke an alle im Verein“, stand auf einem Banner entlang der Gegengraden. Dank Flankengott Trimmel & Co. lebt auch der Traum von Europa weiter. Mittlerweile hat der Österreicher schon wieder neun Assists auf seinem Konto. Keine Defensivkraft der Liga ist an mehr Toren beteiligt als der 34-Jährige. Trimmel ist wie guter Rotwein - je älter, je besser. 

Nach der Pause ging es munter weiter. Der Anschluss von Förster (48.) wurde weggesteckt. Und an Tagen wie diesen, also wenn es flutscht, kann man es auch mal selber versuchen. Stuttgarts Keeper Kobel musste sich ganz schön strecken, um Trimmels Flachschuss aus der Distanz noch um den Pfosten zu lenken (65.).  Gute Versuche hüben (71. Churlinov) wie drüben (73. Kruse). „Vielleicht muss er noch ein bisschen Kopfballtrainer machen. Den muss er doch machen“ scherzte Trimmel. Doch weitere Treffer wollten nicht fallen. Es langte aber eben. 

Sollte Trimmel lieber immer mit Maske spielen? „Ne, ne“. wehrte der ab, „die stört doch ein bisschen. Ich will die so schnell wie möglich loswerden“, meinte der 34-Jährige.