Unions Trainer Urs Fischer wechselte nach drei Pleiten ohne Torerfolg durch und machte alles richtig. City-Press/Matthias Renner

Fans haben manchmal ein feines Gespür, was Sache ist. „Wir vertrauen denen, die da sind“, hatte ein Banner am Gegengradenzaun verkündet. Also nicht denjenigen, die nicht mehr da sind. So wie, ach, wir nennen den Namen einfach nicht mehr. Sondern denen, die weiterhin das Union-Trikot tragen.

Union-Trainer Urs Fischer

So wie Urs Fischer. Der trägt zwar keine Spielkleidung, ist aber dennoch in den Augen der Unionanhänger ein Fußballgott. Und vor allem – immer noch da! Mögen die Wogen auch noch so tosen, er bleibt der unerschütterliche Urs. Und einer, der die Eisernen eiskalt aus der sich androhenden Krise gezockt hat.

Dass die Verunsicherung in den Köpfen seiner Spieler Einzug halten könnte, hatte er unter der Woche eingeräumt. Und dagegen das perfekte Rezept gefunden. Änderungen in einer Aufstellung sind von Spieltag zu Spieltag normal.

Auch fünf Wechsel in der Startelf sind per se nichts Außergewöhnliches. Dass man aber gleich auf seinen kompletten ersten Sturm verzichtet? In diesem Fall Taiwo Awoniyi, immerhin Unions treffsicherster Torschütze, und Sven Michel, der in den letzten Partien noch am dichtesten am Erfolgserlebnis dran war.

Fischer setzt aufs Bauchgefühl

Und Hinten? Bastian Oczipka, der zuletzt weit über seine Kernaufgabe des Verteidigens im Spiel der Eisernen unterwegs war, musste für Niko Gießelmann auf die Bank. Dazu kamen Robin Knoche und Christopher Trimmel zurück ins Team. Zudem erwies sich der Schachzug mit Genki Haraguchi als goldrichtig.

Ein bisschen aus dem Bauch heraus, gab Fischer zu, hätte er entschieden. So etwas kann mächtig schiefgehen. Zumal das Selbstbewusstsein nicht das Beste war. Was sich in der ersten Hälfte, wie Fischer anmerkte, ja auch ein bisschen bemerkbar machte.

Doch Fischers Ideen erwiesen sich als fruchtbar. „Ich wollte Taiwo ein bisschen aus dem Druck nehmen. Ich glaube, er hat sehr viel erlebt in letzter Zeit. Er war beim Afrika-Cup. Jetzt hat so ein bisschen eine Durstrecke. Dass er heute getroffen hat, sollte ihm guttun“, so der Schweizer Übungsleiter, der sich auch für Voglsammer statt Michel entschieden hatte, weil er einer „unserer letzten Torschützen“ gewesen war.

Fischer lässt sich von Gegenwind nicht beeindrucken

Dazu kam, dass diesmal die Abwehr hielt. Zumindest für 89 Minuten. Auch wenn Fischer da etwas zu kritisch eine gehörige Portion „Matchglück“ in manchen Verteidigungsaktionen erkannt hatte.

Es ist diese betonte Sachlichkeit des eisernen Chefcoachs, diese akribische Herangehensweise an alle Probleme, die den Unionkahn immer auf Kurs hält. Der vielleicht mal schlingert, aber nicht von seinem generellen Weg abgebracht wird.

Fischer vergisst nicht, wo die Eisernen herkommen. Deshalb lässt er sich auch von Gegenwind nicht beeindrucken. Und kann das seiner Truppe auch vermitteln. Dazu vertraut er wie die Fans denen, die noch da sind.

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