So stellte sich am Mittwochabend Unions Mitgliederversammlung dar – alles rein digital.  Foto: Mathias Bunkus

Es war eine etwas seltsame Mitgliederversammlung des 1. FC Union zu seinem abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20. Denn erstens fand sie erst 2021 statt. Zweitens ging sie nur virtuell aus der Eisern Lounge im Stadion über die Bühne. Corona verhinderte eine Präsenzveranstaltung. Und drittens fehlte der Mann, der seit rund 17 Jahren dort vorne auf der Bühne immer ganz eisern den Vortänzer gab – Dirk Zingler. 

Unions Präsident fehlte aus dringenden persönlichen Gründen. Pressesprecher Christian Arbeit hatte schon im Vorfeld darum gebeten, von Spekulationen abzusehen, aus Respekt vor der Privatsphäre. Also belassen wir es bei aller verständlicher Neugier dabei. Man kann davon ausgehen, dass Zingler nicht leichtfertig einer Mitgliederversammlung fern bleibt.

Durch den Abend, auf dem klar wurde, dass Union voll auf Wachstumskurs war – allein die Mitgliederzahl  stieg um 9166 nach Aufstieg an –, bis Corona einem ins Kontor fuhr, führte dann Vorstandsmitglied Oskar Kosche, gewohnt souverän moderiert von Christian Arbeit.

Turnusgemäß hätte die Versammlung im zweiten Quartal des  neuen Geschäftsjahres (Oktober bis Dezember) durchgeführt werden müssen. Die Hoffnung auf eine Verbesserung der Pandemiesituation zerschlugen Pläne für eine Präsenzveranstaltung im ersten Quartal des neuen Kalenderjahres. Nun eben über das Internet. Und trotzdem mit Hymne, wie es sich gehört. Unterlegt mit Bildern der laufenden Spielzeit. Gut, dass bislang erst 18 Spieltage rum sind. Sonst hätten alle Tore der Köpenicker den Abend womöglich in die Länge gezogen bis ins zweite Quartal 2021. 

Nicht alle der jetzt 37.417 Mitglieder waren dabei. Eingeloggt aber immerhin 3803. „Die Grundvoraussetzung, dass wir aufgestiegen sind und vorbereitet waren – personell und strukturell – zahlen sich aus“, so Kosche. Auch beim Thema Zuschauerrückkehr war man versucht, Lösungen zu finden, nicht nur Verbote. Auch wenn das den Eisernen nicht immer nur Applaus gebracht hat. Und auch beim Thema Stadionbau sieht die Zukunft nicht so düster aus. Im Sommer 2022 soll es losgehen, rund zwölf Monate später das Schmuckstück stehen. Auch beim Nachwuchsleistungszentrum soll es losgehen. Womöglich noch vor dem Sommer.

Rekordsumme für erste Mannschaft

Die wichtigsten Kennziffern des Abends hier im Schnelldurchlauf: Einnahmen von rund 70 Millionen standen 77 Millionen Ausgaben gegenüber. Das eigentliche Wachstum wurde durch Corona böse ausgebremst. Unions negatives Eigenkapital beträgt jetzt 17 Millionen Euro und ist leicht über dem Stand von 2009! „Bilanziell gesehen ist die Arbeit von zehn Jahren in dreieinhalb Monaten vernichtet worden“, so Kosche. Für die neue Spielzeit kalkuliert Union bei einem Jahresumsatz von rund 77 Millionen Euro mit einer schwarzen Null, hebt aber die Gelder für den Lizenzspielerbereich von 29 Millionen auf 30,2 Millionen an. Wer es genauer wissen will, schlage bitte hier nach

All diese Schwierigkeiten, zum Teil nur gemeistert durch ein hohes Maß an Solidarität – allein die Profis verzichteten auf rund 1,25 Millionen Euro an Gehalt –, bezeichnete Kosche als nicht existenzgefährdend. Und Aufsichtsrats-Boss Thomas Koch war sich sicher, dass „wir alle gemeinsam diese Krise meistern werden“.

„Wir haben trotz allem in unsere sportlichen Möglichkeiten investiert“, zeigte sich Kosche in Anbetracht der Umstände nicht unzufrieden. Und die Aussicht auf den Klassenerhalt und ein sich ganz langsam näherndes Ende der Pandemie lassen die Köpenicker auf ein frohes drittes Bundesligajahr hoffen.