War nicht der erste Hattrick-Schütze der Eisernen, hat aber seinen Platz im rot-weißen Geschichtsbuch sicher: Joel Pohjanpalo.  Imago

Hattrick, was ist das im Fußball nur für ein stolzes Wort – auch wenn dieser Begriff ursprünglich aus dem Cricket stammt und erstmals 1858 für eine besondere Leistung, etwa für einen besonders gelungenen Wurf, eine Auszeichnung beschreibt: einen Hut, englisch „hat“. Kommt dann noch ein wenig Kunst („trick“) dazu, ist der ganz besondere Mix fertig.

Hattrick klingt nicht nur wie ein Zauberwort, diesem Begriff wohnt ein gewisser Zauber inne, so oder so. Spätestens damit fühlt sich ein Angreifer geadelt, anerkannt und dort angekommen, wo ein Knipser ankommen will: ganz vorn. Passiert das auch noch so ruck-zuck wie bei Joel Pohjanpalo und seinem Dreier beim 3:1 über Werder Bremen, umso schöner.

Na klar hat der Finne sich damit in die eisernen Geschichtsbücher geschrieben mit dem ersten Hattrick für den 1. FC Union in der Bundesliga. Dies kann ihm niemand mehr nehmen. Für ein Denkmal, wie es für die 1968er-Pokalhelden vor der Stadion-Haupttribüne steht, wird es nicht langen, als eine Marke, die zementiert ist für die Ewigkeit, taugt dieser Rechts-(1:0), Rechts- (2:0), Linksvollstrecker (3:0) aber allemal.

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Solch ein Dreier hat es durchaus in sich. Gerade auf derart hohem Niveau, auf dem die Bundesliga in der Regel unterwegs ist. Dieser Hattrick, gern als lupenreiner bezeichnet, obwohl das nicht nötig ist, weil alles innerhalb einer Halbzeit passieren muss und niemand, weder Mit- noch Gegenspieler, dazwischenfunken darf, hat tatsächlich etwas Besonderes.

Bei EM-Endspielen, die es seit 1960 gibt, ist das noch keinem Spieler gelungen und bei WM-Finals auch nicht, dabei werden die bereits seit 1930 ausgetragen. Es sei denn, die Engländer bestehen darauf, die drei Treffer von Geoffrey Hurst im 4:2-Endspiel 1966 gegen Deutschland derart zu werten. Das machen sie gern, damit verwässern sie aber die Regel. Außerdem soll damals das eine, Sie wissen schon, das mit der Unterkante der Latte und so, ja gar keines gewesen sein.

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Ralf Sträßer (r.) spielte auch für den BFC Dynamo, hier ein Bild aus der DDR Oberliga 1979/1980.

Die größten Spieler, die sonst in WM-Finals dreimal getroffen haben, brauchten dafür immerhin zwei Spiele: der Brasilianer Vava 1958 (2) und 1962, sein Landsmann Pelé 1958 (2) und 1970 sowie der Franzose Zinedine Zidane 1998 (2) und 2006. Überhaupt hat es nach strenger Auslegung bei allen bisherigen WM-Endrunden in 905 Spielen erst acht Hattricks gegeben. Einen, na klar, durch Gerd Müller 1970 bei einem 3:1 gegen Peru, und den bisher letzten durch den Argentinier Gabriel Batistuta 1998 bei einem 5:0 gegen Jamaika. Bei einer EM ist dieses Kunststück sogar erst einem Spieler gelungen, 1984 dem Franzosen Michel Platini bei einem 3:2 gegen Jugoslawien.

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Dass dieser besondere Dreier tatsächlich ziemlich selten ist und an ein Kunststück grenzt, wird an der Erstliga-Historie (wenn Vergleiche, dann auf Augenhöhe) des 1. FC Union klar. Damit meine ich nicht die Bundesliga, da stehen die Eisernen ja erst bei 65 Spielen. Doch selbst in der DDR-Oberliga hat es bei den Rot-Weißen ewig gedauert, ehe nach Meinhard Uentz bei einem 3:1 gegen den HFC Chemie im August 1967 wieder ein Spieler innerhalb von 90 Minuten dreimal getroffen hat – das hat einer dann aber gleich dreimal geschafft: Ralf Sträßer.

Der erste Dreier gelang ihm im Oktober 1985 bei einem 3:0 gegen Wismut Aue mit einem Tor in der ersten und zwei Treffern in der zweiten Halbzeit, der zweite (der einzige Hattrick) im April 1986 bei einem 3:2 gegen den FC Karl-Marx-Stadt und der dritte, die Sachsen haben ihm gelegen, ein Jahr später bei einem 4:2 erneut gegen den FCK.

Nachdem Joel Pohjanpalo gegen Bremen zum 1:0 erfolgreich war, hatte er sein Kunstwerk in weiteren 17 Minuten vollbracht. Damit ist der Finne jedoch nicht der schnellste Erstliga-Unioner. Ralf Sträßer hatte damals noch stärker auf seinen Tore-Turbo gedrückt und alles in einem Sieben-Minuten-Vollgas-Düsen-Affenzahn (57., 62., 64.) erledigt. Am Saisonende 1985/86 war der eiserne Knipser sogar Torschützenkönig.

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Dazu kann es bei Pohjanpalo nicht mehr kommen, das ist auch nicht sein Anspruch. Aber dass ein Angreifer sich an Toren messen lassen muss und diese Elle auch selbst anlegt, ist völlig logisch. Insofern kommen seine Treffer – seinen zuvor letzten hatte er vor einem halben Jahr beim 3:1 in Hoffenheim erzielt – gerade noch rechtzeitig für Unions Drei-Spiele-Endspurt in Wolfsburg, Leverkusen und gegen Leipzig. Eventuell geht da noch was.

Bei all den vielen Zahlen möchte ich im Hinblick auf eine mögliche Fete (wenn sie denn erlaubt sein wird, ansonsten später) nach dieser exzellenten Saison auf eine letzte – ganz im Sinne des Mannschaftsgeistes – trotzdem nicht verzichten: Pohjanpalos Hattrick ist der 111. in der Bundesliga-Geschichte. In Finnland, das weiß Joel am besten, sagt man zu solchen Anlässen: Kippis!