Unions einstiger Abwehrchef Marvin Friedrich (r.) – hier im Duell mit Leverkusens Patrik Schick – ist in Gladbach noch nicht ganz angekommen. imago/Norbert Schmidt

So schnell kann es gehen. Eben noch Alte Försterei, nun gegen die alten Kameraden. Wenn der 1. FC Union am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) im Borussia-Park in Mönchengladbach aufdribbelt, feiern die Eisernen beim Kampf um die Europa-Cup-Plätze natürlich ein Wiedersehen mit ihrem Ex-Kollegen Marvin Friedrich. 

Es war ein plötzlicher Wechsel, der den Eisernen um die 5,5 Millionen Euro nebst möglichen Boni in der Zukunft bescherte. Friedrich hingegen bescherte der Wechsel bislang kein Glück. Der sonst sonst so stabile Innenverteidiger ließ sich auf das derzeitige Niveau der Fohlen runterziehen.

Friedrich verursachte schon zwei Elfer

Beim Pokal-Aus in Hannover (0:3) gab es nach einem Handspiel des 26-Jährigen einen Elfmeter, der zum 0:2 führte. Beim 1:2 gegen Leverkusen verschoss Patrik Schick den von Friedrich verursachten Strafstoß. Auch in viele anderen Szenen gab der aus Kassel stammende Verteidiger ein unglückliches und ungewohnt unsouveränes Bild ab. Auf einen Friedrich in dieser Verfassung hoffen die Eisernen nun auch an diesem Wochenende, damit die Elf von Trainer Adi Hütter die Hütte wieder vollkriegt.

Unions Trainer Urs Fischer hat in den letzten Tagen sogar noch mit seinem ehemaligen Abwehrchef gesprochen. „Wir haben uns telefonisch ausgetauscht. Er hat sich noch bedankt. Dafür war ja kaum Zeit, er musste sich ja schnell auf den Weg nach Gladbach machen. Das war’s in etwa“, so der Schweizer, der Friedrichs Schritt absolut nachvollziehen kann.

Union vor 2000. Pflichtspiel der Geschichte

Weil Gladbach eben kraft seiner Historie noch etwas Größeres ist als die Eisernen. „Natürlich tut mir das menschlich leid. Aber er wollte den nächsten Schritt machen“, so Fischer. Damit solche Transfers – wie auch die von Christopher Lenz zu Eintracht Frankfurt oder Robert Andrich zu Leverkusen – den Eisernen künftig erspart bleiben, müsse nach Fischers Einschätzung noch einige Zeit ins Land gehen. „Drei Jahre Erste Liga reichen da nicht. Das hat schon etwas mit der Dauer zu tun“, so der 55-Jährige.

Jahr vier zeichnet sich ja immerhin schon deutlich am Horizont ab. Und den nächsten Schritt dafür gelte es nun eben in Gladbach zu machen, wo Union im 2000. Pflichtspiel der eisernen Geschichte in der ungewohnten Rolle als Favorit aufmarschiert. Was Fischer im Übrigen schon ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte. Weil er die Frage erwartet hatte.

„Ich habe es gelesen“, so der Schweizer. „Wir sind auf einmal Pokalfavorit. In der Meisterschaft haben wir unsere Ziele schon erreicht. Wahnsinn. Ich mache mir nicht Gedanken, wer Favorit ist in diesem Spiel, sondern nur, ob wir unsere Leistung abrufen können“, so der Chefcoach von Berlins Nr. 1.

Und damit das noch möglichst lange so bleibt, setzt er weiterhin auf die eisernen Tugenden und mahnt davor, die Borussen zu unterschätzen. „Sie können derzeit ihr wahres Leistungsvermögen nicht abrufen. Wir müssen weiter Mut haben, aber bescheiden bleiben. Eine gewisse Demut zeigen, denn es ist eine neue Aufgabe. Da werden wir gefordert sein.“

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