Hatte in Oberlängenfeld schon eine tragende Rolle inne: Unions Neuzugang Genki Haraguchi. City-Press/Matthias Renner

Manche Klischees sind mehr als das. Einfach treffend. Genki Haraguchi sei noch beim Tischtennis, ein in Japan sehr beliebter Freizeitsport, hieß es auf dem Weg zum Teamhotel in Oberlängenfeld. Stereotyp Nummer 2 widerlegte zwar diese These, denn Unions neuer Mittelfeldakteur wartete schon brav auf der Sonnenterasse des Aqua Domes zum Pressegespräch. Das Land Nippon ist eben für seine ausgesprochen höflichen Umgangsformen bekannt. Warten lassen ist da nicht. Das dritte Meinungsbild über seine Heimat bestätigte  der 30-Jährige dann gleich mit einem Lachen. Obwohl Haraguchi schon seit sieben Jahren in den Bundesligen unterwegs ist, konnte er sich mit der deutschen Küche hier nie so recht anfreunden. 

Dennoch mag der 61-fache japanische Nationalspieler Deutschland. So sehr, dass er nach seiner Karriere eventuell sogar in Europa bleiben möchte. Was, auch das machte er schnell klar, noch ein bisschen dauern soll, bitte schön. Noch fühlt er sich nicht zum alten Eisen gehörig. Im Gegenteil. Er will sich und der Welt noch etwas beweisen. „Ich will zeigen, dass ich die Qualität für die Bundesliga nicht verloren habe“, meinte der Offensivspieler, der die letzten zwei Jahre in Hannover aber nur im Bundesliga-Unterbau zugegen war. 

Haraguchi hat Hertha hinter sich gelassen

Dass Akteure, die in Berlin schon mal andere Farben getragen haben, besonders beäugt werden, ist ihm bewusst. „Das ist doch normal. Das ist in Japan auch nicht anders, wenn zwei große Vereine in derselben Stadt sind“, meinte Haraguchi und ergänzte: „Ich komme ja nicht direkt von Hertha, sondern war zuletzt in Düsseldorf und Hannover“,  sagte der Hundeliebhaber, der zwei Labradore sein Eigen nennt und nun noch ein Haus in der Nähe des Stadions sucht, um sich in Köpenick einzuleben.  

Dass er immer noch das Zeug für die Bundesliga hat, davon ist er überzeugt. „Die zwei Jahre in der 2. Liga waren gut, um zu lernen“, verwies er auf den etwas robusten Spielstil im Bundesliga-Unterbau. Dem habe er sich anpassen können. Und zudem das wiedergefunden, was ihm dereinst in Charlottenburg abhanden gekommen war: seine Torgefährlichkeit! 15 Treffer und 16 Vorlagen sind kein so schlechtes Zeugnis für die letzten beiden Jahre.

Und damit kam auch das Selbstvertrauen zurück. Er sei gereift. Habe nun mehr Erfahrung. Die will er einbringen. Womit es auch Ende mit der Höflichkeit hat. Spielen, das macht er klar, will er unbedingt. Daher freut er sich auf den Ligastart. Die Fans der Eisernen. Und vor allem aufs Derby. „Ich bin kein Blauer mehr, sondern jetzt schon ein Roter.“ Klingt gut mit Blick auf die bevorstehende Stadtmeisterschaft. 

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