Die Eisernen träumen weiter von vollen Stadien und sind damit nicht allein.  Foto: Soeren Stache/dpa

Die Debatte ist da! Und das knapp zehn Wochen vor dem Ligastart im September. Damit hat der 1. FC Union schon mal etwas erreicht mit seinem Vorstoß, dass alle Stadien künftig wieder ausgelastet werden sollen, wenn die ganzen Besucher zuvor auf Corona getestet worden sind.

Nicht nur der Fußball, auch die ganzen Event- und Konzertveranstalter schauen gespannt auf den Ausgang der Diskussion. Prominente Unterstützung haben die Eisernen schon mal bei Deutschlands höchstem Fußballchef gefunden. „Mein Traum wäre es“, sagte DFB-Präsident Fritz Keller, „über Testungen vielleicht irgendwann ein volles Stadion zu bekommen.“ Genau das wollen die Köpenicker. So schnell wie möglich.

„Unser Stadionerlebnis“, so Klubchef Dirk Zingler, „funktioniert nicht mit Abstand. Wenn wir nicht singen und schreien dürfen, dann ist es nicht Union.“ Deshalb sollen nur Menschen Eintritt erhalten, die auch ein negatives Testergebnis vorweisen können, das nicht älter als 24 Stunden ist.

Berlins Sportsenator Andreas Geisel zeigte sich offen für die Pläne der Köpenicker. „Wir verstehen Unions Ambitionen“, sagte der SPD-Politiker am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden uns zeitnah mit der Vereinsführung treffen, um über das Konzept zu sprechen.“ Natürlich müsse ein Konzept die hygienischen Anforderungen erfüllen und von der DFL getragen werden, fügte Geisel hinzu. „Es sollte keine unterschiedlichen Lösungen innerhalb der Bundesliga geben.“

Nicht allen behagt der Vorstoß der Eisernen. Ob das bei der DFL Pluspunkte bringt, bleibt abzuwarten. Derzeit ringt ja DFL-Boss Christian Seifert mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn um eine Wiederzulassung von Fans.

Virologen bleiben skeptisch

Abgesehen von der großen Herausforderung, die auf Berliner Labore zukommen könnte, dürfte vor allem die Zeitspanne für Debatten in der Wissenschaft sorgen. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit erklärte, dass auch bei einem negativen Coronatest „nicht ausgeschlossen ist, dass Zuschauer nach 24 Stunden positiv werden und somit andere Zuschauer im Stadion anstecken können“. Für den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach ist ein ausverkauftes Stadion „nicht vertretbar“.

Die Liste ließe sich fortsetzen. Spielend. „Über allem“, so Keller, müsse das Wohl der Menschen stehen, sagte der 63-Jährige und appellierte an die Fußball-Familie: „Lasst uns das bitte objektiv angehen, mit größtmöglicher Sicherheit für die Gesundhaltung.“ Ob dies mit dem finalen Konzept der Eisernen klappen kann, müssen die Gesundheitsämter des Bezirks Treptow-Köpenick und des Landes entscheiden.