Ein kurzes Gastspiel? Neven Subotic beim 1. FC Union. Foto: Imago Images/Kirchner Media

Vor gut einem Jahr zündete der 1. FC Union den ganz großen Knaller. Innerhalb von 24 Stunden wechselten mit Christian Gentner und Neven Subotic zwei Bundesliga-Urgesteine in die Wuhlheide, um den frischgebackenen Aufsteiger mit ihrer geballten Erfahrung sportlich und mental zu verstärken. Gentner unterschrieb zunächst einen Ein-Jahres-Vertrag, Subotic sogleich für zwei Jahre. Doch nach Unions Premieren-Saison ist die Situation plötzlich ganz anders: Während Gentner mit einem neuen Vertrag in den Sommerurlaub ging, ist Subotics Zukunft bei den Eisernen trotz des laufenden Vertrages offen.

Dabei lief das Spieljahr 2019/20 für den Innenverteidiger eigentlich ziemlich gut an. Bis kurz vor der Corona-Pause stand Subotic fast immer in der Startelf, spielte neben Keven Schlotterbeck und Marvin Friedrich eine wichtige Rolle in der Dreier-Abwehrkette, die Trainer Urs Fischer häufig bevorzugte.

Doch ausgerechnet zum Wiederanpfiff der Saison im Mai kam es zum Bruch. In den letzten sechs Saisonspielen kam der 31-Jährige nur noch auf 107 Spielminuten, jedoch verteilt auf zwei Partien. In den anderen vier kam er gar nicht zum Einsatz.

Begründet lag das vor allem darin, dass Trainer Fischer für die finalen Saisonspiele auf eine Viererkette in der Abwehr umstellte. Doch auch über das Sportliche hinaus erweckte der frühere serbische Nationalspieler den Eindruck, als habe ihn der legendäre „eiserne Virus" nicht wirklich gepackt.

Das hatte weniger damit zu tun, dass Subotic im Herbst erklärte, den „großen Zirkus", das hysterische Fußballgeschäft zu „hassen". Und auch, dass er sich in seinem alten Wohnzimmer, dem Westfalenstadion in Dortmund, nach einer 0:5-Pleite minutenlang von den Dortmunder Fans feiern ließ, nahmen ihm die allerwenigsten Eisernen krumm.

Doch für Subotic schien es stets wichtigere Baustellen zu geben als den 1. FC Union. Sei es die überaus lobenswerte und wichtige Arbeit für seine Stiftung oder aber die Teilnahme an einem deutschlandweiten Spielerbündnis für mehr Mitspracherecht bei Liga-Prozessen wie der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Corona-Krise, den Subotic ebenfalls öffentlichwirksam – und im Gegensatz zu seinen Mitspielern – kritisierte.

Dass Neven Subotic ein Spieler mit einem eigenen Kopf ist, nahmen die Eisernen vor einem Jahr in Anbetracht von Subotics Erfahrung gern in Kauf, ja, womöglich sogar dankend an. Echte Typen lieben sie bekanntlich an der Alten Försterei. Doch es ist wahrscheinlich, dass man im schweren zweiten Jahr verstärkt auf Spieler setzen wird, die sich voll und ganz auf die Bundesliga und den 1. FC Union fokussieren. Dann hätte Neven Subotic, trotz des Abgangs von Leihspieler Keven Schlotterbeck in der Innenverteidigung, wohl keine Zukunft mehr in Köpenick.