Unions András Schäfer (l.) zeigt Herthas Marc Oliver Kempf, was eine Harke ist. AFP/Tobias Schwarz

„Die Schimpfworte kann ich schon“, meinte Unions ungarischer Winterpausen-Zugang András Schäfer mit einem spitzbübischen Lächeln. Was erstens, beim Erwerb einer Fremdsprache normal ist, zweitens angesichts der letzten Resultate sich in Grenzen halten müsste und drittens doch nur die halbe Wahrheit ist. Denn durch seine Schulzeit, in der er ein Jahr Deutschunterricht hatte, kann der Blondschopf schon einiges mehr verstehen, wenn er direkt angesprochen wird. Nur wenn die Teamkollegen untereinander brabbeln, kommt er nicht ganz mit. „Zu schnell“, verriet er mit einem Lachen.

Verstehen geht also schon leidlich. Sprechen natürlich noch nicht. Obwohl er in den ersten Tagen quasi einen Privatlehrer bei den Köpenickern hatte. Weil er angeschlagen von Dunajská Streda nach Berlin kam, musste Schäfer zunächst abseits der Kollegen Reha-Training absolvieren. Das zusammen mit dem ebenfalls an einer Verletzung laborierenden Laurenz Dehl. Ein Alter, ähnliche Sorgen. Schweißt zusammen.

Seit Ende Januar ist András nun ein Eiserner. Und in den knapp drei Monaten kamen schon ein paar mehr Vokabeln dazu. Vor allem fußballspezifische. Wie Spielzeit! Davon hatte er noch nicht so viel. Ganze 92 Minuten sind für ihn notiert. Am längsten stand er beim 4:1-Derbysieg gegen Hertha auf dem Platz. Da gelang ihm sogar seine erste Vorlage beim 3:1 durch Sheraldo Becker. „Freut einen, klar. Mehr aber hat mich der Sieg gefreut“, so Schäfer.

Schäfer ist geduldig

Unzufrieden ist er derzeit aber nicht. Im Gegenteil. „Es war ja klar, dass das erste halbe Jahr anstrengend sein würde. Normal. Ich muss mich an alles gewöhnen, das ist hier ein anderes Tempo, ein anderes Level. So etwas kenne ich nur von den Länderspielen und nicht aus den Ligen in der Slowakei oder in Ungarn. Hier kann ich jeden Tag etwas dazulernen“, so Schäfer.

Dafür sorgt auch Trainer Urs Fischer, der Schäfer immer mal wieder beiseite nimmt, um ihm zu erklären, was er besser machen kann. Am Mittwoch hatte der Schweizer sogar ein Lob für ihn parat. „Er sagte, ich hätte gegen Hertha ein gutes Spiel gemacht“, freute sich Schäfer.

Der perfekte Tag für ihn. Also fast. Besuch aus der Heimat, Sonne satt, draußen an der frischen Luft zweimal trainieren und zum Mittag gutes ungarisches Gulasch in der Kantine der Alten Försterei – Herz, was willst du mehr. Wenn da nicht dieses kleine Problem wäre. „Meine Freundin Rebecca ist sauer. Weil ich heute erst um 6 Uhr nach Hause komme“, so Schäfer. Denn Mittwoch, das war sein persönlicher Ehrentag inklusive Abschießen durch die Kollegen im Kreis. Denn der ungarische Nationalspieler feierte sein 23. Wiegenfest.

Bei Schäfer wird Voglsammer zum Schlüsseldienst

Zumindest den Abend wird er ihr versüßen. Fein Essen gehen. Und weiter Pläne machen. Denn seine  Freundin, österreichisch-ungarischer Abstammung, und er müssen Pläne schmieden. Sie studiert ja eigentlich auch in Budapest. Das soll, so gut es geht, unter einen Hut gebracht werden, damit Schäfer nicht allein in Berlin bleiben wird die ganze Zeit.

Was vielleicht auch besser ist. Denn ein kleiner Chaot scheint Schäfer doch zu sein. „Ich habe mich schon zweimal selber ausgeschlossen“, verriet der aus Szombathely – Geburtsstadt von Hertha-Legende Gabor Kiraly – stammende Offensivgeist. „Vielleicht sollte ich mal bei Vogi einen Schlüssel deponieren“, musste Schäfer über sich selber lachen. Andreas Voglsammer und er wohnen beide im Friedrichshain. Sogar im selben Haus. Voglsammer im 3. Stock, Schäfer eins drunter. Wäre sicherlich praktischer, als immer den Schlüsseldienst bemühen zu müssen.

Auf dem Feld kann er sich selber behelfen. Da weiß er, wie man zum Türöffner im Spiel wird. Und mit zunehmender Aufenthaltsdauer in Berlin sollte es auch dazu kommen, dass er das Wort Spielzeit nicht nur als Karteikarte in seinem Vokabelkästchen beherrscht. Denn hierbleiben möchte er. Gerne länger. „Wenn ich an das Derby denke, diese Stimmung, diese Fans. Gänsehaut. Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt. Warum sollte ich hier so schnell wieder wegwollen?“ Eine Frage, die derzeit keine Antwort benötigt. Dazu langt ein Blick in Schäfers bei diesem Satz besonders strahlenden Augen.

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