Muss sich anstrengen, wenn er hoch in den eisernen Olymp aufsteigen will: Unions Neuzugang Jordan Siebatcheu.
Muss sich anstrengen, wenn er hoch in den eisernen Olymp aufsteigen will: Unions Neuzugang Jordan Siebatcheu.

Die Fußstapfen sind groß, die Taiwo Awoniyi in seinen beiden Spielzeiten hinterlassen hat. 20 Erstligatore in zwei Spielzeiten! Womit der 24-jährige Nigerianer Bundesligarekordschütze der Eisernen ist. Die muss Jordan Siebatcheu als dessen designierter Nachfolger erst mal machen. Doch nicht nur der stets so freundlich lachende „Taigoal“ hat Spuren hinterlassen in Köpenick. Auch seine Vorgänger auf die eine oder andere Art. Guck mal, Jordan – an denen musst du dich messen lassen, wenn du in die Geschichtsbücher beim 1. FC Union eingehen willst.

Sebastian Andersson

Zugegeben, der Schwede kickte nur eine Spielzeit im Fußball-Oberhaus für die Eisernen. Aber nachdem er mit zwölf Buden in der Spielzeit 18/19 einen erheblichen Anteil am Aufstieg hatte, sorgte sein zweites Dutzend Treffer in der Spielzeit 19/20 für den Klassenerhalt der Köpenicker in einer von Corona durchwachsenen Spielzeit mit Geisterspielen und der Angst vor der Pleite als ständigem Wegbegleiter bei den Eiseren und in der Liga.

Sebastian Andersson war Unions erster Bundesligarekordschütze.
Sebastian Andersson war Unions erster Bundesligarekordschütze. Imago/Beautyful Sports

Darüber hinaus bescherte der schwedische Nationalspieler dem 1. FC Union die neue Rekordablöse von 6,5 Millionen Euro, als er im Sommer 2020 zum 1. FC Köln wechselte. Bis dahin waren Bobby Wood mit vier Millionen zur Spielzeit 16/17 (HSV) und Steven Skrzybski zur Spielzeit 18/19 (Schalke) mit 3,2 Millionen Euro die Topverkäufe der Eisernen. Und last, but not least – er erzielte den ersten Bundesligatreffer der Köpenicker überhaupt beim 1:1 in Augsburg am zweiten Spieltag der Saison 19/20.

Sebastian Polter

Auch Polti war nur eine Spielzeit mit den Rot-Weißen im Fußball-Oberhaus vergönnt. Und seine zwei Buden in 13 Spielen klingen auf dem Papier nicht als große Herausforderung. Doch unvergessen ist dabei sein Elfmetertor im allerersten Bundesliga-Hauptstadtderby. Weit in der Nachspielzeit verwandelte er gaaaanz cooool den Strafstoß gegen den Lokalrivalen aus dem Westend. Die Alte Försterei stand Kopf.

Zu dem Bild muss man eigentlich nicht viel sagen: Man betrachte die Anzeigetafel im Hintergrund und Sebastian Polters Jubel im Vordergrund.
Zu dem Bild muss man eigentlich nicht viel sagen: Man betrachte die Anzeigetafel im Hintergrund und Sebastian Polters Jubel im Vordergrund. Imago/Contrast

Ein gewisser Ante Covic versuchte danach, die Niederlage runterzuspielen mit dem Verweis auf die Tabelle. Da thronte Hertha noch über den Köpenickern und behauptete diese Position am Ende der Spielzeit nur durch die um sechs Treffer bessere Tordifferenz.

Unvergessen bleibt Polti zudem, weil er mit 42 Buden im Fußball-Unterhaus Unions Rekordtorschütze in Liga zwei neben Torsten Mattuschka ist.

Max Kruse

Der heutige Wolfsburger erhöhte den Unterhaltungswert in Köpenick ganz ungemein. Auch außerhalb des grünen Rasens, wie mit dem Hochzeitsantrag von den Olympischen Spielen vor laufenden TV-Kameras an seine Dilara. Ein dickes Herz bewies er zudem selbst nach seinem Abgang.

Zudem hob er das Spiel der Eisernen in seinen eineinhalb Spielzeiten auf ein anderes Level. Und lieferte sich mit Taiwo Awoniyi ein munteres Duell um die hausinterne Schützenkrone, als der Nigerianer erst beim Afrika-Cup und dann nach seiner Rückkehr zu Beginn des Jahres sich eine Schwächephase gönnte.

Berliner Verlag

Unvergessen sein zwölftes Bundesligator für den 1. FC Union – seinerzeit auch die Einstellung der Saisonbestmarke von Andersson – im Mai des Vorjahres. Mit seinem Treffer zum 2:1-Sieg gegen ein von Unionfans völlig zu Recht abgelehntes Produkt köpfte er die Eisernen nach Europa. Und das in ihrem erst zweiten Bundesligajahr! Der schiere Wahnsinn.

Dazu wurde er danach hübsch angepflaumt von seinen Kollegen. Auf die Conference League habe er keinen Bock, hatte er ja zuvor lauthals verkündet. Weil er Donnerstags angeblich keine Zeit habe. Was ihm natürlich danach dick aufs Butterbrot geschmiert wurde zur allgemeinen Gaudi.

Grundsätzlich zeigte sich an Kruse, dass die Eisernen auf einmal auch für echte Stars interessant wurden und keinesfalls als graue Maus durch die Bundesliga marschierten. Dass er am Ende Union auch noch hübsche fünf Millionen einbrachte, war ’ne hübsche Pointe. Schließlich war er da schon 33 Jahre alt und zudem zuvor ablösefrei von Fenerbahce verpflichtet worden.

Taiwo Awoniyi

Taiwo wer? Dieser Wandervogel? Immerhin jemand, der vom FC Liverpool kam. Auch wenn er zuvor keine einzige Minute für die Reds gekickt hatte. Aber Awoniyis Leihe von den Merseysidern zahlte sich aus. Trotz einer schwerwiegenden Muskelverletzung kam der tiefgläubige Nigerianer auf immerhin fünf Treffer in seiner ersten Bundesligazeit, ehe er wieder zurück nach England musste.

Union zieht zum zweiten Mal in Folge in Europa ein und Torschütze Taiwo Awoniyi vor Freude blank.
Union zieht zum zweiten Mal in Folge in Europa ein und Torschütze Taiwo Awoniyi vor Freude blank. Imago/Nordphoto

Eine Rückkehr zu Union schien außer Reichweite. Zu kostspielig. Zudem besaß Awoniyi inzwischen die Arbeitserlaubnis für die Insel. Nur der Hartnäckigkeit von Oliver Ruhnert war es zu verdanken, dass er für 6,5 Millionen Euro – der LFC hätte bei einem anderen Premier-League-Klub mehr einstreichen können – doch noch mal an der Wuhle aufkreuzte.

Der Rest ist Geschichte. Awoniyi wurde Nationalspieler, reiste zum Afrika-Cup und kehrte nach einer Saison mit 15 Toren bei Union für 20,5 Millionen Euro in die Premier League zurück. Und keiner nahm es ihm übel, weil er diesbezüglich immer ehrlich gewesen war. Und zudem Union so viel Freude geschenkt hatte.

Große Vorgänger für Jordan Siebatcheu. Noch hat der sechs Millionen Euro teure Neueinkauf von den Young Boys Bern nicht getroffen für die Eisernen. In keinem Testspiel. Aber der Torschützenkönig der Schweizer Super League ist dennoch ein Versprechen auf eine große Zukunft.

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