Unions Timo Baumgartl kann wieder jubeln. Hodenkrebs besiegt und Bundesliga-Comeback gefeiert.
Unions Timo Baumgartl kann wieder jubeln. Hodenkrebs besiegt und Bundesliga-Comeback gefeiert. dpa/Gora

Der 1. FC Union hat ein Superjahr hingelegt, Platz fünf in der Bundesliga, Europa League, dazu noch im DFB-Pokal. Doch der sensationelle Erfolg auf dem Rasen rückt ganz schnell in den Hintergrund, wenn man an Timo Baumgartl (26) denkt. Er ist Unions größter Gewinner des Jahres 2022. Hodenkrebs, Operation, Chemotherapie und dann ein Blitzcomeback in der Bundesliga. Zum Jahresabschluss spricht Baumgartl, der Eisernste unter den Eisernen, noch mal über seinen Lebenskampf.

„Es war ein Jahr mit Höhen und Tiefen“, sagt der Innenverteidiger dem TV-Sender Sky rückblickend und ohne Theatralik. Ja, dieser Satz kann nicht für den sportlichen Erfolg gemeint sein. Denn Union hatte keine Tiefen. Es geht um sein persönliches Schicksal, um – schlichtweg und ohne Übertreibung – seinen Kampf um Leben und Tod.

So empfingen Unions Fans Timo Baumgartl bei seinem Comeback im September.
So empfingen Unions Fans Timo Baumgartl bei seinem Comeback im September. imago images/Hübner

Baumgartl: „Es waren harte Momente“

„Man lernt sich selbst und seinen eigenen Willen kennen. Man lernt auch, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen. Das sind harte Momente. Ich glaube, dass es mich als Person weitergebracht hat, auch wenn das komisch klingt“, lässt er das ganze Krebsdrama Revue passieren. 

Baumgartl hatte im Mai nach einer Routineuntersuchung die Diagnose Hodenkrebs erhalten. Ihm wurde daraufhin sofort ein Hoden operativ entfernt. Danach begann die wochenlange Qual der Chemotherapie. Er kämpfte gegen all die bösen Geister, gegen alle negativen Gedanken. Nach drei Monaten konnte er das erste Mal wieder auf dem Rasen trainieren. Ein großer Schritt für den Abwehrspieler. Weitere sechs Wochen später war es dann so weit. Am 18. September feierte Baumgartl beim 2:0-Heimsieg gegen Wolfsburg sein Comeback in der Alten Försterei.

Baumgartl: „Mein Comeback werde ich nie vergessen“

Am 18. September war es so weit. Baumgartl feierte seine Rückkehr beim 2:0 gegen Wolfsburg.
Am 18. September war es so weit. Baumgartl feierte seine Rückkehr beim 2:0 gegen Wolfsburg. imago images/nordphoto/Engler

Der größte Sieg seines Lebens war vollbracht. Baumgartl: „Gänsehaut. Es war so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Dieser Moment, der wird mich mein Leben lang begleiten. Auch jetzt, wenn ich daran zurückdenke, fehlen mir wieder die Worte. Das ist einfach mein Moment für 2022.“

Es sei immer sein Ziel gewesen, „schnellstmöglich wieder in der Bundesliga zu sein. Dass noch nicht alles so funktionieren kann, war mir klar, weil der Körper erst mal die ganzen Giftstoffe rausbekommen muss.“ Er merke, dass ihm die „normale Vorbereitung“ guttue. Union ist an diesem Donnerstag mit 30 Profis in den zweiten Teil der Wintervorbereitung gestartet. Er sei zuversichtlich, wieder sein altes Leistungsniveau zu erreichen, „welches ich vor der Erkrankung hatte“, erklärte Baumgartl.

Über seine nähere sportliche Zukunft hat sich der gebürtige Schwabe nach eigener Aussage noch keine Gedanken gemacht. Im Sommer werde sich zeigen, „ob ich bei Union bleibe, zurückgehe oder ob ich zu einem anderen Verein wechsle“, sagte Baumgartl. „Wir werden uns sicherlich im März mal zusammensetzen und dann entscheiden, was das Beste für mich und die Vereine ist.“ Baumgartl ist derzeit vom niederländischen Klub PSV Eindhoven an Union ausgeliehen.

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