Muss jetzt zwei Spiele abwarten, bis er sich wieder so ins Getümmel werfen kann: Unions Florian Hübner (M.).  Foto: imago images/Matthias Koch

„Louis, ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.“ Dieser berühmte Schlusssatz aus dem Kultfilm Casablanca könnte bei den Eisernen, die von außerhalb und gegen ihren Willen oft als Kult-Klub bezeichnet werden, künftig wohl in den Skat gedrückt werden. Zumindest was die Werksmannschaft aus Leverkusen angeht. Denn in der Gefühlswelt der eisernen Anhängerschaft ist die Zwei-Spiele-Sperre nebst 20.000 Euro Geldstrafe für Florian Hübner und der Versuch, ihm eine rassistische Entgleisung anzuhängen, schlichtweg ein Skandal. Da wird nicht genug Gras drüber wachsen können bis zum Rückspiel, das eventuell dann ja sogar wieder vor Zuschauern geführt werden könnte, so Corona denn mitspielt.

Nicht nur Unions Präsident Dirk Zingler vermisste Entschuldigungen von Leverkusener Seite. „Dass es auf dem Platz von beiden Seiten Beleidigungen gab, ist äußerst bedauerlich und absolut unnötig. Sich dafür öffentlich zu entschuldigen, zeugt von Größe und Verantwortungsbewusstsein. Beides hätte ich mir auch von der anderen Seite gewünscht“, hatte Zingler nach dem Freispruch für Hübner erklärt.

Auch Nadiem Amiri  gab mit seinen Einlassung beim DFB-Kontrollausschuss kein souveränes Bild ab, weil er zwar weiterhin auf seiner Sichtweise dass der Begriff „scheiß Afghane“ gefallen sei, festhalten wollte, dann aber einräumen musste, er könnte sich verhört haben. Von Jonathan Tah, der den Fall vor laufender Kamera erst angestoßen hatte, war gar nichts zu hören. 

Manch einer wunderte sich, dass beide ungeschoren davon gekommen sind. Trotz voriger unfeiner Bemerkungen auf dem Platz. Ein Schlag für ihr Gerechtigkeitsempfinden. Doch Amiri wurde vom Kontrollausschuss ja nicht als Beklagter geführt, war nicht Gegenstand des Verfahrens. Dazu hätte es neuerlicher Ermittlungen bedurft, woran Bayer und auch Union eher kein Interesse haben, weil sie endlich den Fall zu den Akten gelegt wissen und sich mit dem Sport beschäftigen wollen. 

Würde Hübner auch gerne. Darf er aber nicht für die kommenden zwei Spieltage. Der 29-Jährige, den die Beschuldigungen ziemlich mitgenommen hatten („Jede Art von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung wird in meiner Familie und von mir zutiefst verabscheut“),  fuhr anders als die Kollegen aus Leipzig zurück nach Berlin und machte den Trip nach Augsburg gar nicht weiter mit. „Er ist froh, dass die Angelegenheit geklärt ist und alles vom Tisch ist. Hübi ist zurück nach Berlin. Er wird da heute individuell trainieren und hat dann den Sonnabend frei“, verriet Fischer. 

Vielleicht auch nötig, um den Kopf frei zu bekommen. Die turbulenten letzten Tage hatten dem gebürtigen Wiesbadener doch ziemlich zugesetzt. Da tut Zeit mit der Familien gut. Erst am Sonntag muss er zum Spielersatztraining in Köpenick wieder antreten.

Hübners Stammplatz ist futsch

Getreu dem Motto „wo Rauch ist, ist auch Feuer“, werden sich trotzdem einige nicht mehr von ihrem vorgefassten Urteil abbringen lassen. Auch wenn jetzt alle eine Lanze für die Integrität des Innenverteidigers brechen. „Wir kennen Florian Hübner bereits einige Jahre und Cedric Teuchert genießt seit dem letzten Sommer unser Vertrauen als Teil unseres Teams. Beide schätzen wir als faire Sportler und als verantwortungsvolle Menschen. Für uns war und ist es eine Selbstverständlichkeit, sie vor falschen öffentlichen Anschuldigungen und Vorverurteilung in Schutz zu nehmen“, hatte Zingler erklärt. Was bei manch einem ungehört verhallen wird. 

Wenn es ganz dumm läuft für Hübner, könnte er sogar zum sportlichen Opfer der ganzen Affäre werden, wenn sich Nico Schlotterbeck während seiner Sperre wieder fest ins Team spielen sollte. Und Urs Fischer würde dann womöglich nach erfolgreichen Partien vorerst keinen Grund sehen, den Schwaben wieder rauszunehmen. Wäre bitter für Hübi, der sich gerade ins Team reingebissen und zuletzt vier Mal in Folge in der Startelf gestanden hatte.