Voller Einsatz an alter Wirkungsstätte: Freiburgs Nico Schlotterbeck versucht Unions Sheraldo Becker zu stoppen.  imago/Jan Huebner

Hätte man es ahnen können mit Blick auf die Freiburger Aufstellung? Schlotterbeck stand da auf dem Spielberichtsbogen. Nicht ein Mal, sondern sogar zwei Mal. Keven und seine Atze Nico, beide natürlich mit donnernden Fußballgott-Rufen bei ihrer Rückkehr an die Alte Försterei bedacht. Das ehemalige eiserne Leih-Duo sollte verhindern, dass der 1. FC Union sich für das 0:1 in Fürth rehabilitiert. Und natürlich ging der Schachzug von Freiburgs Trainer Christian Streich auf. Denn Nico weiß ja gar nicht, wie es ist, in der Alten Försterei zu verlieren. Bei der einzigen Heimpleite der Vorsaison gegen Augsburg (1:3) stand er am ersten Spieltag gar nicht auf dem Rasen, feierte ansonsten acht Siege und acht Remis mit seinen seinerzeit Rot-Weißen.

Streichs Maßnahme fruchtete. Und sie war übrigens Unions Spielweise geschuldet. „Wir haben dieses Saison noch nicht im 3-5-2 gespielt. Aber wir wollten nicht Union in die Karten spielen und rausgehen und dann kommen die langen Bälle auf Awoniyi und Becker“, so seine Idee zum Spiel. 

So blieben nach 90 torlosen Minuten vor leider nur 5000 Besuchern - darunter rund 200 Freiburger - an der Alten Försterei zwei Dinge zu würdigen. Ein Ereignis abseits des Rasens, denn die Eisernen und ihr Trainer Urs Fischer wurden bei der Wahl zu den Berliner Sportlern des Jahres zu Champions und kassierten einen goldenen Bären als Lohn. Das andere war die Erkenntnis, dass die Köpenicker sich absolut gewillt zeigten, die Schmach von Fürth vergessen zu lassen und sich über die ganze Spielzeit sichtlich mühten, irgendwie noch den Sieg gegen die Breisgauer zu erringen. 

Lob von Christian Streich für Union

Misslang. Sicherlich. Ist aber kein Beinbruch. Schon gar, wenn man bedenkt, dass die Eisernen sich mit einem Gegner auf tabellarischer Augenhöhe duellierten, der nicht zu Unrecht in luftigen Höhen der Bundesliga rumturnt. Den fiedelt man nicht so mir nichts, dir nichts locker aus dem Stadion, auch wenn Union sich gerade in den Anfangsminuten sichtlich bemüht zeigte, genau das zu bewerkstelligen. 

„Was die Mannschaft heute noch mal alles abrufen konnte, das war richtig doll. Wir müssen uns immer am Limit bewegen, das haben wir gemacht. Über 90 Minuten war das in einem intensiven Spiel für beide Mannschaften ein verdienter Punkt“, sagte Unions Trainer Urs Fischer. Er hatte eine Reaktion nach der Pleite in Fürth sehen wollen. Die hat er gesehen. Es stimmt alles. Bis auf das Ergebnis. 

Es bleibt festzuhalten, dass die Eisernen insgesamt griffiger und agiler wirkten. Das Spiel bestimmten und vor der Pause eigentlich gar nichts zuließen. Na gut, Eggesteins abgefälschter Lattentreffer (5.). Aber sonst?

Der Stachel aus Fürth saß wohl tief. Wiedergutmachung war durchaus ein Punkt auf der Tagesordnung. Weniger für die Fans, mehr für die Mannschaft. Und natürlich war das Anfangstempo so nicht auf Dauer durchzuhalten. Aber Union marschierte. Zeigte das gewohnte Heimgesicht. Nur beim Abschluss fehlte den Eisernen das Glück. 

Am Ende eines kräftezehrenden Kalender-Jahres mit insgesamt 47 Pflichtspielen steht Union mit 24 Punkten immer noch sehr passabel da. Und überwintert ja auch noch im Cup. Und weil wir mit Streich begonnen haben, gönnen wir ihm auch das Schlusswort: „Bei Union ein Punkt ist immer gut, weil Union ne richtig gute Mannschaft ist. Ich hätte zwar gerne gewonnen, aber ich bin zufrieden. Ich gratuliere dem Urs 16 Spiele und 24 Punkte, dazu der Europapokal. Wir haben das auch schon mal gemacht. Chapeau, Urs.“

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