Simon Terodde bejubelt ein Tor im Olympiastadion.  imago/Annegret Hilde

Sie waren Helden! Derby-Helden. Doch Ruhm ist vergänglich. Und über den Eisernen scheint diesbezüglich fast ein Fluch zu liegen. Neun Buden erzielten die Köpenicker in ihren bisherigen acht Duellen gegen den Stadtrivalen. Und fast alle, die für den 1. FC Union gegen Hertha BSC einnetzten, wurden danach bei den Rot-Weißen nicht mehr wirklich  glücklich. 

Santi Kolk

Santi Kolk bejubelt mit John Jairo Mosquera den Ausgleich in Köpenick.  imago/Matthias Koch

Es ging los beim allerersten Pflichtspiel der beiden Klubs gegeneinander. Im September 2010 gastierte die alte Dame in Köpenick. Peter Niemeyer hatte die Blau-Weißen früh in Führung gebracht. Acht Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit ließ Santi Kolk die Alte Försterei wackeln. Der Holländer, der ein feines Füßchen besaß, galt bei seiner Ankunft als großes Versprechen auf eine bessere Zukunft. Aber er fremdelte mit dem Fußball im Bundesliga-Unterbau. Nach nur 18 Spielen zog es ihn wieder in die Heimat. Er wurde im Sommer 2011 an NAC Breda ausgeliehen und kehrte nicht mehr zurück.

John Jairo Mosquera & Torsten Mattuschka

Unvergessen ist in der Klubhistorie dann das Rückspiel im Februar 2011. Im Olympiastadion drehten John Jairo Mosquera und Torsten Mattuschka den Kick, Union feierte einen 2:1-Auswärtssieg in der Betonschüssel. Im Jahr darauf erlag der Kolumbianer dem Lockruf des Geldes. Ab nach China. Doch die „Reisdiät“ bei Chanchung Yatai machte ihn auch nicht wirklich froh. Eine Rückkehr nach Europa stand bei Energie Cottbus auch nicht unter einem besonders guten Stern. Über Portugal ging es zurück nach Südamerika. Auch dort blieb er ein Wandervogel. 

Du musst es laut anhören und deine Nachbarn stören: Torsten Mattuschka bejubelt mit dem Stimme verstärkenden Megaphone den Derbysieg im Februar 2011. imago/Annegret Hilse

Was uns zum zweiten Schützen führt. Der mit seinem Freistoßtreffer unter gütiger Mithilfe von Hertha-Keeper Maikel Aerts die Eisernen in Glückseligkeit hatte schwelgen lassen. Tusche ereilte der Fluch erst mit Verzögerung. Er hatte noch einige gute Jahre in Köpenick. Doch im Sommer 2014 wurde er vom damaligen Trainer Norbert Düwel mehr oder weniger ins zweite Glied versetzt, obwohl er in der Vorsaison mit 12 Treffern und 12 Vorlagen der erfolgreichste Scorer der Eisernen gewesen war. Tusche flüchtete nach Cottbus in die 3. Liga. 

Christopher Quiring

Da hoffte Christopher Quiring noch auf ein versöhnliches Ende des Derbys. imago/Contrast

In der Spielzeit 12/13 trafen sich die Rivalen nach Herthas erneutem Abstieg wieder in der 2. Liga. Im Hinspiel beim 1:2 traf der eingewechselte Christopher Quiring zu zwischenzeitlichen Ausgleich und fiel hinterher mit seinem legendären Spruch „Wenn die Wessis in unserem Stadion jubeln, krieg ich das Kotzen“ auf. Das Eigengewächs startete noch einmal in Köpenick durch, wurde dann aber immer weniger berücksichtigt, so dass ihm ein Engagement  bei Drittligist Hansa Rostock ab Januar 2017 reizvoll erschien. Da er dort aber wegen seiner Nähe zu den Ultras der Eisernen vom harten Anhang der Mecklenburger permanent angegangen und gemobbt wurde, war auch dieses Gastspiel nicht wirklich zufriedenstellend für ihn. 

Simon Terodde & Adam Nemec

Das Rückspiel im Februar endete dann 2:2. Es trafen Simon Terodde und Adam Nemec.  Doch die 2:0-Führung langte am Ende nicht. Denn es gab da bei Hertha einen gewissen Ronny, der einen Treffer servierte und den zweiten selber machte. So wie im Hinspiel. 16 Monate später wurde der heutige Zweitligarekordschütze Terodde ablösefrei nach Bochum gelassen. Fast abgeschoben! Nemec hingegen zog es über den großen Teich in die MLS. Im Januar 2015 verdingte er sich beim neu gegründeten Klub New York City FC. 

Air Adam hat zugeschlagen: Nemec steigt am höchsten und köpft zum 2:0 ein.  imago/Contrast

Sebastian Polter

Bis zu den nächsten Duellen dauerte es ein wenig. Union konnte Hertha erst im Sommer 2019 in die Bundesliga folgen. Durch einen Elfmeter in der achten Minute der Nachspielzeit, verwandelt von Sebastian Polter, feierten die Köpenicker im November ihren ersten Erstliga-Sieg über den Stadtrivalen. Dem Rausch folge der Kater. Auf dem Feld setzte es beim Rückspiel es ein happiges 0:4. Und Polter und die Eisernen trennten sich im Groll, weil es Misstöne bei den Gehaltskürzungen wegen Corona gab. 

Nur Fliegen ist schöner! Sebastian Polter in Ekstase nach seinem Elfmetertor zum Derbysieg. imago/Xinhua

Robert Andrich & Taiwo Awoniyi

Auch in der Vorsaison ging die Stadtmeisterschaft ins Westend der Stadt. Einem 3:1 im Olympiastadion ließ Hertha ein 1:1 in Köpenick folgen. Dort konnte Robert Andrich, der im Olympiastadion vom Platz geflogen war, treffen. Doch der suchte sein Glück bekanntlich diesen Sommer in Leverkusen. Der Fünfjahresvertrag und die deutliche Gehaltsaufbesserung waren dann doch zu verlockend. 

Womit wir bei der Ausnahme der Regel wären. Einzig Taiwo Awoniyi scheint dem Fluch trotzen zu können. Zwar führte seine Bude im Hinspiel am 4. Dezember des Vorjahres auch nicht zu Punkten für die Eisernen. Aber wer sieht, wie der Nigerianer in dieser Spielzeit beim 1. FC Union aufblüht, der weiß: Der 24-Jährige hat in Köpenick sein Glück gefunden. 

Eiskalt abgezogen: Nach seiner roten Karte im Hinspiel traf Robert Andrich in der Rückrunde gegen Hertha BSC. imago/Tilo Wiedensohler

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