Das beleidigende Banner auf der Waldseite. Jürgen Engler

Da ist der nächste Punkt. Manch einer wird sagen: Leider nur ein Punkt. Denn beim 2:2 (1:0) gegen den VfL Wolfsburg gab der 1. FC Union in einem von Fan-Protesten und Spielunterbrechungen überschatteten Kick einen Zwei-Tore-Vorsprung noch aus der Hand.

Eigentlich hätte es in der Alten Försterei mehr um Fußball gehen sollen. Beispielsweise um Christian Gentners 400. Bundesliga-Spiel. Oder um Unions etwas lethargische anmutende Herangehensweise vor der Pause. Oder ganz schlicht um Sebastian Anderssons zehntes Saisontor, mit dem die Eisernen mit ihrer allerersten Torannäherung in Halbzeit eins gleich mit 1:0 in Führung gingen (40.).

Doch auch dieser Kick reihte sich in die Ereignisse in den Arenen der Republik ein. Nach 30 Minuten unterbrach Schiri Bastian Dankert die Partie ein erstes Mal, weil auf der Waldseite ein Banner hochgezogen wurde. „2017 Kollektivstrafen abgeschafft.  Nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurückgemacht“, stand da.

Doppelhalter mit Fadenkreuz

Dieser Protest war noch im Rahmen des Erträglichen. Keine Beleidigungen dabei. Doch als nach der Union-Führung ein Doppelhalter mit Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp im Fadenkreuz und das Wort Hurensohn hochgehalten wurde, hatte Dankert genug und befahl beide Teams für neun Minuten in die Kabine. „Ihr gefährdet die Austragung des Spiels und die Einheit und den Erfolg unseres Vereins. Auf diese Weise ist nichts zu gewinnen“, versuchte Stadionsprecher Christian Arbeit auf die Ultras Einfluss zu nehmen. „Aufhören“, donnerte es von den Rängen in Richtung der Bannerträger. Jedem im Stadion war klar: Eine dritte Provokation würde dem Spiel ein vorzeitiges Ende setzen. „Wir haben das den Fans auch so gesagt, dass wir als Mannschaft nicht hinter diesen Plakaten stehen, anderer Meinung sind. Protest ist gut und wichtig, aber es darf nicht persönlich oder beleidigend sein“, meinte Christopher Trimmel.

Immerhin konnten die Köpenicker zunächst nach der Pause ihre 100-prozentige Chancenverwertung halten: Marvin Friedrichs Kopfball nach feinem Trimmel-Freistoß  fand den Weg isn Netz zum 2:0 (57.). Aber nur drei Minuten später schlug der VfL durch Yannik Gerhardt zurück – 2:1 (60.).

Wenn die Eisernen bei ihren 100 Prozent geblieben wären, hätte der Dreier in Köpenick bleiben können. Doch der eingewechselte Marcus Ingvartsen bekam nicht genug Druck auf die Kugel bei einem Kopfball (71.). Statt der Vorentscheidung stand es plötzlich 2:2, weil Wout Weghorst seinen Schädel in eine Flanke reinwuchtete (81.). Eine gerechte Punkteteilung. „Ich kann mit dem Ergebnis gut leben“, so Trainer Urs Fischer.