Die beiden Ex-Eisernen Fabian Wohlgemuth und Steffen Baumgart in gemeinsamen Paderborner Tagen
Die beiden Ex-Eisernen Fabian Wohlgemuth und Steffen Baumgart in gemeinsamen Paderborner Tagen Imago/Beautiful Sports

Dass ehemalige Kicker der Eisernen in der Bundesliga jetzt eine Rolle spielen und nicht mehr wie in der jüngeren Vergangenheit einen Karriereknick erleben, daran hat man sich mittlerweile gewöhnt bei den Eisernen. Erinnert sei hier nur an Simon Terodde, Robert Andrich und Christopher Lenz. Als Stellvertreter für noch viele mehr. Dass aber auch in den Funktionärs- und Trainerebenen immer mehr Personen mit einer Vergangenheit beim 1. FC Union eine Rolle spielen, ist ein eher junges Phänomen. Das jüngste Beispiel ist jetzt Sportdirektor beim VfB Stuttgart und heißt Fabian Wohlgemuth.

Dass ein Uwe Neuhaus mal ganz oben auftauchen würde, hätte keinen verwundern dürfen. Dessen Qualitäten hätte ein Blinder mit dem Krückstock erkannt, wenn man ihn in seinen sieben Jahren in Köpenick beobachtet hätte. Auch Steffen Baumgarts Wirken im Elitekreis überrascht nicht, obgleich dessen Werdegang lang und dornig war. Jens Härtel, obwohl gerade ohne Job, verdient hier aufgeführt zu werden. Aber Wohlgemuth, zuletzt bei Zweitligist Paderborn tätig, da wird sich bestimmt mancher die Augen reiben. Was hat der mit den Eisernen zu tun?

Zugegeben, es ist schon eine Weile her. Aber der gebürtige Berliner hat in den 90er-Jahren tatsächlich einmal für den 1. FC Union gespielt, zu dem er aus Hohenschönhausen gekommen war. Allerdings war ihm nur ein Einsatz bei den Profis der Köpenicker vergönnt. Im September 1998 war das im Paul-Rusch-Pokal gegen Mariendorf. Mehr war nicht drin, Wohlgemuth kickte meist in der zweiten Mannschaft der Eisernen und verließ den Klub am Ende der Spielzeit.

Viren im Knie beendeten Wohlgemuths Laufbahn als Profi

Croatia, Lichtenberg, TeBe, Hansa Rostock und Chemnitz hießen die Stationen, ehe dann eine schwere Knieverletzung seine Laufbahn als Fußballer vorzeitig beendete. Viren im Knie nach einer Kreuzband-Op. Das hat schon für manchen Kicker das Aus seiner fußballerischen Träume bedeutet.

Was Wohlgemuth, der übrigens immer noch Vereinsmitglied beim 1. FC Union ist, aber als Chance begriff. Der heute 43-Jährige zog ein Studium als Diplomkaufmann an der TU durch. Viel wichtiger für seine spätere Karriere noch: Beim bekannten Berliner Spielerberater Henry Hennig war Wohlgemuth in der Folge als Scout und rechte Hand tätig. Und somit zu Beginn dieses Jahrtausends Dauergast in Köpenick.

„Ich habe ihm ja damals unter Heiner Betram seine ersten Schritte vom Fußballplatz an den Schreibtisch ermöglicht. Durch meine Vermittlung konnte er ein Jahr lang ein Praktikum in der Geschäftsstelle des 1. FC Union machen“, erinnert sich Hennig an die ersten Schritte von Wohlgemuth abseits des Rasens. „Fabian war schon immer sehr zielstrebig und hartnäckig. Ty eisenharter Verteidiger. Er ist zudem ein guter Netzwerker. Er konnte Menschen für sich einnehmen, ohne sich vereinnahmen zu lassen“, so Hennig weiter.

Diese Zeit und auch der Job als Scout und Nachwuchschef schulten sein Auge. Was er offenbar mit seinem Vorgänger beim VfB gemein hat. Der von vielen als „Diamantenauge“ bezeichnete Sven Mislintat, den Wohlgemuth jetzt bei den Schwaben beerbt, war vor seiner Zeit beim VfB ja auch als Chefscout in Dortmund und beim FC Arsenal tätig.

Auch Ruhnert war erst Scout, ehe er beim 1. FC Union aufstieg

Bevor Wohlgemuth in Kiel Sportdirektor wurde und später nach Paderborn ging, heuerte er als Chefscout beim Hamburger SV und beim VfL Wolfsburg, ehe er dann bei den Niedersachsen sogar zum Chef der Nachwuchsabteilung (2011 bis 2018) avancierte. In Paderborn arbeitete er ja auch ein Jahr mit Steffen Baumgart zusammen. Zwei Eiserne unter sich.

Erfahrungen, die ihm nun weiterhelfen werden. Auch ein Oliver Ruhnert arbeitete sich in seinen Schalker Tagen aus dieser wichtigen Funktion im zweiten Glied eines Profiklubs nach ganz oben empor.

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