David Bergner trainierte bis September den Chemnitzer FC. imago-images

An schwierigsten Aufgaben wächst der Mensch am meisten, heißt es. Zumindest kann er viel daraus lernen. Oder über sich hinauswachsen. Na ja, manchmal kann er daran auch zerbrechen. Alle diese Möglichkeiten hat es für David Bergner (46) als Trainer von Fußball-Drittligist Chemnitzer FC gegeben. Am ehesten schien ein Scheitern. Am Ende aber hat der Coach Charakter gezeigt, er hat Zivilcourage bewiesen und er sieht mit erhobenem Kopf in die Zukunft.

Es war von Anfang an so etwas wie eine „Mission impossible“, eine unerfüllbare Mission. Als David Bergner vor etwas über zwei Jahren bei den Himmelblauen in Chemnitz anheuerte, stand der Abstieg des Traditionsvereins (1967 als FC Karl-Marx-Stadt DDR-Meister, Trainer-Guru Hans Meyer führte die Sachsen 1991 in die 2. Bundesliga) in die Regionalliga so gut wie fest. Daran, dass es tatsächlich so gekommen ist, traf Bergner die wenigste Schuld, der Klassenerhalt wäre einem Wunder gleichgekommen. An Aufgeben dachte Bergner jedoch nie, auch als der Verein Insolvenz anmelden musste. Der einstige Abwehrmann des 1. FC Union Berlin schaltete auf Angriffsmodus und führte die Chemnitzer in der Regionalliga zu einem Startrekord von 15 Siegen am Stück.

Danach war die prompte Rückkehr in die dritthöchste Spielklasse zwar weiterhin kein Kinderspiel, am Ende aber gelang sie souverän. Dabei hatten dem arg gebeutelten Verein das die wenigsten zugetraut. Zu viert, neben Insolvenzverwalter Klaus Siemon und Bergner waren das mit Geschäftsführer Thomas Sobotzik und Co-Trainer Sreto Ristic zwei weitere ehemalige Spieler der Eisernen, zogen sie die Karre aus dem Dreck. „Wir haben den Verein übernommen, als er klinisch tot war“, sagt Bergner, „wir sind danach mit einer völlig neuen Mannschaft trotzdem in die Dritte Liga aufgestiegen. Dabei war uns klar, dass man Zeit benötigt, um dort anzukommen. Alle Spieler hatten zu Saisonbeginn in dieser Liga vielleicht 30 oder 40 Spiele bestritten, aber in der Summe, alle zusammen.“

Das Komplizierte an Bergners Job aber war nicht die Jagd nach Toren und Punkten, sondern eine durch und durch diffizile Gemengelage mit noch ganz anderen und unangenehmeren Baustellen als allein der sportlichen. Anfeindungen gegen den Trainer hinterließen ihre Spuren.

Kündigung nach Hooligan-Zoff

Für die dicksten Schlagzeilen sogar bundesweit sorgten die um Hooligans, Neonazis und um eine undurchschaubare Rolle des damaligen Kapitäns Daniel Frahn. „Wenn es dir als Verein schon nicht gar so gut geht“, meint Bergner, „und du dir dann durch das alles, ob durch Dummheit oder Naivität, selbst ein Bein stellst, wird es schlimm.“ Das Ergebnis: Ebenso wie Sobotzik quittierte Bergner seinen Dienst. „Die Gräben waren derart tief, dass ich keine Zukunft mehr gesehen habe“, erinnert er sich.

Das war Anfang September vorigen Jahres, doch erst seit März 2020 ist er auch vertraglich mit dem CFC auseinander. Wichtig dabei war ihm stets, dass er sich im Spiegel anschauen konnte, dass er Charakter und Zivilcourage bewiesen hat. Für Groll findet sich bei Bergner nicht einmal Platz: „Ich bin froh, dass ich den Weg freigemacht habe für einen Trainer, der in diese Situation unbefleckt hinzukommen konnte.“

Das Beste aber ist, dass der Coach den Ärger, den Frust und die Wut und all das, was bei einer derartigen Dramatik an niemandem spurlos vorübergeht, kanalisiert und daraus einen Weg für sich gefunden hat. Als Köpenicker, der in Leipzig seinen neuen Lebensmittelpunkt gefunden hat, hat er das Training von Julian Nagelsmann bei RB beobachtet und sich anderweitig weitergebildet. „Auch bei Uwe Rösler, dem jetzigen Trainer von Fortuna Düsseldorf, habe ich reingerochen, als er noch in Malmö war.“

Ein ganz besonders wohliges Gefühl hat Bergner derweil in der Alten Försterei erlebt, beim 1. FC Union, seinem Heimatverein. „Was ist das nur für eine tolle Geschichte“, sagt er, „sie spielen in Köpenick eine unfassbar tolle Saison. Zum Heimspiel gegen Mönchengladbach war ich da, habe mich über den Sieg gefreut und habe mich extrem wohlgefühlt. Es war beeindruckend und tatsächlich so, als ob ich wieder nach Hause gekommen bin.“