Union-Stürmer Taiwo Awoniyi dürfte trotz seiner aktuellen Torflaute im Sommer heiß begehrt sein. Foto: Imago

Sie hatten rund um die Wuhle bis zuletzt gehofft. Doch nun herrscht Klarheit: Grischa Prömel hat sich für TSG Hoffenheim entschieden. Der Mittelfeldmann ist der vierte Hochkaräter, der den 1. FC Union binnen kürzester Zeit verlässt. Stellt sich die Frage: Droht Union jetzt der Ausverkauf? 

Union und die Gefahr des Erfolgs

Es sind wahrlich prominente Namen und vor allem exzellente Fußballspieler, die in Köpenick nicht nur Spuren, sondern – siehe Max Kruse – auch eine immense Lücke hinterlassen haben.

Im vergangenen Sommer verließen Christopher Lenz (Eintracht Frankfurt) und Robert Andrich (Leverkusen) den 1. FC Union, im Januar folgten Marvin Friedrich (Gladbach) sowie Kruse (Wolfsburg) und nun eben im Sommer Prömel, der nicht zum eisernen Methusalem wird und auf sein Denkmal an der Alten Försterei verzichtet.

Während Andrich, Friedrich und Kruse Union rund 16,5 Mio. Euro bescherten, gingen und gehen Lenz und Prömel ablösefrei. Für die Eisernen und Manager Oliver Ruhnert wird das eigene Credo, keine Spieler allzu langfristig an den Klub zu binden und auch mal Verträge erst im letzten Moment zu verlängern – was nicht nur in Corona-Zeiten wirtschaftlich vernünftig erscheint – zur Gefahr.

Was wird aus Robin Knoche?

„Gute Leistungen wecken Begehrlichkeiten“, hatte Prömel zum Lenz-Abgang selbst festgestellt. Denn die eisernen Kicker haben sich durch den seit vier Jahren andauernden sportlichen Erfolg ins Rampenlicht gespielt. Gleichzeitig können und wollen viele Klubs Spieler mit weitaus besseren Verdienstmöglichkeiten locken.

Fast schon zwangsläufig stellt sich da die Frage: Wer wird der nächste Kruse oder Prömel?

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Zwei Verteidiger im Rampenlicht: Die Zukunft von Robin Knoche (l.) und Timo Baumgartl beim 1. FC Union ist ungewiss.

Fakt ist: Gleich mehrere Verträge laufen aus. Verteidiger Robin Knoche (29), seit seiner ablösefreien Ankunft aus Wolfsburg 2020 unumstrittener Stammspieler, ist mit einem Marktwert von 7,5 Mio. Euro der wertvollste eiserne Profi, dessen Zukunft im Sommer offen ist. Ein Abgang zum Nulltarif wäre sicherlich schmerzhaft.

Das gleiche gilt für den immer besser werdenden Linksverteidiger Bastian Oczipka (33), die Stürmer Anthony Ujah (31) und Suleiman Abdullahi (25), die beide sportlich keine große Rolle spielen, und Stammtorwart Andreas Luthe, der allerdings bereits signalisiert hat, seinen auslaufenden Vertrag verlängern zu wollen. Bei Kapitän Christopher Trimmel, der am Donnerstag seinen 35. Geburtstag feiert, wird man sehen, ob es den Österreicher zum Ende seiner Karriere in die Heimat zieht.

Awoniyi könnte Union Millionen bringen

Ein Sonderfall ist Timo Baumgartl (25). Der Innenverteidiger wurde vergangenen Sommer nur von der PSV Eindhoven geliehen, eine Kaufoption soll nicht bestehen. Der Preis wird hoch sein, nicht nur weil Baumgartl unter Trainer Urs Fischer überzeugt, sondern auch, weil die Niederländer einst zehn Millionen für Baumgartl auf den Tisch des VfB Stuttgart legten.

Richtig klingeln könnte es aber auch in der eigenen Kasse, sollte ein Klub aus der Premier League beim Taiwo Awoniyi (24) vorstellig werden. Der Nigerianer ist Unions wertvollster Profi (Marktwert: 15 Mio.) und hat noch einen längeren Vertrag, wartet aber nun auch bereits seit sechs Spielen auf sein zehntes Saisontor.

Union-Manager Ruhnert beweist Ruhe

Ob auf der Einnahmen- oder Ausgabeseite: Union droht wohl erneut ein mächtiger Umbruch im Sommer. Grund zu größerer Sorge herrscht aber nicht. Ruhnert, der sicher für das vierte Bundesliga-Jahr in Folge planen kann und stets im Frühjahr die Vertragsverhandlungen aufnimmt, bewies die vergangenen Jahren, mit welcher Ruhe und Cleverness er auf Einkaufstour geht.

Und: Die Eisernen nahmen zuletzt auch viel Geld ein, sodass man selbst Awoniyi in Corona-Zeiten halten könnte. Im Poker auf dem Transfermarkt hilft sicherlich auch, dass Union durch den sportlichen Erfolg im kommenden Jahr aus dem TV-Topf satte 12 Millionen Euro mehr winken. 

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