Beim Training des 1. FC Union tummeln sich viele Neue: Rick van Drongelen, Rani Khedira, Andreas Voglsammer (v. l.). Leon Dajaku war schon vergangene Saison in Köpenick. imago/Matthias Koch

Eines muss man den Verantwortlichen des 1.FC Union lassen: Wieder einmal ist es ihnen gelungen, frühzeitig einen Kader zusammenzubasteln, mit dem Trainer Urs Fischer (55) in Ruhe arbeiten kann. Elf Neuzugängen sprechen da eine deutliche Sprache.

Was sich dabei herauskristallisiert, ist eine gewisse Strategie. Union beschäftigt sich auch mangels großer Kohle mit Kickern, die anderswo unter dem Radar durchfliegen. Fantasie, sagte Manager Oliver Ruhnert (49) vor einem Jahr bei der Verpflichtung von Cedric Teuchert (24), müsse man einfach haben. Also etwas sehen, was möglich sein kann, auch wenn man die Gewissheit dafür nicht hat. In diesem Spieljahr versucht Union das zudem ohne allzu viele Leihgeschäfte.

Jede Menge Erfahrung für die Eisernen

Robert Andrich (26) und Marius Bülter (28) waren solche Kicker, die sich auch in der Zweiten Liga nur kurzfristig Meriten erworben hatten, denen man aber mehr zutrauen konnte. Kevin Behrens (30), Andreas Voglsammer (29) und Paul Jaeckel (22) fallen in dieses Segment. Spieler wie sie wären auch bei einem Abstieg wichtige Bausteine, um in der Zweiten Liga sofort wieder durchstarten zu können.

Der zweite Baustein ist die Kategorie Erfahrung. Das trifft auf die Herren Levin Öztunali (25), Rani Khedira (27) und Genki Haraguchi (30) zu. Bis auf den Japaner alle im besten Fußballeralter. Ähnlich kann man auch bei Pawel Wszolek (29) argumentieren. Der spielte zwar noch nie in Deutschland, bringt aber Auslandserfahrung aus England und Italien mit. Die alle ablösefrei zu bekommen, muss man erst einmal hinkriegen.

Kommt noch ein Knall-Effekt?

Rick van Drongelen (22) – 500.000 Euro Ablöse – und Timo Baumgartl (25) gehören eher in die Kategorie Zwischending. Für den Niederländer ist die Bundesliga trotz seiner Jugend kein Neuland. Bei Eindhoven-Leihgabe Baumgartl gibt es die nicht unbegründete Hoffnung, dass er wieder zu der Klasse zurückfinden kann, die die PSV dereinst zehn Millionen Euro nach Stuttgart überweisen ließ.

Gute Arbeit, zweifelsohne. Und doch sucht man unterbewusst ein wenig nach dem sogenannten Königstransfer. Es fehlt an dem gewissen Knall-Effekt, mit dem Union in den letzten Jahren Spielzeit für Spielzeit aufhorchen ließ. Im Aufstiegsjahr 2018/19 war das Sebastian Anderson (29). Im ersten Bundesligajahr brachte Neven Subotic (32) eine gewisse Strahlkraft mit, auch wenn die sich nicht die ganze Spielzeit über hielt. Auch Christian Gentner (35) könnte erwähnt werden. Und in der Vorsaison ließ Union mit der Verpflichtung von Max Kruse (33) aufhorchen.

Alle bisherigen Saison-Zugänge sind sicher sehr solide, aber bei keinem wird einer sagen: „Ach, schau an, so was geht?“ Fehlt Union also noch ein Toptransfer?

Oder ist der Königstransfer vielleicht schon gelungen in Form von Tymoteusz Puchacz (22)? 3,5 Millionen haben die Köpenicker in den Polen investiert und ihn nicht umsonst mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet. Seine Leistung zuletzt bei der EM in der Nationalelf deuteten darauf hin, dass der Linksverteidiger sich im Nachgang einen Namen machen könnte.