Auf dem Ansetzungsplakat zum Heimspiel gegen den FC Bayern spielt Max Kruse noch eine wichtige Rolle.  Foto: Matthias Koch

Es braust ein Ruf wie Donnerhall: die Bayern kommen (18.30 Uhr/Alte Försterei). Ein Spiel, auf das sich auch Max Kruse bestimmt gefreut hätte. Doch der liegt ja bekanntlich auf Eis und kann nicht mitwirken. Dennoch meldet er sich dieser Tage noch einmal via Instagram zu Wort und verkündet dort einen temporären Stillstand seiner Internet-Aktivitäten: „Ich werde in den nächsten Tagen sehr, sehr wenig Social-Media machen und mich komplett auf die Reha fokussieren. Ein bisschen abschalten. Vielleicht das eine oder andere Foto posten. Aber grundsätzlich wird es die nächsten 10 Tage sehr, sehr still um mich“, kündigte der 32-Jährige an. 

Kein Kruse im Netz, kein Kruse auf dem Feld. Dort müssen Christopher Trimmel, Marvin Friedrich & Co. den Unterschiedsspieler im Kollektiv ersetzen. Natürlich ist der 1.FC Union nicht der 1. FC Kruse. Aber dennoch: Lasst uns wie Heinz Florian Oertel, der am Freitag sein 93. Wiegenfest feiern konnte, ausrufen: Urs, hab Mut! Nenn deine Spieler Kruse! Es gilt - frei nach der alten Rias-Sportreporterlegende und Buchautor Sammy Drechsel - das Motto:  Elf Kruses müsst ihr sein!

Das fängt schon hinten an. Andreas Luthe ist genau wie Kruse kein Laufwunder. Aber wie der 32-Jährige besticht Unions Torsteher mit Übersicht und Coolness in seinem Revier. In der Abwehr bedarf es der Abgezocktheit des gebürtigen Reinbekers, um Robert Lewandowski & Co. in Schach zu halten. 

Es setzt sich fort auf dem Feld, wo in den Reihen davor alle den Regieanweisungen von Kruse nacheifern müssen. Mit anderen Worten, man muss so sehr miteinander und vor allem lautstark kommunizieren, dass Bayerns Thomas „Radio“ Müller übertönt wird. 

Das Mittelfeld muss genauso umtriebig sein wie Unions Starkicker. Ein Marcus Ingvartsen soll Kruse laut Trainer Urs Fischer nicht kopieren, sondern sein eigenes Ding machen. Aber im Derby zeigte er schon mal Qualitäten als Vorlagengeber, und in Sachen Torausbeute könnte er auch mal ein bisschen Jagd auf Kruse machen. Der hat ja schon sechs Buden, der Däne bislang nur eine. 

Kruse will Wahl gewinnen

Auf den Flügeln muss Marius Bülter wie Kruse Schlitzohrigkeit an den Tag legen. Dass er das kann, davon können Borussia Dortmund oder Gladbach seit der Vorsaison ein Lied singen. Und ein Sheraldo Becker muss wie Kruse  umherflitzen. Obwohl, halt, Moment. Vielleicht doch lieber nicht. Becker bleibt lieber Becker und versucht mit seiner enormen Geschwindigkeit Alphonso Davies oder Lucas Hernandez zu überrennen. 

Übrigens ganz an seine selbstverordnete Funkstille hielt sich Kruse dann doch nicht. Spätabends gab es am Donnerstag doch noch ein „kleines Update“. Kruse fordert die Fans dazu auf, ihm mitzuteilen, wie er bei der Wahl zum Spieler des Monats November, in dem er fünf Tore und vier Assists für sich verbuchte, bei EA Sports - Hersteller von FIFA 21 - abgeschnitten hat. Könnte man auch selbst herausfinden. Spielend. Kruses Stärken liegen eindeutig in seinen Füßen oder sind an der Konsole zu finden, googeln gehört wohl eher nicht dazu.