Union-Kapitän Christopher Trimmel bekam es in der Vorsaison mit dem mittlerweile abgewanderten Achraf Hakimi zu tun. imago-images/MIS

Schweizer halten zusammen! So war es auch kein Wunder, dass Unions Trainer Urs Fischer vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund ein gewisses Unverständnis für die Entlassung von Landsmann und Ex-BVB-Trainer Lucien Favre zu Protokoll gab: „Er hat sehr viel Kritik einstecken müssen. Für mich zum Teil absurd. Da fragst du dich als Trainerkollege, was willst du machen?“

Zwar war Fischers Landsmann statistisch gesehen der beste Dortmunder Trainer der Vereinshistorie, doch gleichsam gelang es dem analytisch-verschlossenen Übungsleiter, der zwischen 2007 und 2009 auch für Hertha BSC an der Seitenlinie agierte, nie, dem überaus talentierten Team um Stürmerstar Erling Haaland, Jadon Sancho sowie den deutschen Nationalspielern Mats Hummels, Julian Brandt und Marco Reus die gewisse Lockerheit zu geben, mit Selbstbewusstsein den eigenen Matchplan zu verfolgen. Oft wirkte die Borussia gehemmt, verunsichert, mut- und zuletzt aufgrund des umfangreichen Terminplans verständlicherweise auch kraftlos.

Breite Brust bei Union

Ganz anders die Eisernen. Denn nicht wenige mutmaßten nach den Ausfällen von Spielmacher Max Kruse und Antreiber Robert Andrich einen massiven Leistungseinbruch. Doch Urs Fischer gelang es, das Team zu straffen und den Köpenickern eine breite Brust zu verleihen. Obwohl sie als Underdog ins Spiel gegen Dortmund gehen, sind die Eisernen doch weitaus cooler als der BVB. Wie Fischer das gemacht hat? „Das hat nichts mit einem Geheimnis zu tun, es geht um Organisation“ erklärte der Schweizer und bekräftigte, dass die ohnehin in jedem Training manifestiert werde. „An diesem Gerüst können sich die anderen Jungs genau so orientieren.“ 

Es ist diese Selbstverständlichkeit, die auch Borussia Dortmund sucht. Der Klub ist schon lange nicht mehr so richtig zur Ruhe gekommen. Ging es bergauf, träumten viele gleich wieder von den glorreichen Zeiten unter Jürgen Klopp, als der BVB zweimal Meister wurde und das Champions-League-Finale erreichte. Ging es bergab, suchte man den Schuldigen und fand ihn meist in Favre. Nun ist der Schweizer weg und die Borussen können, trotz Favoritenrolle an der Alten Försterei, so einiges von den Eisernen lernen. Das sieht auch Neu-Trainer Edin Terzic so und schickt viel Lob nach Köpenick: „Normalerweise ist ja das zweite Jahr in der Bundesliga schwerer als das erste. Aber sie lassen sich das gar nicht anmerken und sind sehr stabil und mutig.“ Er erinnert auch an das 3:1 der Eisernen in der Vorsaison: „Da hat man gesehen, was für Energie in diesem Verein steckt.“

Energie, die Dortmund erst wieder finden muss. Und die ihnen die Eisernen am Freitag keinesfalls kampflos überlassen werden.