Gegen Düsseldorf soll der Ball wieder Robert Andrichs Freund sein. In Hoffenheim hatte das Spiel der Köpenicker so seine Tücken. Aber keiner will sich nachsagen lassen, im Abstiegskampf sich unfair verhalten zu haben, nur weil es selber für einen um nichts mehr geht.  
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„Ihr Völker dieser Welt, schaut auf diese Stadt.“ Ganz so tragend wie West-Berlins legendärer Oberbürgermeister Ernst Reuter muss man das Kommende nicht ansiedeln. Aber mindestens die Bundesliga wird am Sonnabend genau hinschauen, wie sich der 1.FC Union gegen Düsseldorf am letzten Spieltag der Saison 19/20 in der Alten Försterei (15.30 Uhr) präsentiert.

So wie in Hoffenheim hoffentlich nicht, als der Spannungsverlust nach geschaffter Rettung beim 0:4 zu einem gebrauchten Tag geführt hatte. Diesmal geht es um mehr als nur um Punkte für Union, denn die Eisernen sind das Zünglein an der Waage im Abstiegskrimi zwischen der Fortuna und Werder Bremen.

Es ist also so etwas wie eine Frage der Ehre. Füße hochlegen? Die Saison austrudeln lassen. Nicht die feine englische Art. Die Köpenicker würden einiges von ihrer in dieser Saison ligaweit erworbenen Reputation einbüßen, wenn man diesen Eindruck in sechs Tagen gewinnen würde.

Bremen wird auf uns hoffen. Das ist uns schon bewusst.

Unions Mittelfeldspieler Robert Andrich

„Wir haben die Ergebnisse der anderen ja auch mitbekommen. Bremen wird schon auf uns hoffen. Das muss uns auch bewusst sein. Daher werden wir versuchen, den Fokus, so gut es geht, auf das Spiel zu bekommen und zu Hause die Punkte dazubehalten“, meinte Robert Andrich.

Die Fortuna ist so etwas wie der treueste Wegbegleiter der Köpenicker in diesem Jahrtausend. Gegen kein anderes Team traten die Eisernen häufiger an.  In den bislang 27 Duellen quer durch alle Ligen (Regionalliga, 3. Liga, 2.Liga, Bundesliga) steht es derzeit unentschieden. Je elfmal stehen Siege und Niederlagen zu Buche, dazu kommen fünf Remis. Wenn Union Düsseldorf in einem letzten Kraftakt putzt, dann können keine Vorwürfe aus Bremen kommen. Die müssten halt selber ihrer Hausaufgaben gegen Köln erledigen.

Für die Fernsehgeldtabelle ist es im Übrigen unerheblich, ob die Rheinländer drinbleiben oder die Jungs von der Weser. Beide liegen der Fünfjahres-Wertung deutlich vor Union.

Unter normalen Umständen würde diese Frage, also ob Union womöglich die Hufe hochnimmt, wahrscheinlich nicht mal aufkommen. An einem letzten Spieltag zu Hause verliert kein Team gerne vor seinen Fans. Man würde sich ja so mit einem schlechten Gefühl in die Sommerpause verabschieden und auf der obligatorischen Saisonausklang-Party sich sicherlich ein, zwei Takte von der Anhängerschaft anhören müssen. Allein um sich so etwas zu ersparen, würde sicherlich noch mal alles aus sich herausgeholt, was noch drin ist. Nun ist das aber das hoffentlich letzte Geisterspiel des Jahres.

Realistisch betrachtet wären die Eisernen natürlich nicht so etwas wie Werders Königsmörder, wenn sie gegen Düsseldorf nicht gewinnen. Da müssen sich die Hanseaten schon an die eigene Nase fassen. Wenn man eine Tabelle der Teams von Rang 12 bis 18 nur untereinander erstellen würde, sind die Hanseaten da mit zwölf Zählern eben nur Vorletzter. Mit anderen Worten ein Abstieg wäre nicht unverdient, weil man gegen die direkten Konkurrenten kaum gepunktet hat. Union führt dieses Ranking übrigens mit 21 Zählern an. Aber ein schaler Nachgeschmack würde trotzdem bleiben ...