Mutmaßliche Fans von Rotterdam bemalten in der Nacht zu Mittwoch Bilder auf der denkmalgeschützten East Side Gallery mit dem Schriftzug Feyenoord. imago/Matthias Koch

Für Sheraldo Becker ist der Auftritt der Eisernen gegen Feyenoord Rotterdam (21 Uhr, Stream auf TVnow) ein Spiel wie jedes andere. Obwohl der Nationalspieler des Suriname eine Vergangenheit bei Ajax Amsterdam hat. Aber Folklore oder Rivalität sind nicht sein Ding. „Das ist was für Fans“, erklärte der 26-Jährige vor der mit Spannung erwarteten Partie der Köpenicker gegen den niederländischen Erstligisten.

Für die Fans hat das Geplänkel schon begonnen. Am Mittwoch wurde auf der denkmalgeschützten East Side Gallery ein Gemälde überpinselt und auf 18 Meter Länge und zwei Meter hoch mit dem Schriftzug Feyenoord beschmiert. Der Spuk hielt nicht lange, dann war das Ganze mit weißer Farbe übertüncht und „Ultras Union!“  beschriftet. Das war es noch nicht: Der Ultra-Schriftzug wurde mit einem„ Hertha BSC“-Graffito übermalt.

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Union-Ultras kontern Feyenoord-Fans

Ein Wachmann hatte um 1.45 Uhr vermummte Männer bei den Schmierereien beobachtet. Alarmierte Polizisten nahmen kurz darauf zwei niederländische Verdächtige fest, die versucht hatten, sich zu verstecken. An ihren Händen klebte Farbe, sie hatten Sprühdosen dabei. Sie sind wieder auf freiem Fuß.

Die Stiftung Berliner Mauer verurteilt die  Beschmierungen, der unter anderem das Bild „Der müde Tod“ der Künstler Ralf Jesse und Hans-Peter Dürhager zum Opfer fiel. Die Stiftung wird strafrechtliche Schritte einleiten, weil es sich um Sachbeschädigung eines eingetragenen Denkmals handelt.

Der Direktor der Stiftung, Prof. Dr. Axel Klausmeier: „Wir erwarten, dass der Fußballverein Verantwortung für seine Fans übernimmt und die Reinigungskosten für den Schaden trägt. Die East Side Gallery ist aufgrund ihrer historischen Bedeutung ein eingetragenes Denkmal. Sie ist eines der international bekanntesten Denkmale dieser Stadt und verdient denselben Respekt wie etwa das Brandenburger Tor und die Deutsche Oper. Es ist überaus ärgerlich, dass wir als für den Ort verantwortliche Institution uns zum wiederholten Male mit der Säuberung und Instandhaltung der East Side Gallery beschäftigen müssen.“ Das werde viel Geld kosten.

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Bauzäune im Olympiapark sperren die Wege ab, auf denen die Feyenoord-Fans hintenrum zu ihren Blöcken geleitet werden. Wolfgang Heise

Nach den Vorfällen beim Hinspiel mit dem Angriff auf eine Union-Delegation und wild um sich prügelnden niederländischen Polizisten stehen die Zeichen schon wieder auf Sturm. Union setzt für den Kick mit maximal 30.000 zugelassenen Zuschauern auf rund 800 Ordner. Selbst bei einem ausverkauften Haus wären für gewöhnlich nur rund 400 Ordner im Einsatz.

Polizei setzt strikt auf Fantrennung

Der Grund: Bis zu 8000 der berüchtigten Anhänger aus der Hafenstadt werden in der Hauptstadt erwartet. Nur 5200 von ihnen bekommen Zugang zum Spiel. Die Polizei setzt auf Fantrennung. Feyenoords Fans sollen per U-Bahn zum Stadion kommen. Vor dort aus werden sie hintenrum über den Olympiapark zum Gästeblock geleitet. Damit sich die hässlichen Bilder aus Rotterdam nicht wiederholen, wurden bereits auf dem Hertha-Gelände Bauzäune aufgestellt. Für Unioner wird die Anreise mit der S-Bahn und der Zugang über das Südtor empfohlen.

In niederländischen Fußball-Foren kursieren Sticker mit der Aufschrift „Invasion of Berlin“. Einschlägige Kreise wissen übrigens über einige Ajax-Anhänger, die nach ihrem Spiel am Mittwoch in Dortmund einen Abstecher nach Berlin machen wollen. Und egal wie klein diese Gruppe sein mag, zum Bewundern der Gedächtniskirche kommen sie bestimmt nicht. Was zusätzlich Pfeffer in die noch nicht vernarbten Wunden aus dem Hinspiel streuen würde.

„Uns ist der Umstand bekannt, welche Fans mitreisen und welche Fans zu erwarten sind. Wir sind gut aufgestellt“, hieß es am Mittwoch von der Berliner Polizei. Aus strategischen Gründen wurden noch keine Details des Einsatzkonzepts wie die Anzahl der Beamten mitgeteilt.

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