Dortmunds Marco Reus stochert die Kugel rein zum 1:0. 

Foto: Matthias Koch 

Es war erwartbar. Doch wer den Kick gesehen hat, der weiß, dass das nicht ganz stimmt. Denn der 1. FC Union hatte Borussia Dortmund in die Ecke gedrängt und hing doch am Ende selber in den Seilen. Mit 0:2 (0:1) unterlagen die Eisernen beim BVB. Und hatten einen anderen Sündenbock gefunden. 

Eines ist schon mal sicher nach diesem Kick: Ein Hit wird Schlager bei den Union-Fans mit Sicherheit nicht mehr. Der Unparteiische, der auf den bürgerlichen Vornamen Daniel hört, lenkte eine höchst unterhaltsame Partie nach 26 Minuten in Bahnen, die als normal angesehen werden müssen. Und lag dabei auch noch falsch.  

Reus schwalbt munter herum 

Denn die Eisern hatten sich bis dahin überraschend mutig und offensiv präsentiert beim großen BVB. Schon nach 12 Sekunden ließ Marcus Ingvartsen nach einem Fehler von Emre Can die Latte erzittern. In der Folge beschäftigten sie die Hausherren mit starkem Pressing, dass sie bisweilen sogar am Sechzehner der Borussia begannen. Nur mühsam fassten die Dortmunder Tritt in der Partie, ohne aber dem Kick wirklich ihren Stempel aufdrücken zu können. Nur gelegentlich traten Marco Reus und Erling Haaland in Erscheinung. Und wenn war Andreas Luthe zur Stelle. 

Dann kam die 26. Minute. Und ja, ein Abwehrfehler ermöglichte es Reus, alleine in den Strafraum durchzubrechen. Andreas Luthe machte sich lang, Reus ein langes Bein. Schon vor der Berührung hob der Borussen-Kapitän ab, suchte die Berührung mit Unions Torsteher und legte eine Rolle hin, die einem Judo-Lehrer helle Freude gemacht hätte. Was den eingangs erwähnten Schlager auf den Punkt zeigen ließ. „Flieger, grüß mir die Sonne“. Der Extrabreit-Song, einst von Hans Albers berühmt gemacht, war ein Schlager, Schlagers Entscheidung nicht. „Wenn man das so sieht, muss man ganz klar sagen: Reus hebt ab. Das kann der Keller korrigieren“, so Unions Manager Oliver Ruhnert. 

Wenn schon Drama, dann richtig. Luthe hielt Haalands ersten Versuch, er blockte auch dessen Nachschuss ab, aber Reus war zur Stelle und stocherte den Ball über die Line zum 1:0 (27.). Bitter. Und wo ist eigentlich dieser VAR, wenn man ihn mal braucht? VARreist, oder was? Ruhnert brach immerhin noch eine Lanze für den Schiri, wies daraufhin, dass es aus dessen Blickwinkel und in dem Tempo schwierig gewesen sei, da eine Entscheidung zu treffen. „Das war zu wenig“, monierte Luthe hinterher. Reus schwieg lieber. 

Reus bleibt hinterher stumm

Wenn man etwas Positives aus der ersten Hälfte ziehen will, dann die Tatsache, dass Union sich nicht geschockt zeigte und die Borussen in der Folge nicht in einen Flow kommen ließen.

Dass Union nicht aufstecken würde, war klar. Dass es aber, um das Blatt zu wenden, nun den von Urs Fischer so oft beschworenen „perfekten Tag“ benötigt hätte, aber auch. Der Tag war gut, aber eben nicht mehr als das. Sonst wäre Max Kruses wunderbarer Freistoß nicht am Pfosten gelandet (66.). Oder Marvin Hitz hätte seine Finger nicht mehr dran gehabt. Oder Robert Andrich hätte den Fehlpass nicht gemacht, an dessen Ende Raphael Guerreiro das 2:0 (88.) erzielte. 

Hat halt nicht sollen sein. Obwohl es drin gewesen wäre.