Unions Präsident Dirk Zingler glaubt, dass Union die wirtschaftliche Last schultern kann. Zumindest bis zum Sommer.  Foto: Andreas Gora/dpa

Berlin - Es sind keine einfachen Tage dieser Zeit. Für die Menschen im Allgemeinen. Für Fußball-Fans zudem. Alle treibt die Sorge, wie es weitergeht. Gesundheitlich und  sportlich. Unions Vereins-Ikone Torsten Mattuschka (39) reiht sich da nahtlos mit ein, hat in der Corona-Krise Angst um seinen Herzensklub.

Sollte die derzeit unterbrochene Saison im Mai oder Juni nicht fortgesetzt werden können, fürchte der heutige Co-Trainer von Regionalligist VSG Altglienicke um die Existenz der Köpenicker. „Da wäre Union mit Sicherheit nicht der einzige Verein, den es treffen würde. Aber aus der Bundesliga mit der erste wäre Union“, glaubt der Ex-Kapitän der Eisernen.

Vielleicht sollte man dieser Tage auch ein bisschen Angst um Mattuschka haben. Denn so umtriebig wie er sich bei zahlreichen Hilfsaktionen im Internet präsentiert und da wie dort immer noch für Selfies posiert, scheint für ihn das Wort Mindestabstand dem Fremdwortlexikon entsprungen. Da beschleichen einen schon manchmal leicht mulmige Gefühle.  

Zumindest was einen drohenden Kollaps seiner Eisernen angeht, bekommt er von oberster Stelle nun ein paar beruhigende Worte. Klub-Boss Dirk Zingler sieht die Köpenicker – Stand jetzt! – gewappnet für die Krise. „Wir haben uns  in den letzten Jahren eine Stabilität erarbeitet“, sagt Zingler und ergänzt: „Wir haben alle notwendigen Maßnahmen eingeleitet, alle im Verein verhalten sich unheimlich solidarisch.“

Viele Angestellte haben die Kurzarbeit klaglos akzeptiert. Auch innerlich. Der Gehaltsverzicht des Teams entlastet den Klub in jedem Monat, in dem nicht gespielt wird, um eine Summe zwischen 350.000 bis 500.000 Euro. Sollten alle 11.500 Dauerkartenbesitzer dem Aufruf folgen und auf eine Erstattung der im Voraus geleisteten Zahlung für die fünf noch ausstehenden Heimspiele verzichten, wären das auch noch einmal rund 700.000 Euro. Und falls die Köpenicker virtuelle Tickets für Geisterspiele anbieten sollten, kann man wohl noch einmal von einer Summe in der gleichen Größenordnung ausgehen.

Hilft natürlich. Und daher ist Zingler davon überzeugt, dass der 1.FC Union „stabil durch die Situation kommt“. Zumindest vorerst. „Das einzige Risiko ist sicherlich, dass wir nicht wissen, wie lange es dauert. Wir haben ein Szenario entwickelt bis zum Sommer. Wenn es darüber hinaus geht, werden wir neu überlegen müssen“, sagte der 55-Jährige.

In einem Punkt stellt er sich im Übrigen fast gegen die Branche, fordert nicht die schnellstmögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebes und warnt sogar vor einem verfrühten Neustart der Liga. Zingler: „Wenn wir uns abkoppeln von der gesellschaftlichen Wahrnehmung, tun wir uns keinen Gefallen. Wir sollten einen Termin finden, der eine gesellschaftliche Akzeptanz hat. Die Kinder sollten erst zur Schule. Und vielleicht sollte auch die kleine Kneipe mit 20 Plätzen erst wieder aufhaben, bevor wir Fußball spielen.“

Nach Ostern soll von der DFL entschieden werden, wie es weitergeht. Als Termin der größten Hoffnung gilt im Moment der 9. Mai. Sollte das klappen, stellt Zingler noch mal unmissverständlich klar, dass „wir Fußball brauchen, auch leider Geisterspiele“. Das ist mittlerweile aber wohl auch dem letzten bewusst.