Nicht nur weil Max Kruse das letzte Tor des Jahres für den 1. FC Union schoss, erfreut man sich in Köpenick an dem exzentrischen Fußballstar.  imago/Norbert Schmidt

Manchmal bedarf es der besonderen Momente, manchmal der besonderen Personen und manchmal sogar beides. Davon hatten sie beim 1. FC Union zwar meist genug, aber längst nicht immer auf dem Niveau, wo auch andere gern hingeschaut und mit der Zunge geschnalzt hätten. Das ist seit zweieinhalb Jahren anders, weil sich in der Alten Försterei etwas hoffentlich dauerhaft verändert hat: Die Eisernen mischen mit im Konzert der Großen, im Land eines viermaligen Welt- und dreimaligen Europameisters und in einer Liga, in der mit Manuel Neuer, Thomas Müller, Mats Hummels, Matthias Ginter und Christoph Kramer noch immer fünf Weltmeister von 2014 und mit den Franzosen Lucas Hernandez, Corentin Tolisso und Benjamin Pavard drei von 2018 kicken.

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An Nationalspielern, allein das ist eine durch und durch neue Qualität, mangelt es auch den Rot-Weißen nicht. Zusammen gehören Christopher Trimmel und Julian Ryerson, Genki Haraguchi und Keita Endo, Tymoteusz Puchacz und Pawel Wszolek, Frederik Rönnow und Anthony Ujah, Taiwo Awoniyi und Sheraldo Becker mit insgesamt 124 Länderspielen in den „Klub der Hunderter“.

Dabei haben die beiden Polen Puchacz und Wszolek und der dänische Keeper Rönnow für die Eisernen um Punkte noch keine Minute auf dem Platz gestanden, Ujah seit anderthalb Jahren nicht, und Awoniyi sowie Becker sind für Nigeria bzw. Suriname erst als Unioner Nationalspieler geworden mit gerade einer Kappe.

Max Kruse ist das Sahnehäubchen

Da fehlt einer, völlig klar: Max Kruse. Was haben manche geunkt, als er, dem sie nachsagten, selbst dort in Fettnäpfchen zu treten, wo nicht einmal welche sind, im Sommer 2020 kam. Gerade hatten die Männer aus der Wuhlheide aus einem Jahr Urlaub in der Bundesliga, so der locker-flockig dahingesagte Plan nach dem Aufstieg, mindestens ein zweites gemacht, da schlägt einer auf, vor dem einige warnten, er könne den einen oder anderen üblen Fleck auf das strahlend schöne rot-weiße Gebilde klecksen.

Was aber ist 51 Punkt-, vier Pokal- und acht Spiele in Europa später? Erst einmal ist Kruse mit seinen 14 Länderspielen nach Christian Gentner und Jörg Heinrich – der aber in einer Zeit, als die Gegner in der Oberliga Nordost Motor Eberswalde, Falkensee-Finkenkrug, Ludwigsfelder FC und Anker Wismar hießen – der dritte A-Nationalspieler des DFB in Diensten der Rot-Weißen.

Denn Marko Rehmer und Robert Huth sind es erst nach ihrer Eisern-Zeit geworden. Zugleich ist er derjenige, der, sollte er irgendwann seine Stiefel an den Nagel hängen (mit bald 34 könnten solche Gedanken kommen), vielleicht die größten Fußstapfen hinterlässt.

Allein das zu Ende gehende Kalenderjahr zeigt auf fast magische Weise Kruses Rolle als Sahnehäubchen auf dem ohnehin stabilen Gebilde 1. FC Union.

Er hat, kaum dass er Ende Februar nach knapp dreimonatiger Verletzungspause nach einem Muskelbündelriss wieder spielte, gleich das erste Tor erzielt – es war ein Elfmeter beim 1:1 gegen Hoffenheim. Der letzte Torschütze in der vorigen Saison, ein Kopfball zum 2:1 gegen RB Leipzig: Kruse!

Der erste Torschütze dieser Saison, beim 1:0 im Pokal bei Türkgücü München eine Woche vor dem Start in die Bundesliga: Kruse. Der letzte Torschütze dieses Jahres beim 1:0 in Bochum: Kruse. Hätte nur noch gefehlt, dass Unions vorerst letztes Tor in Europa, das beim 1:1 gegen Slavia Prag, zum Weiterkommen gereicht hätte. Der Torschütze? Klare Sache, oder?

Unions kurze Pause ist ein Geschenk

Mit zum Schönsten gehört, dass niemand die Dreifachbelastung als hemmend empfand oder sie gar als Ausrede herhalten sollte. Der Tanz auf drei Hochzeiten hat eher für zusätzliche Unterhaltung gesorgt und er hat vor allem Spaß gemacht.

So gesehen ist es fast ein Segen – wer will, kann das als Weihnachtsgeschenk nehmen –, dass in 17 Tagen, am 8. Januar, schon wieder gespielt wird.

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