Und die Kugel geht nicht rein! Jordan Siebatcheu, Stürmer des 1. FC Union, verschießt gegen die TSG Hoffenheim einen Elfmeter.
Und die Kugel geht nicht rein! Jordan Siebatcheu, Stürmer des 1. FC Union, verschießt gegen die TSG Hoffenheim einen Elfmeter. Imago/Oliver Behrendt

„Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ ist ein Klassiker der Weltliteratur von Peter Handke. Beim 1. FC Union laufen sie derzeit auch die Gefahr, einen Klassiker zu inszenieren. „Die Angst des Schützen beim Elfmeter“ müsste er aus eiserner Sicht aber heißen. Fünf Elfmeter bekam Union in der Bundesliga-Saison zugesprochen, nur einer landete im Tor. Beim 3:1 (0:1) gegen die TSG Hoffenheim wurde Jordan Siebatcheu ungewollt erneut zum Protagonisten in dieser modernen Tragödie, als er in der ersten Halbzeit einen Strafstoß an den Pfosten zirkelte.

Es ist schon kurios. Fünf Elfmeter bekam Union in der Bundesliga-Saison zugesprochen. Der Spitzenwert der Liga, geteilt mit dem SC Freiburg. Aber nur einer, ein einziger davon landete im Netz. „Da haben wir keine so gute Serie. Das müssen wir besser machen“, forderte Unions Trainer Urs Fischer.

Letztmals traf Sven Michel für die Eisernen zum 1:4 in Freiburg. Letztlich Makulatur. Denn im Breisgau wartete Robin Knoche in der 17. Minute beim Stande von 0:2 mit einem Fehlschuss vom Punkt aus auf. Ausgerechnet Knoche, dessen Kaltblütigkeit in der Europa League dem 1. FC Union zwei 1:0-Siege gegen Malmö und Braga beschert hatte.

Der 1. FC Union ist Spitzenreiter bei erhaltenen Strafstößen

Auch Milos Pantovic reihte sich in die Reihen der Fehlschützen bei den Eisernen ein. Etwas übermotiviert versuchte er sich beim 1:2 gegen seine Ex-Kollegen von Bochum und scheiterte an Manuel Riemann. Zu seiner Ehrenrettung muss man sagen, dass Bochums Schlussmann in seiner Karriere schon 31 von 86 Strafstößen gehalten hat, also ein echter Elferkiller ist.

Doch zurück zu Siebatcheu. An diesem Sonnabend beim Re-Start gegen die Sinsheimer stand der Stürmer erneut am Punkt im Mittelpunkt. Anzumerken war dem 26-Jährigen, dass er unbedingt seinen vierten Treffer erzielen wollte für die Köpenicker. Zuletzt hatte er ja Mitte September dieses Glücksgefühl verspürt beim 2:0 gegen den VfL Wolfsburg. Ein Spiel, das die Union-Fans hinterher vor der nahe der Spree gelegenen Wohnung von dem mit den Wölfen im Clinch liegenden Max Kruse auf ihre Weise feierten.

Rani Khedira spendet Jordan Siebatcheu nach dem verschossenen Elfmeter Trost.
Rani Khedira spendet Jordan Siebatcheu nach dem verschossenen Elfmeter Trost. Imago/Nordphoto

Nun lag sie da, die große Chance. Direkt vor ihm. Eine bessere Möglichkeit gibt es eigentlich nicht. In Lewandowski-Manier wollte der Mann die Kugel mit verzögertem Anlauf versenken. Möglichst so, dass Oliver Baumann keine Chance haben sollte, die Finger an die Kugel zu kriegen. Das gelang. Aber der Ball traf nur den Außenpfosten und ging von dort aus ins Toraus. Chance vertan. Und es war schon der zweite Strafstoß in dieser Spielzeit, den der 26-Jährige versemmelte.

1. FC Union: Siebatcheu und Kramaric versemmelten zwei Elfmeter

Beim 1:0 in Köln hatte Siebatcheu ja den Handelfmeter unplatziert in die Mitte in die Arme von Martin Schwäbe geschossen. Nur Hoffenheims Andrej Kramaric fehlte genau wie der Angreifer des 1. FC Union in dieser Spielzeit zwei Mal vom Punkt.

So kann man natürlich kaum Selbstvertrauen tanken, nachdem ihm Trainer Urs Fischer eine gute Vorbereitung attestiert und weiter den Vorzug vor dem mit den Hufen scharrenden Kevin Behrens gegeben hatte. Rani Khedira war der erste Union-Spieler bei dem Franko-Amerikaner und sprach ihm Mut zu.

Fischer spendet dem Stürmer des 1. FC Union keinen Trost

Tröstende Worte gab es von Trainer Urs Fischer hingegen nicht. „Er muss das verarbeiten. Gestern im Training haben wir noch Strafstöße geübt. Da hat er sie souverän und kaltblütig verwandelt. Aber ein Abschlusstraining ist kein Spieltag“, sagte Fischer über seinen glücklosen Stürmer, dessen Felle langsam, aber sicher davonschwimmen.

Muss man am Mittwoch in Bremen (20.30 Uhr/Sky) ja fast darum bitten, dass der 1. FC Union nicht wieder einen Strafstoß zugesprochen bekommt. Nicht, dass das blöde Stück „Die Angst der Eisernen vorm Elfmeter“ erneut zur Aufführung kommt.

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