Ex-Union-Star Sebastian Polter im Dress von Fortuna Sittard beim Hinspiel gegen die PSV Eindhoven (0:2). Damals noch ohne Mario Götze. Am Sontag kommt es zum deutschen Duell in der Eredivsie.  Foto: Imago/VI Images

Sie liegen auf einem einstelligen Tabellenplatz. Überraschenderweise. Die Europacupplätze sind in Sichtweite. Auch wenn es wohl nur die European Conference League werden kann. Also der neu geschaffene Wettbewerb der Uefa. Und keiner hätte es ihnen zugetraut vor der Saison. Was das mit dem 1.FC Union zu tun hat? Einiges. Aber hier ist ausnahmsweise nicht von den Eisernen die Rede. Sondern von Fortuna Sittard und dem einstigen Publikumsliebling bei den Köpenickern - Sebastian Polter.

Denn der tummelt sich mit den Limburgern in ungeahnten Gefilden. Rang neun hat die Fortuna inne. Vier Zähler trennen sie noch zu den Plätzen, in denen per Play off ein internationaler Startplatz ausgespielt wird. Wenn mir jemand das nach unserem schlechten Saisonstart versprochen hätte, hätte ich das sofort unterschrieben", meint der von Aachen, wo er mit seiner Freundin Ilena lebt,  täglich nach Sittard pendelnde Polter.

Sittard mit schlechtem Start

Sein Holländisch lässt noch zu wünschen übrig. Die Amtssprache bei Sittard auf dem Platz ist eher Englisch. Oder Deutsch. „Das können die meisten hier ja ganz gut Zumindest deutlich besser als ich Holländisch“,  so Polter lachen. Viel hat er von seiner neuen Wahlheimat noch nicht mitbekommen. Weder diesseits noch jenseits der Grenze. „Corona lässt ja nicht so viel zu“, meinte Polter. Auch das Familienleben gestaltet sich nicht immer einfach. „Ich bin ja kein Geschäftsreisender“, meinte Polter, der so oft es geht an freien Tagen nach Wolfsburg mit dem Zug pendelt, um seine beiden dort lebenden Kinder zu sehen. Hotels sind dieser Tage ja schwer zu kriegen im Lock down für Privatpersonen. 

Doch zurück zur Fortuna. Drei Punkte nach zehn Spielen ließen schlimmes befürchten. Doch nach dem Trainerwechsel - Sjors Ultee löste Mitte November Kevin Hofland, der Polter ja nach Holland gelockt hatte, ab - folgte Stück für Stück der Aufschwung. Polter ist mit acht Buden und drei Assists nicht ganz unbeteiligt, auch wenn er zugibt, dass da noch mehr drin gewesen wäre.

„Wir wollen unbedingt diesen einstelligen Platz verteidigen“, so Polter. Für noch mehr müsste aber – wie eben auch bei Union - einiges passieren. Auch bei Polter. Zweistellig soll es bei den Treffern noch werden. „Wir müssten mal einen Großen schlagen“, weiß Polter. Die Gelegenheit dazu wäre an diesem Wochenende. Am Sonntag kommt die PSV Eindhoven (14.30/DAZN). Mit Mario Götze und Roger Schmidt als Trainer. Ein Sieg für Fortuna würde auch in Deutschland für erhöhte Aufmerksamkeit.

Muss am Sonntag mit der PSV Eindhoven in Sittard ran: Weltmeister Mario Götze.  Foto: Imago/Pro Shots

Die Gründe für den Aufschwung sind vielschichtig. „Viele Leistungsträger sind ja erst im Sommer gekommen. Da hat es etwas gebraucht, bis wir zueinander gefunden haben. Und einer alleine kann da auch nichts richten. Ich bin ja kein Messi oder Cristiano Ronaldo. Ich lebe viel von meinen Kollegen und habe auch etwas Anlaufzeit gebraucht“, so der 29-Jährige, der sich bei Fortuna völlig wohl fühlt und dessen Vertrag noch bis 2022 läuft.

Das Niveau der holländischen Liga würde Polter irgendwo zwischen untere Hälfte Bundesliga und obere Hälfte 2. Liga in Deutschland einordnen. Bis auf die Spitzenclubs vielleicht. Also vor allem Ajax und PSV.

Die gilt es nun zu schlagen. Damit Sittards Traum von Europa weiter lebt. Und es womöglich in der kommenden Spielzeit dort ein Wiedersehen mit dem 1.FC Union gibt. Der Kontakt nach Köpenick ist ja nie abgerissen bei Polter. „Dem Trainer habe ich sogar neulich zum Geburtstag gratuliert“, so Polter. Einmal Union, immer Unioner eben.