Zweikampfführung für Fortgeschrittene: Unions Grischa Prömel schwebt über einem Hoffenheimer Gegenspieler. Foto: dpa

Es könnte Friede, Freude, Eierkuchen sein in Köpenick. Ist es eigentlich ja auch, denn diese Konstellation vor dem Bundesliga-Saisonfinale haben sie sich dort durchaus gewünscht. Einerseits. Andererseits stecken sie in der Alten Försterei trotzdem ein klein wenig im Dilemma. Denn Fußball-Deutschland schaut am Sonnabend ganz genau hin, was der 1. FC Union gegen Fortuna Düsseldorf in seinen letzten 90 Minuten dieses aufregenden Spieljahres so treibt. Oder auch: was er vielleicht nicht treibt.

Das wäre ganz schlimm, da die Unioner im Kampf gegen den Abstieg, mit dem sie selbst nichts mehr zu tun haben, trotzdem eine wichtige Rolle einnehmen. Sie spielen das Zünglein an der Waage dafür, ob Werder Bremen (1980 das einzige Mal abgestiegen) oder Fahrstuhl-Insasse Fortuna Düsseldorf in die Zweite Liga muss und wer von beiden gegen den Zweitliga-Dritten die Chance bekommt, seine Saison auf den allerletzten Drücker doch noch zu retten.

Die Krux dabei für den 1. FC Union ist die: Beim Zünglein an der Waage ist der Schwarze Peter nicht weit. So wird der Abschied aus ihrer ersten Bundesliga-Saison für die Eisernen zum Charaktertest.

Alles hat es schon gegeben in 57 Jahren Bundesliga. Auch Spiele mit einem Geschmäckle. Dabei denke ich nicht so sehr an den Bundesliga-Skandal, in dem es am Ende der Saison 1970/71 um gleich acht manipulierte Spiele ging. Vielmehr kommt mir der letzte Spieltag der Saison 1977/78 und das Borussia-Duell zwischen Mönchengladbach und Dortmund in den Sinn. Die Fohlen-Elf muss bei Punktgleichheit mit dem 1. FC Köln zehn Tore aufholen und schafft ein 12:0, es ist bis heute der höchste Sieg. Es hätte reichen können, nur gewinnen die Kölner bei Absteiger St. Pauli 5:0 und retten sich zum Titel.

Lang, lang ist’s her, nur vergisst das niemand so schnell. Deshalb ist es seitdem so, dass die Dortmunder, sobald es auf eine Entscheidung am letzten Spieltag hinausläuft, als mieses Beispiel, für dumme Sprüche und blöde Anmache herhalten müssen. Wer sich total unbeliebt machen will, sollte kurz mal bei Otto Rehhagel nachfragen, dem damaligen BVB-Trainer und seit jenem 0:12 regelmäßig als Otto Torhagel verspottet.

In dieses Fahrwasser mögen die Eisernen bitte nicht kommen. Das sind sie, die sich als Romantiker beim Spiel mit dem runden Leder verstehen, am meisten sich selbst schuldig. Auch sie könnten irgendwann in eine ähnliche Situation kommen wie Bremen und würden auf das große Wort vom Fairplay vertrauen. Also hoffen die Männer von der Weser darauf, dass der Neuling in seiner letzten Partie seine letzten Körner reinhaut und sich anständig aus seinem ersten Spieljahr in Deutschlands Vorzeige-Liga verabschiedet.

Natürlich ist jeder auch seines eigenen Glückes Schmied. Sowohl Fortuna als viel mehr Werder hätten nicht in einen solchen Schlamassel hineinrutschen müssen. Nun ist es aber passiert und der 1. FC Union kann sich winden wie er will, jede noch so winzige Luschigkeit wird wahrscheinlich hämisch seziert und bei passender oder auch unpassender Gelegenheit herausgeholt und breitgetreten.

Besser wäre es, erst gar nicht selbst in die Bredouille zu kommen. Deshalb, Jungs, gebt alles. Wenn am Ende vier, fünf oder auch sechs knackige Schüsse an Pfosten oder Latte klatschen, dann ist es Pech. Aber nur dann. Es kann am Ende schiefgehen, klar. Dann zählt, ob ihr euch in die Augen sehen könnt. Und zwar zuallererst euch selbst.