Schockmoment auf der Alm: Andreas Luthe und Julian Ryerson hatten sich bei einem Zusammenprall ihrer Schädel gegenseitig ausgeknocked.  Foto: Matthias Koch

CTE - drei Buchstaben nur. Aber kreuzgefährlich. Krankhafte Veränderungen im Gehirn, die chronische traumatische Enzephalopathie findet sich überdurchschnittlich oft bei Eishockey-, Rugby- und American Football-Spielern, aber eben auch bei Fußballern. Nach dem Sonntagskick der Eisernen in Bielefeld (0:0), als Torwart Andreas Luthe und Julian Ryerson mit den Köpfen zusammenknallten und schier endlos lange behandelt werden mussten, ist das Thema in aller Munde. 

Es ist nicht mal eine Woche her, da mahnte Luthe einen gewissenhafteren Umgang mit Kopfverletzungen an. „Wir müssen vorsichtig bleiben nach solchen Verletzungen und die Spieler vor sich selbst schützen“, hatte er als Mitglied der „Taskforce Zukunft Profifußball“ gefordert. 

Luthe spürt die Konkurrenz 

In Bielefeld (0:0) wollte Unions Torhüter nicht vor sich selbst geschützt werden. Er und Ryerson gaben nach acht Minuten Behandlungspause grünes Licht zum Weiterspielen. Wenige Wochen zuvor hatte sich Luthe nach einem Zusammenprall noch auswechseln lassen und zuletzt sogar dreimal in Folge  - wenn auch aus anderen Gründen - pausieren müssen. Will man da Luft ranlassen, wenn man den Konkurrenten im Nacken spürt? 

„Ich wusste, wo ich bin und welcher Spielstand war. Von daher: kein Thema“, so Luthe nach dem Abpfiff in Bielefeld: „Die Nase schmerzt, aber soweit geht es mir gut.“ Der blutende Cut auf der Nase wurde getackert. Ryerson  trug bis zur Halbzeit einen Kopfverband und spielte auch bis zum Ende durch.

Autsch, das tut schon beim Hinsehen weh! Andreas Luthe  und  Julian Ryerson knallen mit den Köpfen aneinander.  Foto: Matthias Koch

Loris Karius, genau wie Nico Schlotterbeck von Fischer gleich zum Erwärmen geschickt, machte sich sicherlich so seine eigenen Gedanken. Im Champions-League-Finale 2018 mit Liverpool war er von Reals Sergio Ramos böse mit dem Ellenbogen getroffen worden. Karius spielt weiter - mit einer Gehirnerschütterung, wie sich später herausstellte - und patzte in der Folge. 

Fischer, der den heftigen Zusammenprall seiner Kicker erst hinterher auf einem Video genauer studieren konnte, gab am Tag danach nochmal Entwarnung. „Heute war alles okay. Beide konnten die Nacht ruhig schlafen ohne Kopfschmerzen. Und sie haben Regenerationstraining mitgemacht. Alles ohne Beschwerden“, so der 55-Jährige. 

Unmittelbar in der Situation hatte Fischer nicht eingreifen wollen, sondern sich auf sein medizinisches Personal verlassen. „Der Spieler für sich ist ja clever genug zu wissen, wenn es ihm nicht gut geht. Die Gesundheit ist das wichtigste. Es kam auf die Kommunikation mit der medizinischen Abteilung an. Die ist sich schon bewusst, um was es geht, wenn es um Kopfverletzung geht.“