Union-Fans im Stadion An der Alten Försterei  bei einem Ligakick – nun wird dort erstmals Europapokal gespielt werden.
Union-Fans im Stadion An der Alten Försterei  bei einem Ligakick – nun wird dort erstmals Europapokal gespielt werden. Imago/Bernd König

Ein Traum wird wahr. Im vierten Anlauf nach 1968, 2001 und 2021 ist endlich soweit – Europacupspiele in der Alten Försterei. Die UEFA macht's möglich, besteht in Deutschland, Frankreich und England nicht mehr auf reinen Sitzplatzarenen. Und für die Eisernen gab es da keine zwei Entscheidungen! Die im Olympiastadion angedachten Heimspiele der Europa League werden nach Köpenick ins Stadion An der Alten Försterei verlegt.

Für diese historische Möglichkeit verzichten die Eisernen auf die weitaus höheren Vermarktungserlös-Chancen im Westend der Stadt. My home is my castle! Nirgend's ist es besser. Was einst der Prager Frühling oder die Regularien der europäischen Fußballbosse verhinderten, ist endlich möglich.

Der 1. FC Union verzichtet auf die Chance auf Mehreinnahmen

„Wir freuen uns sehr über diesen Beschluss, denn er eröffnet uns die Möglichkeit, erstmals in unserer Vereinsgeschichte Europapokal-Spiele in unserem Stadion auszutragen. Natürlich hätten wir auch wirklich gerne sehr vielen Menschen im Berliner Olympiastadion gezeigt, wieviel Spaß Union machen kann, aber die historische Chance, Europapokalabende an der Alten Försterei zu erleben, wollen wir unbedingt nutzen“, so Union-Boss Dirk Zingler in einer Vereinsmitteilung.

Offen ist aber derzeit, ob Union seine ganze Stehplatzkapazität von rund 18.500 Plätze ausschöpfen kann. „Die infrastrukturellen Anpassungen, die dafür notwendig sind, werden wir schnellstmöglich mit der Stadionkommission der UEFA diskutieren und umsetzen“, so Zingler weiter.

Der einzige Wermutstropfen: Mehr als 22.012 Besucher können nicht dabei sein. Das heißt, das rund 50 Prozent der Vereinsmitglieder in die Röhre schauen werden. Nur zur Erinnerung: Beim Conference-League-Spiel gegen Feyenoord Anfang November des Vorjahres tauchten 30.000 Fans das Olympiastadion in ein rotes Licht. Wie viel mehr würden jetzt kommen, wenn beispielsweise Manchester United oder Arsenal London, oder einer der beiden römischen Vereine AS oder Lazio dort aufdribbeln würden!

Erst am Nachmittag,  so gegen 15 Uhr, hatte die UEFA das Sitzplatzverbot gekippt. Die Entscheidung der Eisernen nicht ins Olympiastadion umziehen zu wollen für ihre Heimspiele, fiel nach einer rasch einberufenen  Präsidiumssitzung nur knapp vier Stunden später. Zeigt, dass man sich in Köpenick schnell einig war, was die Prioritäten angeht.

Der 1. FC Union brauchte nicht lange für eine Entscheidung für die Alte Försterei

Die UEFA bricht mit ihrem selbst auferlegten Tabu und die Fußballkultur kann leben! „Stehplätze sind ein wichtiger Teil unserer Fußballkultur“, sagte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke, der vor geraumer Zeit eben dies bei UEFA-Präsident Aleksander Ceferin eingefordert hatte.

So schön es für den 1. FC Union im Olympiastadion auch gewesen sein mag, zu Hause ist es doch am schönsten!
So schön es für den 1. FC Union im Olympiastadion auch gewesen sein mag, zu Hause ist es doch am schönsten! Imago/Nordphoto

Übrigens: In Spanien und Italien ist das noch nicht möglich. Dort müssten die nationalen Verbände erst einmal die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Stehplätze im Stadion wieder zulässig sind. Und vergessen werden sollte auch nicht, dass die UEFA die Entscheidung vorerst nur auf ein Jahr befristet hat.

Auch das war Wasser auf die Mühlen der Alten-Försterei-Befürworter. Wer weiß denn, wann Union sich wieder für das internationale Geschäft qualifiziert und ob bis dahin wieder eine totale Versitzplatzung droht.

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