Ex-Unioner Marco Gebhardt ist seit sechs Jahren Trainer bei Oberligist Blau-Weiß 90.  Foto: Koch

Die Jubeltraube um Max Kruse hatte sich nach dem 2:1-Siegtreffer im letzten Saisonspiel gegen RB Leipzig noch gar nicht richtig gebildet, da zuckte Marco Gebhardt (48) zusammen. In erster Linie vor Freude, in zweiter vor Schmerz, in dritter wieder vor Freude. „Bei meinem Jubel über dieses Tor und über diesen Sieg habe ich mich gezerrt“, so der Linksfuß, der für die Eisernen in drei Spielzeiten bis 2010 in 101 Pflichtspielen viele Kastanien aus dem Feuer holte und eine Stammkraft bei den Union-Oldies ist.

„In der Wade hat es mich erwischt“, sagt Gebhardt und grinst ein wenig über sich selbst, „doch das sagt wahrscheinlich viel aus über meinen Trainingszustand.“ Andererseits wiegt das Tor den Schmerz mehr als auf, „denn dadurch habe ich in unserer Tipp-Runde den Ausgang des Spiels auf den Kopf getroffen und so die ganze Sache auf den letzten Drücker gewonnen.“

Dieses letzte Saisontor der Rot-Weißen ist für Gebhardt ganz abgesehen vom Sieg im Tipp-Spiel sowieso „die Kirsche auf der Sahne“. Mit diesem Treffer ist die Eisern-Legende, seit 2015 Trainer von Oberligist Blau-Weiß 90, zugleich bei seinem Lieblingsthema. Das heißt Max Kruse und ist indirekt für Gebhardts Wadenzerrung verantwortlich. „Ich mag ihn als Spieler und allein auch deshalb“, hierbei schleicht sich so etwas wie Schelm in seine Gesichtszüge, „weil er wie ich ein Linksfuß ist.“ Ernsthaft aber fährt Gebhardt fort: „Die Unioner waren mutig, als sie ihn verpflichtet haben. Doch ihr Mut hat sich ausgezahlt, denn in meinen Augen ist Kruse einer, der erstens selbst immer Leistung bringt und zweitens die anderen über ihre Grenzen treibt.“

Lässt Gebhardt das eiserne Spieljahr insgesamt Revue passieren, dann kommt er sogar mit ein paar Tagen Abstand aus dem Schwärmen kaum heraus. „Damit, dass sie das alles allein, ohne Zuschauer, ohne ihren sprichwörtlichen 12. Mann, der bei ihnen ja eine Macht ist, gewuppt haben, konnte ernsthaft niemand rechnen. Umso mehr ist das ein wirklich tolles Ding“, versichert das einstige Mittelfeld-Ass. Abgesehen von Platz 7 und von der Teilnahme an der Europa Conference League ist der Oldie Feuer und Flamme über seine Nach-Nachfolger in der Alten Försterei: „Ich kann es noch immer nicht glauben, dass sie so eine einzigartige Saison abgerissen haben. Es ist aus meiner Sicht nicht übertrieben zu sagen, dass Union die Bundesliga, und wenn auch nur ein bisschen, aufgemischt hat.“