Die Farben stimmen schon einmal - Rot und Weiß. Nur dass Max Kruse bei seinem Medizincheck am Institut für Sportwissenschaft der Humboldt-Uni noch nicht die drei Streifen trug, sondern ein Designer-Shirt von Mod Wave Movement (79,95 Euro).  Foto: Matthias Koch

Königstransfer? Coup? Nennen kann man es, wie man will. Die Verpflichtung von Max Kruse, mit der der 1.FC Union am Donnerstag aufwartete, erregt Aufsehen. Und weckt Fantasien. Doch was bedeutet das für die Eisernen?

Nach dem Abgang von Rafal Gikiewicz und Sebastian Polter wurde oft ein Mangel an Typen im Kader der Eisernen beklagt. Das ist mit dem Transfer des 32-Jährigen, der gestern früh seinen Medizincheck absolvierte, vorbei. Und es zeigt, dass Trainer Urs Fischer und Manager Oliver Ruhnert den Umgang mit unbequemen Profis nicht scheuen. 

Und es hat viel weiter reichende Konsequenzen für das Spiel der Eisernen, die künftig im Angriff viel variabler daherkommen können. Egal ob mit oder ohne Sebastian Andersson. 

Sollte der Schwede von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen, wäre Union mit Anthony Ujah und Cedric Teuchert als Mittelstürmer nominell ordentlich besetzt. Backups wären derzeit Marcus Ingvartsen oder Suleiman Abdullahi. Kruse selber kommt ja lieber als hängende Spitzen und Ballverteiler hinter einem echten Neuner zum Zuge. Wäre zwar auch eine Rolle für Ingvartsen, aber da wird Kruse wohl den Vorzug bekommen.

Mit Kruse wäre ein Abgang von Andersson zu verschmerzen

Sollte Unions bester Torjäger doch noch in diesen Tagen die Flucht ergreifen wollen, könnte Ruhnert Andersson ruhigen Gewissens ziehen lassen. Dessen Vorzüge als Zielspieler beim uniontypischen Hoch und Weit wären in einem neuen Spielsystem nicht mehr  die einzige Option für Fischers Team wie in der abgelaufenen Spielzeit. Zumal Teuchert ja eher als spielender  Mittelstürmer gilt, der von Kruse entsprechend bedient werden könnte. 

Sollte Andersson die Ausstiegsoption mangels Angeboten aus England verstreichen lassen, wäre das ein doppelter Gewinn für Union. Ruhnert könnte ihn bei neuen Interessenten - und der Markt in England nimmt traditionell eher später Fahrt auf - eincashen gegen besser dotierte Offerten. Oder aber die Eisernen gehen mit einer Doppeloption in die neue Spielzeit, wie sie im Sturm aufgestellt sein könnten.