Filmreif: Die Waldseite sorgte 2019 vor dem ersten Bundesliga-Heimsieg und gegen den BVB mal wieder für eine beeindruckende Choreographie. Imago

Nicht jedes Spiel ist ein Spektakel. Davon können alle Mannschaften ein Lied singen. Selbst Bayern München bleibt davon, wenn auch auf viel höherem Niveau als alle anderen Teams in Deutschland und die meisten in Europa, nicht verschont. Gerade die beiden verlorenen Finals in der Champions League 1999 und 2012 sorgen für Dellen in der sonst ziemlich makellosen Vereins-Historie. Obwohl: Spektakulär waren sogar diese Partien mit den legendären Gegentoren von Manchester United in der Nachspielzeit oder Bastian Schweinsteigers Elfmeter an den Pfosten gegen den FC Chelsea.

Ein Spektakel nimmt nicht immer ein gutes Ende, erst am Wochenende hat es auch Borussia Dortmund, am Sonntag nächster Gegner des 1. FC Union in der Alten Försterei, nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit ziemlich bauchklatschig und damit ganz und gar spektakulär erwischt.

Union gegen Dortmund bot bereits großes Kino

Das wollen die eisernen Fans sehen: Union-Stürmer Sheraldo Becker schüttelt Dortmunds Nationalspieler Emre Can ab. Imago

Das Spektakel bei den Eisernen ist einige Etagen weiter unten angesiedelt und mal mehr, mal weniger von Erfolg gekrönt. Auch wenn das 0:2 jüngst in Augsburg etwas anderes suggerieren mag, sollte niemand behaupten, die Auftritte der Männer von Trainer Urs Fischer wären nicht oft genug schon großes Kino gewesen.

Vor allem wenn es zu Hause gegen Dortmund geht, ist das fast schon ein Blockbuster. Es kann nicht oft genug daran erinnert werden, dass mit einem 3:1 gegen den BVB für alle Ewigkeiten der erste Heimsieg in der Bundesliga verknüpft ist, und auch in ihrem zweiten Jahr in Deutschlands höchster Spielklasse haben die Rot-Weißen gegen die Schwarz-Gelben zu Hause einen Dreier geholt.

Es ist – allein dieses Spieljahr ist mit herausragenden zwei Siegen gegen Mönchengladbach hier und nur einem Punkt in zwei Spielen gegen Augsburg da beispielgebend – außerdem niemals so, dass eine Saison immer nur geradlinig verläuft. Die Bayern haben nach ihrem 1:2-Stolperer gegen die Fohlen zu Rückrundenbeginn gehadert, um danach mit drei Siegen zu zeigen, wer sie wirklich sind.

Wohin geht die eiserne Reise?

Dafür hat der BVB mit einem Neun-Punkte-Wiederbeginn geglänzt, um gegen Leverkusen abzuschmieren. Die Eisernen imponierten mit sieben Punkten aus drei Spielen, um in Augsburg, bei ihrem vielleicht unbequemsten Gegner, eine ausgewischt zu bekommen. Am unbequemsten deshalb, weil sich dort, wenn Union kommt, nichts abspielt mit Puppenkiste. Dabei aber wähnen sich die Köpenicker gerade mit den Augsburgern in etwa auf Augenhöhe. Wahrscheinlich ist es auch deshalb so frappierend, dass ausgerechnet dort so gut wie nichts geht. Andererseits macht genau das Unwägbare und Unerwartete den Reiz erst aus. Dann ist es, Spielphilosophie hin und Matchplan her, völlig klar, dass es mal so und mal so ausgeht.

Täuscht der Eindruck, aber wähnt mancher die Eisernen nach ihrer ersten Niederlage in der Rückrunde, auch weil sich deutlich was im Personal verändert hat, tatsächlich auf dem Weg nach unten? Oder ist es, um bei einem Fußball-Kalauer zu bleiben, vom Gefühl her nur ein blödes Feeling?

Für Union ist noch alles drin

Na gut, es gibt in der Bundesliga-Historie kaum etwas, was es nicht schon gegeben hat, solch couragierte Teams wie den 1. FC Union mit nun schon 125 Punkten und 120 Toren aus 89 Spielen inklusive. Das völlige Gegenteil aber auch. Die Männer aus der Alten Försterei könnten, wenn der kommende Spieltag komplett gegen sie läuft, auf Rang 8 fallen, sie könnten aber auch Rang 4 zementieren.

Es ist verflucht schwer, in der Liga (von den Bayern oben und von Fürth unten abgesehen) Leitplanken zu erkennen. Da beträgt der Vorsprung der Münchner auf Dortmund, den Tabellenzweiten, eigentlich uneinholbare neun Punkte. Der BVB wiederum hat auf Union, den Tabellenvierten, gleichfalls ein Polster von neun Zählern. Macht schon 18 Punkte oder sechs Siege mehr zwischen den Rängen 1 und 4. Geht’s noch einmal 18 Punkte nach unten, so brennt auf Platz siebzehneinhalb nur noch wenig Licht. Mit anderen Worten: Alles ist möglich und nichts ist unwahrscheinlich.

Eisernes BVB-Spektakel ohne Max Kruse

Union-Frust: BVB-Verteidiger musste an der Alten Försterei bereits zweimal als Verlierer vom Platz und Dampf ablassen. Imago

Es wird noch viel Spektakel geben in dieser Saison und nicht jedes Spiel für den 1. FC Union endet wie das in Augsburg, enttäuschend und ein wenig blutleer. Das sollte, davon ist auszugehen, ein Ausrutscher gewesen sein, von denen sich die Eisernen tatsächlich sehr, sehr wenige geleistet haben. Insofern bleibt fürs Erste alles stabil und die Mehrzahl der Konkurrenten, genau genommen sollten es 14 sein, würde liebend gern mit Christopher Trimmel und seinen Kollegen tauschen wollen.

Übrigens, obwohl es hier und da schon kurz angeklungen ist und um die beiden bisherigen Triumphe über den BVB in Heimspielen noch mehr ins rechte Licht zu rücken: Beim ersten hatte ein Spieler, der nun nicht mehr da ist, das Union-Trikot noch niemals getragen, beim zweiten hat er verletzt gefehlt. Spektakulär war’s trotzdem.

Vielleicht sind am Sonntag ja aller guten Dinge drei. Es ginge ausnahmsweise auch ohne Spektakel. Denn allein ein Sieg wäre Spektakel genug.

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