Unions Kapitän Christopher Trimmel (l.) kämpft im Hinspiel  gegen Dodi Lukebakio von Hertha BSC um den Ball.  Foto: dpa/Andreas Gora

Man kennt sie noch, diese Mutmachsprüche aus Kindertagen, wenn das eigene Team unversehens mit 0:1 ins Hintertreffen geraten ist. "Wer 1:0 führt der stets verlürt", raunten wir uns dann zu. Für das Hauptstadtderby heute um 20.30 Uhr (live auf DAZN und Amazon Prime)  trifft das genaue Gegenteil zu. Nur nicht in Rückstand geraten. Sonst ist das Ding quasi schon durch!

Im Duell um die Berliner Stadtmeisterschaft zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union treffen im Olympiastadion auch zwei Tor-Philosophien aufeinander. Beide Klubs kommen auf unterschiedliche Weisen zum Erfolg - der Blick in die Statistiken offenbart auch weitere Differenzen der Tabellen-Nachbarn im Mittelfeldduell. Eine Analyse mit Daten des Instituts für Spielanalyse.

Wie treffen beide Clubs: Die Art, wie beide Berliner ihre Tore erzielen, unterscheidet sich deutlich. Union traf am häufigsten nach einer Standardsituation (14). Siebenmal lieferte dabei Kapitän Christopher Trimmel die Vorlage, die jedes Mal Sebastian Andersson verwandelte. Bislang zehn Tore erzielten die Köpenicker direkt nach Ballgewinn und benötigten dabei im Schnitt nur 5,1 Sekunden von Balleroberung bis zum Tor - Liga-Bestwert. Nur achtmal war Union im Angriff nach einem normalen Aufbau erfolgreich. Aus diesem sogenannten Positionsangriff schoss Hertha dagegen starke 20 Tore und war weniger erfolgreich bei Standards (9) und nach Umschalten (6).

Startphase: Union kommt diese Saison deutlich besser ins Spiel als der Stadtrivale. Die Köpenicker erzielten in der ersten Viertelstunde sechs Treffer und gaben 50 Torschüsse ab. Hertha beginnt deutlich schleppender, mit 32 Schüssen in den ersten 15 Minuten gelangen nur zwei Treffer. Auch defensiv hat Union mit drei Gegentoren im Vergleich zu acht beim Berliner Konkurrenten einen Start-Vorteil.

Schlussphase: Beide Teams sind kurz vor Ende der Partie defensiv äußerst anfällig. Hertha kassierte 14 Gegentore nach der 75. Minute, Union 13. Nur der FC Augsburg (16) und der FSV Mainz 05 (18) waren diese Saison in der letzten Viertelstunde bis zum Abpfiff noch schlechter. Union gelangen in der Schlussphase sieben Tore, Hertha schoss fünf Treffer.

Ergebnisse nach 0:1-Rückstand: Sollte ein Team in Führung gehen, ist das Spiel zumindest aus statistischer Sicht fast schon gelaufen. Achtmal lag Hertha diese Saison zuhause mit 0:1 hinten, verlor sechs dieser Partien und konnte nur noch einmal gewinnen. Das war am 4. Oktober beim 3:1 gegen Düsseldorf. Unions Bilanz ist noch düsterer: Auswärts hieß es achtmal 0:1, danach holte das Team von Trainer Urs Fischer nur noch einen Punkt. Das war beim erstes Bundesliga-Auswärtsspiel der Köpenicker in Augsburg am zweiten Spieltag, als Sebastian Andersson auf Vorarbeit von Sebastian Polter das 1:1 erzielte und damit den ersten Bundesligatreffer in der Geschichte der Köpenicker markierte.  Ist schon 'ne Weile her. Und aus eiserner Sicht wird es Zeit, diesen Fluch zu brechen. (mit dpa)