Taiwo Awoniyi feiert seinen Treffer zum 3:2 gegen den VfL Bochum, durch den sich der 1. FC Union für die Europa League qualifizierte. imago/Nordphoto

Der 1. FC Union und Europa – sie können einfach nicht ohne Drama. Im Vorjahr das Last-Minute-Tor von Max Kruse gegen Leipzig als Lucky Punch als Türöffner für die Conference League. Und diesmal, gegen einen VfL Bochum, der sich nach einem 0:2-Rückstand anschickte, durch seine beiden Treffer (Zoller/55., Löwen/79.) zum Partycrasher zu werden. Ein Kölner Treffer in Stuttgart und Union hätte „nur“ Vorjahresrang sieben wiederholt. Doch dann kam Taiwo Awoniyi und erlöste zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit die Köpenicker mit dem 3:2! Rang fünf gesichert! Europa League, wir kommen!

Erst 2:0 geführt durch die Treffer von Grischa Prömel (5.) und Awoniyi (25.), dann den Ausgleich kassiert. Am Ende doch gewonnen. Was Awoniyi dazu brachte, dass er mit blankem Oberkörper seinen 15. Saisontreffer ausgiebig zelebrierte. Aus dem Strafraum rennen und sich das Leibchen vom Körper reißen waren eine einzige, fließende Bewegung. Die Gelbe Karte dafür war dem Nigerianer verständlicherweise völlig egal.

Was für ein Finish. Was für eine sensationelle Saison. Für Awoniyi! Für Union!! Und den Fußball überhaupt!!! Denn auch Freiburg und Köln – im letzten Jahr noch in der Relegation – stürmten ja ebenfalls mit nach Europa.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff wussten einige Hundert Fans nicht, wohin mit ihrer Freude. Sie stürmten munter auf den Platz. Wie einst beim Aufstieg 2019. Wollten einfach nur feiern. Ihre überschwänglichen Gefühle irgendwie loswerden.

Ein Szenario, das Union im Vorfeld zu unterbinden gedacht hatte, indem man eigens eine rot-weiße Fanmeile auf dem Parkplatz der Alten Försterei installiert hatte. Dort sollte dann dem Anlass entsprechend gejubelt und getanzt werden. Und natürlich würden sich Christopher Trimmel, Taiwo Awoniyi & Co. dem Fan-Volk noch vom Balkon der Haupttribüne aus näherbringen.

Union-Fans stürmten kurzzeitig auf den Platz

Kurzzeitig stürmten einige Union-Fans nach dem Schlusspfiff dann doch auf den Rasen des Stadions. imago/Nordphoto

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Mühsam, aber doch recht zügig, wurden dann diejenigen Fans, die nicht hatten an sich halten können, wieder zurück auf die Ränge gebracht. Die kurzfristig vor dem Gästeblock aufgezogene Polizei musste nicht eingreifen.

So konnten die Profis des 1. FC Union dann doch noch ihre obligatorische Stadionrunde drehen, ehe sie von einem vielstimmigen Chor von der Waldseite aus abgefeiert wurden. Allen voran konnte sich Grischa Prömel (wechselt nach Hoffenheim) noch einen Extraapplaus abholen. Da blieb kein Auge trocken, da wurde kein Stimmband geschont.

Die ohnehin schon tolle Stimmung wurde noch um einige Grade heißer, als Christian Arbeit in seiner Funktion als Stadionsprecher die Ergebnisse aus Dortmund und Stuttgart verkündete. Sanft und zurückhaltend im Ton, aber dramaturgisch gesehen in der richtigen Reihenfolge. Erst das 2:1 aus Dortmund, dann das 2:1 der Stuttgarter gegen den 1. FC Köln. Der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Entsprechend bierselig wurde dann der Abend bei Musik und lauten Union-Gesängen. Auch, weil Manager Oliver Ruhnert vom Balkon herab verkündete, dass der Leihvertrag mit dem kürzlich an einem Hodentumor operierten Timo Baumgartl verlängert wurde.

Rekordrang fünf und die Europa League, souveräner Stadtmeister – ja, natürlich gab es entsprechende Gesänge –und der Stadtrivale in der Relegation: Mehr Freude geht nicht in Köpenicker Gefilden. Trainer Urs Fischer hatte dann auch Mühe, das alles einzuordnen. Mit einem Wort allein, gelang ihm das nicht. „Unglaublich. Fantastisch. Außergewöhnlich“, kam ihm zuerst in den Sinn. Und als er gerade weiter ausholen wollte, stürmten seine Kicker in den Pressekonferenzraum, um ihrem Boss eine Bierdusche zu verabreichen.

Der nahm es mit Humor. War zwar pudelnass, aber anders als sein Mikro hatte er keinen wirklichen Schaden davongetragen.  „So ist das halt immer“, meinte Fischer lachend, der sich jetzt auf den Urlaub freut. „Da kann ich vielleicht etwas drüber nachdenken, was wir geleistet haben.“

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